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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:05 Uhr

Mehr als 100 Einwände gegen Projekt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Offtec“ möchte Windkraftanlagen in einer „Tabuzone“ errichten: Anwohner nutzten gestern die Chance, öffentlich dagegen zu argumentieren

von
erstellt am 01.Dez.2016 | 13:31 Uhr

Kein Wunder, dass sich die öffentliche Erörterung im Amt Südtondern gestern über Stunden hinzog: Mehr als 100 Einwände waren eingegangen, Thema war die Errichtung von zwei zusätzlichen Windkraftanlagen im Enge-Sander Windpark Klingenberg, die das Unternehmen „Offtec“ in einer sogenannten Tabuzone plant (wir berichteten).

Im Sitzungssaal versammelt waren die „Offtec“-Geschäftsführer, Vertreter der am Genehmigungsverfahren beteiligten Behörden und Anwohner, die sich eindeutig gegen die neuen Windkraftanlagen aussprachen. Zur Erinnerung: Im Windpark gibt es bereits vier jeweils 150 Meter hohe Windräder, eine weitere 150 Meter hohe und eine 180 Meter hohe Anlage sollen nach den Wünschen von „Offtec“ hinzukommen, um dort Rettungs- und Sicherheitstrainings unter Realbedingungen anzubieten, unter anderem für Techniker an Windkraftanlagen. Genehmigungsbehörde ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Doch auch die Landesplanung müsste grünes Licht geben, damit eine Ausnahme möglich wäre.

Die Gegner jedenfalls nutzten ihr Recht gründlich, ihre Einwände vorzutragen. Lärm und Schattenwurf kamen im detailgeprägten Erörterungsverfahren genauso zur Sprache wie Natur- und Artenschutz. Besonders stützten die Gegner ihre Argumentation darauf, dass die neuen Windkraftanlagen in einem Gebiet errichtet werden sollen, das vom Land als Tabuzone für Windkraft definiert ist.

Die Gegner bemängelten unter anderem Merkwürdigkeiten bei bisherigen Entscheidungen rund um das Gebiet: Es seien etwa Wälder kurzfristig entwidmet worden. Anwohner Rolf Thiedemann wandte sich direkt an Johannes Pick von der Landesplanung: „Ich habe das Gefühl, dass das Ganze schon jetzt beschlossene Sache ist.“ Dagegen verwehrte sich Pick vehement: „Ich sitze hier nicht für den Antragsteller, sondern für die Landesplanung.“

Auch Marten Jensen, Geschäftsführer von „Offtec“, nahm Stellung: „Wir wollen Menschenleben retten, und hier reden wir über Binnendünen.“ Es sei dringend erforderlich, mindestens zwei zusätzliche Windräder der neuesten Generation aufzustellen, damit bis zu 200 Arbeitsplätze ermöglicht werden könnten und der Haupt-Kooperationspartner Siemens weiter mit dem Unternehmen in Enge-Sande zusammenarbeite. „Sonst geht Siemens damit nach Spanien.“

Landesplaner Pick machte deutlich, dass er von dem Offtec-Trainings-Konzept als Alleinstellungsmerkmal im Land durchaus überzeugt sei. Für eine Ausnahmegenehmigung müssten aber auch weitere Kriterien wie Standortalternativen kritisch betrachtet werden. „Heute fällt keine Entscheidung. Wir hören uns hier nur alles an und prüfen dann gründlich“, betonte Pick.

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