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Nordfriesland Tageblatt

20. Juli 2017 | 18:31 Uhr

Fidget Spinner : Mega-Trend im Sinkflug

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am Fidget Spinner kommt derzeit kaum ein Kind vorbei. Allerdings: Der Hype um das In-Spielzeug hat schon wieder abgenommen.

Noch bis vor Kurzem kam keiner drum herum, jetzt gehören sie schon fast wieder zum „Dreh von gestern“: die Fidget Spinner. Ein regelrechter Hype hatte sich um die kleinen Handkreisel entwickelt, der von Amerika herüber geschwappt kam.

Im Dezember 2016 kürte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ die kleinen Spinner zum „Must-have-Spielzeug 2017“. Vor ein paar Wochen brach dann auch in Südtondern der absolute Hype aus: Etwa 100 Stück pro Tag wurden in Knudtsens Einkaufswelt in Niebüll verkauft. „Mittlerweile hat es sich etwas beruhigt, jetzt sind es so etwa 30 pro Tag“, berichtet Geschäftsführerin Renate Hartwig. „Anfangs hatten wir Schlangen mit 50 Kindern an der Kasse stehen, die sehnsüchtig auf den Paketboten gewartet haben. Wir haben dann Saft und Gummibärchen ausgegeben und die Kinder haben sich gleich auf die Pakete gestürzt, als sie da waren“, erinnert sich die Geschäftsfrau. „Jetzt, wo viele Kids einen haben, wollen sie damit das nachmachen, was sie auf Youtube an Tricks gesehen haben.“

In den Schulen Südtonderns sieht man auf den Pausenhöfen gleichermaßen Mädchen wie Jungen mit den Fidget Spinnern spielen. „Aber die Mädchen haben sie in anderen Farben“, erklärt Bay Ströver (7, Fotos). Er selbst hat einen blauen und der reiche ihm vollkommen, verkündet er.

Seine Klassenkameraden haben sie in vielen verschiedenen Farben, mit LED und mehrfarbig, aus Plastik- oder mit Metallkugellager. Auch Glitzer ist sehr angesagt, genauso wie Spinner, die im Dunkeln leuchten.

Wann genau der Hype anfing, daran erinnern Bay und seine Mutter Philine Pawlas nicht mehr ganz genau. „Es kam irgendwann etwas darüber im Kinderkanal und plötzlich hatten in der Schule alle einen Fidget Spinner“, erzählt Philine Pawlas. Keine Frage also, für was Bay ganz dringend seine gesparten sieben Euro ausgeben wollte. Seitdem spielt der Siebenjährige jeden Tag damit, lässt ihn zwischen den Fingern kreisen, auf der Nase und Stirn. Auch auf dem Pfingstzeltlager der Pfadfinder, das er kürzlich besuchte, hätten eigentlich alle Kinder einen Fidget Spinner mitgebracht.

Aber nicht nur bei den Kindern, sondern auch Teenagern ist das Spielgerät immer noch angesagt. „Bei mir in der Klasse haben einige bis zu 13 Stück“, berichtet Bays Bruder Boy. Er selbst findet an dem Spielzeug jedoch keinen richtigen Gefallen. „Vorrangig wird der Fidget Spinner natürlich für Kinder gekauft, aber bei uns haben auch schon Erwachsene einen Spinner erworben, weil er sie beruhigt“, berichtet Renate Hartwig von der Knudtsen Einkaufswelt. Ursprüglich wurde das kleine Objekt auch gar nicht als Spielzeug erfunden, sondern zur Beruhigung für Menschen, die unter AHDS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Autismus leiden. Dem kleinen Handkreisel wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt, die bisher allerdings noch nicht wissenschaftlich belegt wurde.

Oftmals liegt der Gedanke bei Hypes wie diesem nahe, dass sich der Erfinder dadurch eine „goldene Nase“ verdient – dies ist beim Fidget Spinner allerdings nicht der Fall. Die Amerikanerin Catherine A. Hettinger erfand den Prototypen des Fidget Spinners und meldete ihn bereits 1997 zum Patent an. Es fand sich jedoch keine Firma, die ihn in Serie bauen wollte. Als sie vor rund zehn Jahren das Patent hätte erneuern lassen müssen, fehlten der heute 62-Jährigen 400 Dollar. Das bedeutet, dass ohne ein Patent jeder das Spielzeug nachahmen oder leicht abwandeln und verkaufen kann. Während andere Firmen mit ihrer Erfindung Millionen verdienen, lebt die Amerikanerin Catherine A. Hettinger in Armut und musste gerade ihr Eigenheim verkaufen, weil sie die laufenden Kosten nicht mehr tragen kann.

Und wie das mit Hypes immer der Fall ist: sie sind schnell da und ebenso schnell wieder verschwunden. In den USA sind laut dem Magazin Magazin „FiveThirtyEight“ die Verkaufszahlen deutlich gesunken. Lassen wir uns überraschen, wie lange der Trend bei uns noch andauert und was als nächstes zum absoluten „Must-Have“ gekürt wird.

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erstellt am 24.Jun.2017 | 12:41 Uhr

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