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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 06:48 Uhr

Niebüll : Marode Kunst musste weichen

vom

Der Abbau der Stelen des Bildhauers Hermann Stehr sorgt für Unmut.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:54 Uhr

Niebüll | Drei Keramik-Stelen zierten bis vor kurzem das eher sachliche Gebäude des Amtsgerichts am Sylter Bogen. Jüngst wurde die Kunst am Bau mit dem Titel "Knospe, Blüte, Blatt" entsorgt, denn die Arbeiten des Bildhauers Hermann Stehr waren marode.

Der Eigentümer, die landeseigene Immobiliengesellschaft, entschied sich gegen einen Erhalt. Nach Auskunft der zuständigen Baugruppe Nord vom Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) waren die Stelen durch Frostschäden in einem schlechten Zustand. "Es bestand eine Gefahrenlage", teilte die Abteilung mit. Eine Reparatur wurde nicht erwogen. "Dafür gibt es keinen Etat; die Instandsetzung wäre schwierig, die Kosten wären zu hoch gewesen."

Der Abbau, der nach Absegnung durch der zuständigen Rechtsabteilung angeordnet wurde, geschah in Absprache mit dem Niebüller Verwaltungschef des Amtsgerichts, Dr. Claus Heß. "Wir konnten uns den Erkenntnissen der GMSH nicht verschließen", so Dr. Claus Heß. Letztendlich entscheide jedoch die GMSH als "Bewirtschafter des Eigentums des Landes", was zu tun ist.

Barbara Stehr von der Keramikwerkstatt Tornesch-Ahrenlohe, damalige Ehefrau des Künstlers, ist entsetzt. Man hätte ihrer Meinung nach durchaus nachbessern können. "Das hat damals eine Menge gekostet; es wundert mich, wie das Land mit dem Geld umgeht." Das Niebüller Kunstwerk wurde 1976 von ihr gemeinsam mit Hermann Stehr erstellt. Die drei Säulen sollen in einer "Welt der nüchternen Paragrafen an das organische Wachsen und Gedeihen in der Natur" erinnern.

Auch einige Niebüller Bürger bedauern mittlerweile den Schritt. Kantor Volker Scheibe richtete ein Schreiben an das Landesdenkmalamt, die Kulturbehörde und an die Nachfahren Stehrs. "Mein Interesse gilt der modernen Kunst", so Scheibe. "Niebüll hat in den vergangenen Jahren hier landesweit einen hohen Stellenwert erreicht. Dies gilt es zu pflegen."

Hermann Stehr (1937-1993) gilt als einer der bedeutendsten Künstler Schleswig-Holsteins. Seine Werke sind an vielen Orten im Lande zu finden. "In Niebüll spielt die Kunst eine besondere Rolle", sagte Professor Thomas Steensen in seinem Festvortrag zum Stadt-Jubiläum. "In der Stadt finden sich überdurchschnittlich viele Kunstwerke." Nun ist Niebüll um eine Bereicherung ärmer geworden. Wo die Stelen abgeblieben sind, war vom GMSH nicht zu erfahren.

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