Leck : Marodes Becken in Kläranlage: „Eine tickende Zeitbombe“

Beim Belebungsbecken I ist Experten zufolge unklar, wie lange es noch dichthält.
Beim Belebungsbecken I ist Experten zufolge unklar, wie lange es noch dichthält.

Lecks Klärwerk muss dringend saniert werden, vorsichtige Kostenschätzung: 3,5 bis 4,5 Millionen Euro

shz.de von
13. Juli 2018, 18:28 Uhr

Martin Woltering vom Husumer Ingenieursbüro Ivers nahm kein Blatt vor den Mund: „Das ist eine tickende Zeitbombe“, sagte der Experte beim Tagesordnungspunkt „Studie zur Optimierung und Erweiterung der Kläranlage“ im jüngsten Infrastruktur- und Umweltausschuss.

Mit Zeitbombe ist das Belebungsbecken I gemeint, das Wolterring im Weiteren als „besonderes Exemplar aus grauer Vorzeit“ bezeichnete. Der Knackpunkt: Dem Experten zufolge muss ernsthaft angezweifelt werden, dass das Becken in Asphaltbauweise noch lange dichthält. „Hier muss schnell gehandelt werden. Wenn da etwas ins Grundwasser gelangt, ist es zu spät.“ Auch das Nachklärbecken entspreche nicht mehr den Anforderungen.

Leistungsgrenze erreicht

Ohnehin hat die Kläranlage Leck, an die auch die Gemeinde Achtrup angeschlossen ist, laut Lecks Bürgermeister Andreas Deidert ihre Leistungsgrenze erreicht. Aktuell sei die Anlage höchstens für Abflüsse und Ausscheidungen von 12.500 Einwohnern ausgelegt; in absehbarer Zeit kämen aber zusätzliche Schmutzwassererzeuger wie das Wohngebiet Mühlenberg II und das Gewerbegebiet auf dem Fliegerhorst hinzu – allein diese Umstände machten eine Erweiterung der Kläranlage notwendig.

In der vorgestellten Studie gilt die Erweiterung der Kläranlagen-Kapazität auf 23.000 Einwohnerwerte als zukunftsfähig, Planer Woltering stellte mehrere Möglichkeiten vor. Auf jeden Fall muss das marode Belebungsbecken abgebrochen und verfüllt werden. Die beste Lösung ist dem Experten zufolge der Neubau von zwei runden Belebungsbecken und einer Nachklärung. Die Herstellungskosten sind der Studie zufolge bei dieser Variante am günstigsten. Auch die laufenden Kosten seien moderat und die derzeitigen Mitarbeiter dafür bereits ausgebildet, so Woltering, voraussichtlich sei kein zusätzlicher Personalbedarf nötig.

Investition in Millionenhöhe

Gleichwohl steht eine Investition in Millionenhöhe an: Vorsichtige erste Kostenschätzungen beliefen sich im Rahmen zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Euro, sagte Lecks stellvertretender Bürgermeister Ingo Scholz: „Das wird eine teure Tasse Tee.“

Ingo Scholz, 71, CDU,  1. stv. Bürgermeister
Ingo Scholz, 71, CDU, 1. stv. Bürgermeister
 

Das Thema Klärschlammbehandlung wird im gesamten Amtsbereich noch Veränderungen mit sich bringen, berichtete Bürgermeister Deidert: Wegen der neuen Klärschlammverordnung gebe es Pläne, eine solare Trocknungsanlage für Fäkalschlämme aus den Anlagen von Leck, Niebüll und Dreiharden in Niebüll zu bauen. Zudem sei angedacht, in Leck eine Annahme-Station für Fäkal-Schlämme nicht nur aus Leck einzurichten, ergänzte Planer Woltering.

Vorerst steht jedoch die Sanierung des Klärwerks in Leck an – und zwar so schnell wie möglich: „Der Ausdruck ,tickende Zeitbombe‘ liegt mir im Magen. Das können wir nicht irgendwannmal angehen, sondern müssen eine zeitgemäße Lösung schaffen“, sagte Ingo Scholz – und erntete zustimmendes Nicken. Einstimmig fasste das Gremium den Beschluss, die Gemeindevertretung möge die in der Studie empfohlene Variante als konkrete Planung in Auftrag zu geben.

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