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Nordfriesland Tageblatt

19. September 2017 | 22:48 Uhr

Renovierung : Mehr Platz für die Waldpädagogik

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Jugendwaldheim Süderlügum wurde in den vergangenen Monaten für 150 000 Euro renoviert und erweitert.

Im Herbst 1988 wurde aus dem ehemaligen Waldarbeiter-Gehöft mit Wirtschaftsgebäuden in Süderlügum mit dem Jugendwaldheim eine besondere Bildungseinrichtung geschaffen. Träger und Eigentümer der Liegenschaften sind die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (AöR) mit Sitz in Neumünster. Im Jugendwaldheim können Jugendliche überwiegend im 7. und 8. Schuljahr neben der praktischen Waldarbeit insbesondere den Wald kennenlernen. Zu der damals bereits auf dem Gelände errichteten Köhlerhütte und der Hangel-Anlage sind weitere Einrichtungen hinzu gekommen, wie überdachter Grillplatz, Pizzabackofen, Baumhaus, Fußball- Basketball- und Beachvolleyball-Feld, Streuobstwiese, ein See für Floss- und Bootfahrten sowie alle neueste Errungenschaft ein kleines Gewächshaus.

Um die Räumlichkeiten in den beiden Häusern besser nutzen zu können, wurden diese nun umfangreich umgestaltet und renoviert. Im Haupthaus hat man das ehemalige Büro vom Erd- in das Dachgeschoss des ehemaligen Freizeitraumes, mit Brandmelde- und Technikzentrale, verlegt und durch einen Hauswirtschaftsraum ersetzt. Treppenhaus und Dachgeschoss erhielten neue Fußbodenbelege und einen frischen Anstrich. Weiter wurden Rauchschutztüren eingesetzt sowie einige Fenster und Türen erneuert. Dazu ist im Dachgeschoss eine kleine Wohnung für den FÖJ-ler (Freiwilliges ökologisches Jahr) erstellt worden. Im Schlafhaus nebenan diente das Dachgeschoss vor der Sanierung lediglich als Lager. Dieser gesamte Bodenraum wurde nun neu ausgebaut, um drei Gauben nach Westen sowie vier Dachfenster ergänzt und dient nun mit seinen 70 Quadratmetern als Freizeitraum. Weiter hat man im Dachgeschoss vier weitere Schlafplätze und einen Lagerraum geschaffen. Und gemäß dem neuen Brandschutzkonzept ist an der Giebelwand von außen eine Fluchttreppe angebracht. Selbst an nasse Füße nach den Arbeitseinsätzen der Jugendlichen im Wald hat man gedacht, denn im Eingangsbereich ist ein an das Heizungssystem angeschlossener Stiefeltrockner installiert.

Unter Leitung der Architektin Bianca Paulsen haben die Arbeiten, die nach vorgeschriebener Ausschreibung sämtlich von Fachfirmen aus der Region ausgeführt worden sind, nur von Dezember 2014 bis Mai 2015 gedauert. Die Kosten betrugen rund 150  000 Euro und wurden alleine von den Landesforsten aus Eigenmitteln aufgebracht. Der stellvertretende Direktor der Landesforsten Lutz Boucsien zeigte sich dann auch hoch erfreut: „Alles ist zu unserer vollen Zufriedenheit verlaufen, und wir können den jungen Gästen nun ein noch besseres Angebot bieten.“

Ursprüngliche Idee der Jugendwaldheime war es, nach dem letzen Krieg verwüstete Wälder wieder aufzuforsten. In den Osterferien 1948 führte eine Jugendgruppe aus Wolfenbüttel im Harz erstmalig einen freiwilligen Waldeinsatz durch. Hieraus entstanden die waldpädagogischen Einrichtungen, die mittlerweile zu einer festen Größe in der Umweltbildungslandschaft Deutschlands geworden. Der Schwerpunkt der Arbeit des nördlichsten Jugendwaldheim Deutschlands liegt auf den Themen Natur- und Umweltbildung, Waldpädagogik und dem Berufspraktikum Forstwirtschaft. „Neben der erlebnisreichen Wissensvermittlung über das Ökosystem Wald und den Forstbetrieb geht es heute vor allem um die Vermittlung von Handlungskompetenzen, nicht nur in der Ökologie, sondern auch in den Bereichen Ökonomie, Soziales und Kulturelles“, erklärte der Leiter der Süderlügumer Einrichtung Forstingenieur Torsten Bensemann. Dabei ist das Besondere die vormittägliche Waldarbeit. Praktische Arbeiten im Wald erhöhen das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt. Die gemeinsame Betätigung im Wald fördert den Teamgeist und das Selbstbewusstsein. Nachmittags erwartet die Schüler ein buntes wald- und erlebnispädagogisches Programm wie Bogenbau, Survivalkurs, Teamworkaktionen und Niedrigseilgarten oder auch die Besichtigung einer Windkraftanlage. „Dabei stehen die Vermittlung des Prinzips der Nachhaltigkeit und des verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur im Mittelpunkt“, so Torsten Bensemann weiter.

Neben dem zentralen Element der Waldarbeit gibt es dazu noch kulturelle Angebote, und der Spaß kommt natürlich auch nicht zu kurz. Kürzlich waren gerade 20 Jugendliche mit körperlichem und geistigem Handicap im Alter von 16 bis 18 Jahren mit sieben Betreuern von der Steinbergschule aus Itzehoe zu Gast, einem Förderzentrum für geistige Entwicklung. Sie fühlten sich bei ihrem Aufenthalt im Jugendwaldheim sehr wohl, wie ein Lehrer bestätigte.




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