Grenzübergreifendes Projekt : Mehr Mut zu neuem Denken

„Jungzusammen“: Junge Menschen aus Dänemark und Deutschland haben in Leck Visionen für das Grenzland ersonnen

shz.de von
25. Juli 2015, 05:00 Uhr

Sie wollen länderübergreifende Ausbildungen, Sprachbarrieren beseitigen, die Grenzregion grüner machen und Dinge auch mal ganz neu denken dürfen: Beim Projekt „Jungzusammen“ arbeiten derzeit 68 junge Menschen aus Deutschland und Dänemark an Visionen für die Grenzregion (wir berichteten). Eine Woche lang haben die Teilnehmer von 19 bis 26 Jahren in der Nordsee Akademie in Arbeitsgruppen Ideen entwickelt sowie ihre Sprachkenntnisse und das Verständnis für die jeweils andere Kultur vertieft.

Denn obwohl die Distanz in Kilometern gemessen zwischen den Orten dies- und jenseits der Grenze nicht groß ist, gilt es doch manchmal, interkulturelle Barrieren zu überwinden. Deshalb ist „Tandem“ fester Bestandteil des Projektprogramms. Deutsche und Dänen arbeiten in gemischten Teams zusammen und kommunizieren möglichst in der Fremdsprache. „Sprache ist mehr als Vokabeln, da steckt viel Kultur und Mentalität drin“, sagt Angela Hansen von der dänischen Partnereinrichtung Højskolen Østersøen. Dänen empfänden es zum Beispiel als eher unhöflich, im Gespräch jemanden zu korrigieren, während Deutsche meist einfach helfen wollten, wenn sie den anderen berichtigen. „In diesem Projekt können die jungen Leute Besonderheiten ansprechen und auch Feinheiten kennenlernen.“

Gut in beiden Sprachen bewegt sich Gyde Metzger aus Flensburg, die bald in Kopenhagen wohnen wird. Die 19-Jährige war bereits im vergangenen Jahr Teil des Projekts, das übrigens nicht nach zwei Wochen Workshop-Zeit beendet war: Es hatte sich eine „Kommunikationsgruppe“ herausgebildet, die sich mehrmals getroffen hat, um die entstandenen Ideen weiterzuverfolgen. „Wir wollten im letzten Jahr eine Internetplattform schaffen, die Veranstaltungen im Grenzland bündelt und haben herausgefunden, dass es das mit ,Kulturfokus‘ bereits gibt“, berichtet Gyde. Bekannter machen, vernetzen – auch eine Aufgabe, die es in der Region zu bewältigen gilt.

In Leck haben die Projekt-Teilnehmer unterschiedliche Schwerpunkte ersonnen. Einzigartige Sport- und Kulturveranstaltungen in der Grenzregion schweben den jungen Menschen vor, einfachere Arbeitsmarktmodelle, die Interkulturalität für die Integration von Flüchtlingen zu nutzen und das Grenzland ökologisch und technisch grüner zu machen und damit eine Vorbildfunktion zu erreichen. Und dann gibt es noch die „Visionsgruppe“, die in die etwas fernere Zukunft denkt. Selbstfahrende Autos stehen hier auf der Möglichkeitsagenda. Oder das Konzept „Hyperloop“, das Hochgeschwindigkeit und Transport kombiniert. Das System soll elektrisch getriebene Transportkapseln mit Geschwindigkeiten von bis zu 1225 Stundenkilometern auf Luftkissen durch eine Röhre befördern – das Reisen wäre auf Strecken von bis zu 1500 Kilometern deutlich schneller als mit Bahn oder Flugzeug.

Unmöglich für die Grenzregion? Nicht sofort zu allem „Nein“ zu sagen, neue Wege des Denkens und Betrachtens – das hat Teilnehmerin Emma Bentin bereits in der Schule gelernt, nämlich im Fach „Innovation“. Dieser Wahlkursus erfreue sich an ihrer ehemaligen Schule wachsender Beliebtheit, berichte die 19-jährige Dänin: „In meinem Kursus waren wir 22, jetzt haben rund 60 Schüler dieses Fach gewählt.“

Was schon in der Grenzregion stattfindet, erfahren die Teilnehmer beim Markt der Möglichkeiten. Isabel Hedrich von der IHK Flensburg etwa erläutert die deutsch-dänische Verbundausbildung, die mehrmonatige Aufenthalte im Nachbarland ermöglicht und junge Talente an die Region binden soll. Auch in Niebüll ist derzeit eine junge Dänin als Auszubildende bei Edeka Lück in Niebüll. Sören Riechmann von der Flensburger Web-Agentur „Visuell Verstehen“ würde gern mehr dänische Kunden bedienen, in seinem Start-up-Unternehmen fehlt allerdings diese Sprachkompetenz. „Ein Tipp: Macht euer Ding!“, gibt der Jungunternehmer seinen Zuhörern auf den Weg. „Das kann ich nur bestätigen: Wenn sich eine Investition lohnt, dann in eure persönliche Weiterentwicklung“, ergänzt Stephan Wiese, der mit der Gruppe auch gestern auf dem Green-Tec-Campus in Enge-Sande über Elektromobilität und Energieeffizienz diskutierte.

Heute reisen die jungen deutsch-dänischen Visionäre nach Apenrade und setzen das Projekt fort. Vorträge, Diskussionen mit Politikern und Medienschaffenden wird es geben. Im Fokus steht natürlich weiterhin die Arbeit in den Gruppen, die zweite Woche steht dabei ganz im Zeichen der konkreten Umsetzbarkeit der Ideen. Ihre Ergebnisse werden die „Jungzusammen“-Teilnehmer am Donnerstag im Landtag in Kiel präsentieren.

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