1831 hingerichtet : Margaretha Hansen - Mord aus Leidenschaft

Uwe Carstens.  Foto: Simone Mommsen
Uwe Carstens. Foto: Simone Mommsen

Der Margarethenberg bei Bredstedt verdankt seinen Namen einer Tragödie: Hier wurde 1831 eine Magd hingerichtet, die aus Eifersucht ihre Herrin ermordete. Tausende von Zuschauern sollen dem grausigen Spektakel beigewohnt haben.

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11. November 2008, 09:58 Uhr

Bredstedt | "Die letzte öffentliche Hinrichtung in Nordfriesland" oder "Wie aus einer ehrlichen und fleißigen Magd eine Mörderin wurde" - die Geschichte von Margaretha Hansen ist eine Tragödie und eine wahre Geschichte aus der Region des heutigen mittleren Nordfrieslands, die sich zwar in längst vergangener Zeit abspielte, aber bis heute unvergessen ist. Die 1796 in Joldelund geborene Frau sorgte 1831 für Aufsehen, als sie als überführte Mörderin mit einem Richtbeil vor den Augen tausender Zuschauer in der Nähe von Bredstedt enthauptet wurde. Ort des Geschehens: der Margarethenberg.

Der Langenhorner Uwe Carstens deckte die Geschichte auf und erzählte sie kürzlich noch einmal vor Publikum im Bredstedter Naturzentrum. Er kam dazu wie die "Jungfrau zum Kind". Ungewollt schlüpfte er in die Rolle eines Forschers, das Thema ließ ihn nicht mehr los. Carstens hatte seinerzeit eine Lehr tätigkeit an der Bordelumer Schule. Im Unterrichtsfach Heimat- und Sachkunde ging es um die Gemeinde und deren zehn Ortsteile, wobei die Schüler ihre Eltern und Großeltern befragen sollten, woher die jeweiligen Ortsnamen stammen. Ein Kind kam vom Margarethenberg, doch wo der Name seinen Ursprung hatte, wusste niemand.
Drama in Addebüll
Uwe Carstens machte sich auf die Suche und landete letztendlich im Schleswiger Landesarchiv. Er fand sich vor einem Aktenstapel wieder und fing an, das damalige Juristendeutsch zu studieren. Bei seiner Recherche stieß er auf den Lebenslauf der Margaretha Hansen, ein bis dato unbescholtenes Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen. Mit 23 Jahren war sie in Stellung auf einem Hof in Addebüll gekommen. Damals konnte sie nicht ahnen, dass ihr "Herr", der verheiratete Vollhufner Friedrich Ingwersen, ihr Schicksal sein sollte. Er nahm nicht nur ihre Arbeitskraft in Anspruch, sondern auch ihre Weiblichkeit. Margaretha Hansen ließ ihn gewähren. Und als seine Ehefrau mitsamt dem Neugeborenen verstarb, wähnte sie sich auch offiziell an seiner Seite. Doch er heiratete seine Schwägerin. Alles andere wäre zu damaligen Zeiten undenkbar gewesen. Zutiefst verletzt verließ die Magd den Hof und flüchtete nach Nordstrand.
Mord nach Plan
Ingwersen holte sie zurück, denn ohne sie lief nichts auf dem Hof in Addebüll - sowohl aus Sicht der vielen Arbeit, als auch der strotzenden Manneskraft Ingwersens. Das wieder aufgeflammte Liebesverhältnis zwischen den beiden blieb der Bäuerin nicht verborgen. Eifersucht und Spannungen bestimmten das Bild. Eines Tages schnitt Margaretha Hansen ihrer Kontrahentin die Kehle durch - ein Mord nach Plan, der aber sieben Jahre lang in den Akten der Bredstedter Polizei als ungeklärt galt. Die Ärzte vermuteten Selbstmord, da die Tote als depressiv galt. Niemand hätte der stillen Magd einen Mord zugetraut.

Margaretha Hansen verließ Addebüll, arbeitete fortan auf unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Betrieben und zog später zu ihrer Schwester Katharina Hansen nach Dörpum. Die wusste um das dunkle Geheimnis im Leben der Margaretha, denn nach der Tat hatte die Mörderin sich ihrem Vater anvertraut. Als dieser auf dem Sterbebett lag, erzählte er seiner Tochter Katharina davon, mit der Bitte, auf Margaretha aufzupassen.
Hinrichtung auf dem Hügel
Als sich die beiden Schwestern in den gleichen Mann, Jürgen Jürgensen aus Klixbüll, verliebten, brach es aus Katharina heraus - sie schrie die unglaubliche Tat mit den Worten: "Jürgen, du altes Schwein, du treibst es mit einer Mörderin" heraus. Jürgensen zeigte Margaretha Hansen daraufhin bei der Polizei an, auf ihr Geständnis folgte das Urteil. Nach der Hinrichtung wurde Margaretha Hansen auf dem Hügel, wo sie auf grausame Weise den Tod fand, beerdigt. Daher der Name "Margarethenberg". Der Vollhufner Friedrich Ingwersen kam ungeschoren davon.

Uwe Carstens kam nach der Veröffentlichung seiner Recherchen ins Fernsehen: 1986 wurde ein Dokumentarfilm über die Geschichte ausgestrahlt.

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