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Niebüll : „Man muss nur etwas Fantasie haben“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Asmus Thamm (87) war Schornsteinfeger, Bonbonkocher und Fabrikarbeiter, hat Kennedy gesehen – und ist der Malerei immer treu geblieben.

Seine Bilder hängen unter anderem im Rathaus.Die Motive zieren Leinwände, aber auch die handbemalten Fliesen in den dortigen Waschräumen. Der Niebüller Asmus Thamm hat in seinem Leben eine nicht zu beziffernde Zahl von Aquarellen, Skizzen und Zeichnungen angefertigt.

1928 in Angeln geboren, entdeckt er schon während seiner Schulzeit die Liebe zur Malerei. „In der Schule hatte ich im Zeichnen eine 1“, erinnert er sich. „Ich wollte Kachelmaler werden, aber durfte es nicht für meine Eltern.“ Sein Berufsleben startet als 14-Jähriger. „Für zwei Reichsmark arbeitete ich als Schornsteinfeger-Lehrling“, erinnert er sich. Auf Grund eines Unfalls muss er 1945 aufhören. Noch als junger Mann muss Asmus Thamm, wie so viele, in den Krieg, wird in Bamberg ausgebildet. Er schläft in Scheunen. „Ich war froh, dass der Krieg aus war, denn ich musste keine Angst mehr vor Fliegerangriffen haben.“

1950 heiratet Asmus Thamm in erster Ehe eine Frau von der Hallig. Und: Er widmet sich wieder der Kunst. In seinen Arbeiten bleibt er seiner Heimat treu. Er beginnt damit, Fotos zu Briefkarten zu gestalten. Seine Ölbilder widmen sich hauptsächlich den Inseln Pellworm und Amrum. „In immer unterschiedlichen Sichtweisen“, erklärt er. Eines zeigt den Pellwormer Kirchspielkrug. „Und dort hängt es immer noch.“

Am 17. Mai 1959 wandert Asmus Thamm in die USA aus. An Bord der „Kongsholm“ hat er eine stürmische Überfahrt. „Zwölf bis 14 Meter hohe Wellen“, berichtet er, die Ereignisse von damals noch deutlich vor Augen. Das Schiff ist mit 800 Passagieren und 350 Besatzungsmitglieder belegt. Asmus Thamm trifft am 26. Mai in New York ein.

Fast vier Jahre lang lebt er im US-Bundesstaat Pennsylvania. Eine interessante Zeit. Gelockt haben ihn die guten Berufsaussichten auf der Farm seiner Tante. „Sie hat es mir schmackhaft gemacht. Als ich drüben ankam, stellte ich fest, dass sie sich als Nachfolger schon den Verwalter ausgeguckt hatte“, erzählt der Niebüller. „Eine Zeit lang habe ich auf einer Farm bei meiner Tante gelebt, aber die Bezahlung war schlecht.“

Für 50 Dollar kauft er sich sein erstes Auto – einen Dodge. „Das Benzin ist billig, kostet damals sieben Cent die Gallone.“ Er versucht sein Glück, ist Maler, Tapezierer und Bonbonkocher. „Ein Jahr lang habe ich in der Fabrik gearbeitet. Mein Stundenlohn betrug 1,25 Dollar – mehr als auf der Farm.“ Asmus Thamm arbeitet in Schichten zu acht bis neun Stunden, 14 verschiedene Mischungen stellt er her. Drei Herde stehen ihm zur Verfügung, gekocht wird in Kupferkochtöpfen mit je 65 Liter Fassungsvermögen. Damals ist Asmus Thamm 30 Jahre alt, arbeitet mit 125 Frauen in der Fabrik. Dann verschlägt es ihn in ein VW-Werk. „Dort habe ich Lampen eingebaut und die Autos von Paraffin befreit.“ Elf Monate lang macht er diesen Job – eine Zeit voller Erlebnisse. „Ich habe Kennedy gesehen.“ Die Fahrt zur Arbeit ist nicht ohne – 50 Kilometer der einfache Weg. Asmus Thamm erlebt den großen Streik in der Stahlindustrie hautnah mit. Privat nimmt er Kontakt zu einer Kunstschule auf, macht die Aufnahmeprüfung und besteht mit 100 Punkten. Es folgt ein Fernstudium. Seinem Lehrer Norman Rockwell (1894 -1978), einem US-amerikanischen Maler und Illustrator des frühen 20. Jahrhunderts, schickt er seiner Arbeiten, die dann benotet werden. Asmus Thamm: „Ich hatte viele gute Ideen.“ Insgesamt zieht er eine positive Bilanz. „Ich bin gerne in Amerika gewesen. Es war schön drüben, und ich würde es wieder machen.“

1962 kehrt er nach Niebüll zurück. Er lebt eine Weile auf Amrum, führt dort eine Pension. „Damals waren die Preise noch nicht so hoch, wie heute.“ 15 Jahre lang arbeitet Asmus Thamm anschließend in einer Lackiererei. „Ich habe viele giftige Dämpfe eingeatmet“, berichtet er. Irgendwann machte das seine Lunge nicht mehr mit.

Seit 27 Jahren ist er nun Rentner. Der Malerei ist er treu geblieben, und sie ist für ihn neben einem Hobby auch so etwas wie eine Therapie. Er malt nach wie vor in Öl, Aquarelle – zumeist Landschaften und Dünen. Früher auch schon mal auf Porzellan. „Aber das brennen zu lassen, das war immer so eine Lauferei“, sagt er lachend. Seine Spezialität sind die sogenannten Kaleidoskop-Bilder. „Man muss nur etwas Fantasie haben.“ Seine Arbeiten zieren auch die Wände seiner Wohnung. Hin und wieder verkauft Asmus Thamm einige. „Es ist ein Hobby, und das soll es auch bleiben.“

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erstellt am 20.Apr.2015 | 08:00 Uhr

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