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Amtsgericht Niebüll : Mann klaut Angeln – 800 Euro Strafe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

24-Jähriger wurde gestern zu einer Geldstrafe verurteilt. Richterin verzichtet auf härtere Strafe, weil Angeklagter Reue zeigt.

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2017 | 09:48 Uhr

Weil er teure Angeln und den Trolley eines Kindergartens geklaut hat und ohne Führerschein in einem Auto mit gefälschten Kennzeichen gefahren ist, hat das Amtsgerichts Niebüll einen 24-Jährigen zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Mann aus Leck muss demnach 800 Euro bezahlen. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft darf er zudem für zwölf Monate keinen Führerschein machen. Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Angeklagte im vergangenen Jahr über einen Zeitraum von dreieinhalb Wochen insgesamt vier Taten verübt hatte. Der Arbeitslose soll mehrfach gestohlen sowie gegen das Pflichtversicherungsgesetz verstoßen haben.

„Der Beißmelder an der Angel hat geklingelt, ich habe gepfiffen, um den Besitzer aufmerksam zu machen, aber keiner hat reagiert“, beschreibt der Angeklagte das Szenario im August 2016. Dem blassen Mann mit den kurzgeschorenen Haaren wird vorgeworfen, nachts an einem Angelteich in Uphusum fünf Angeln sowie sogenannte elektronische Melder im Wert von 500 Euro geklaut zu haben. Jugendliche hatten nahe des Gewässers gezeltet und nicht gemerkt, als der Dieb zuschlug. Er habe die Teile mitgenommen und sei weggefahren, sagte der Mann im Amtsgericht. In Leck soll er ein Kennzeichen, dass er nahe eines Waldes gefunden hatte, an sein eigenes Auto montiert haben und damit gefahren sein.

 „Das Nummernschild kam mir gerade gelegen, ich habe nicht weiter darüber nachgedacht“, sagt er. Sein eigener Wagen sei nicht registriert gewesen. Ohne die vorgeschriebene Versicherung hatte er offenbar mehrere Fahrten mit dem Wagen unternommen, wie Zeugen berichten. Schließlich hatte er einen Einkaufstrolley, den eine Kindergärtnerin auf einem Parkplatz nahe eines Waldstückes abgestellt hatte, gestohlen. „Sieben Messer und eine Säge habe ich behalten“, gibt der Angeklagte zu und zieht seinen Kopf zwischen die Schultern. Seine schwarze Winterjacke – die er trotz der warmen Temperaturen im Verhandlungsraum die gesamte Zeit anbehält – kann nicht verbergen, wie schmal er ist. Den restlichen Inhalt, darunter Verbandszeug, habe er weggeworfen. Als die Wohnung des Nordfriesen schließlich durchsucht wird, werden alle Taten öffentlich. Auch eine Cannabispflanze wurde dabei gefunden.

Das Urteil ist aus verschiedenen Gründen milder ausgefallen als erwartet– eine Haftstrafe gibt es nicht. Anders als von der Staatsanwaltschaft gefordert, muss der Angeklagte deutlich weniger zahlen. Diese hatte 1200 Euro Strafe vorgeschlagen – die Verteidigung hatte für 240 Euro plädiert.

Die Richterin begründete ihr Urteil damit, dass der Mann, der zwei Kinder hat, seine vier Taten voll eingeräumt hatte. Zudem habe er Reue gezeigt und sich bei den Geschädigten entschuldigt. „Er war sich bewusst, dass alles, was er getan hatte, falsch war“, sagt sie. Während des Prozesses hatte sich der 24-Jährige unter anderem an die Leiterin des Kindergartens gewandt: „Es tut mir so leid, das war doof von mir“, sagte er.

Strafverschärfend galt allerdings, dass der Mann bereits als Jugendlicher mehrfach vorbestraft war: Darunter Körperverletzungen, Trunkenheit am Steuer, Diebstahl sowie Sachbeschädigung und Hehlerei. Eine zweijährige Bewährungsstrafe wurde damals aufgehoben. Zudem müsse ihm bewusst gewesen sein, dass es nicht rechtens ist, Kinder zu bestehlen, so die Richterin. „Das tut man einfach nicht.“ Im entwendeten Gepäckstück war unter anderem Kinderkleidung verstaut gewesen – auch die Besitzer der Fischer-Ausrüstung hatten ihren 18. Geburtstag noch nicht gefeiert.

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