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Bürgerbus in Emmelsbüll-Horsbüll : Mehr als nur eine Mitfahrgelegenheit

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Die regelmäßigen Nutzer des Bürgerbusses schwören auf das Angebot als sozialen Treffpunkt und Informationsbörse.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 08:52 Uhr

Emmelsbüll-Horsbüll | Jeden Donnerstag steigt Silke Carstensen in den weißen Sprinter und sammelt eine kleine Truppe ein. Die Emmelsbüllerin fährt den Bürgerbus, in dem acht Fahrgäste einen Sitzplatz finden. Ihre Mitfahrer sind oft dieselben - eine bunt gemischte Gruppe Frauen und Männer, von Mitfünfzigern bis Rentnern. Aber auch Neuzugänge sind regelmäßig dabei. Viele sind alleinstehend und nutzen die Fahrt, um unter Leute zu kommen.

Adolf Rasch fährt jede Woche im Bürgerbus mit. Der Witwer hat lange Zeit in Berlin gelebt und dort nie einen Führerschein gemacht. Und auch nach seinem Umzug in die Gemeinde Emmelsbüll brauchte er das Autofahren nicht zu lernen, da das Fahren seine Ehefrau übernommen hat. Seit er Witwer ist, ist der 70-Jährige deshalb auf fremde Hilfe angewiesen, wenn er aus dem Ort kommen möchte. Jeden Donnerstag freut er sich auf die Tour mit dem Bürgerbus, bei der er all das erledigen kann, was eben so ansteht: zur Apotheke gehen, Arzttermine wahrnehmen oder die Rentenstelle aufsuchen. "Ohne den Bürgerbus wäre das alles sehr schwierig für mich", erzählt der Pensionär. Auch sein behinderter Sohn begleitet ihn oft auf diesen Fahrten, die für die beiden auch einfach als gemeinsame Ausflüge dienen.

Beim nächsten Halt steigt Regina Stein ein, die nicht mehr selber Auto fährt, seit sie sich einer Herzoperation unterziehen musste. Mit dem Bürgerbus erledigt auch sie alles, was nicht in Emmelsbüll möglich ist. "Einkaufen gehe ich hier im Ort, da ist der Service unschlagbar", sagt Regina Stein. Aber auch sie nutzt die Gelegenheit, um Ärzte aufzusuchen oder in der Bücherei zu stöbern, die regelmäßig vom Bürgerbus angefahren wird.

Aber nicht nur die guten Mitfahrgelegenheit wird am Bürgerbus sehr geschätzt, sondern auch die nette Gesellschaft. Die Mitfahrer kommen ins Gespräch, es werden Kochrezepte ausgetauscht oder wertvolle Tipps gegeben. Als im Herbst eine der Mitreisenden nicht wusste, was sie mit den vielen Äpfeln in ihrem Garten machen sollte, erzählte eine andere, dass ihre Nachbarin händeringend welche suchte und schon war das Problem gelöst. Kurz gesagt: Wer sich mit etwas auskennt oder etwas weiß, bietet dem anderen seine Hilfe an.

"Wir sind eigentlich eine Begegnungsstätte", sagt Silke Carstensen lachend, "in der Jung und Alt zusammentreffen und Spaß haben." Sie fungiert nicht nur als Fahrerin, sondern auch als gute Seele des Ganzen, erinnert daran, Rucksäcke einzupacken oder einen extra Beutel für die Einkäufe mitzunehmen.

Dies ist auch einer der Gründe, warum die 54-jährige Konny Eggebrecht an diesem Donnerstag das erste Mal mit dabei ist. Sie hat zwar einen Führerschein, fährt aber kein Auto. Seit drei Jahren wohnt sie in Emmelsbüll und möchte "die Truppe einmal kennen lernen".

Die 54-jährige Irene Schollen hat zwar ebenfalls einen Führerschein, aber da ihr Mann tagsüber das Auto nutzt, ist auch sie für das Angebot des Bürgerbusses sehr dankbar. "Jeder kann in Ruhe erledigen, was er möchte. Keiner hetzt den anderen und alle nehmen aufeinander Rücksicht", fügt Regina Stein an.

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