Mensch des Jahres : „Man muss manchmal anecken“

Egal ob Kunst, Politik oder Soziales: Die Niebüllerin Erika Spaude stellt ihre direkte und offene Art ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit

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10. November 2015, 05:00 Uhr

Kunst und Kreativität spielten in ihrem Leben immer eine entscheidende Rolle. Modedesignerin – ihr eigentlicher Berufswunsch – ist Erika Spaude aus Niebüll nicht geworden. Dafür engagiert sich die sympathische, resolute 68-Jährige seit 26 Jahren ehrenamtlich beim Kunstverein Niebüll, dem sie seit sechs Jahren vorsteht. Gemeinsam mit ihrem Vorstandsteam organisiert sie zwei Mal jährlich Ausstellungen im Niebüller Richard-Haizmann-Museum für Moderne Kunst. Mit einem eisernen Willen, Humor sowie einer Portion Überzeugungskraft gelingt es Erika Spaude immer wieder, namhafte Maler nach Niebüll zu bekommen und damit anspruchsvolle Kunst für Kinder und Jugendliche aus Kitas und Schulen sowie Erwachsene vor Ort erlebbar zu machen.

Woher kommt das Interesse? „Ich bin bei meiner Großmutter in Stedesand groß geworden, da meine Mutter früh gestorben war.“ Die Oma, Jahrgang 1901, war Putzmacherin, stellte Hüte und Schleier her, schuf als Floristin kleine Kunstwerke auf Friedhöfen. „Von ihr habe ich das Kreative.“ Schon mit sechs Jahren las Erika Spaude Bücher, den „Stern“ oder Filmzeitschriften, besuchte zum ersten Mal eine Tanzschule. „Wenn ich meine Schulkleidung schmutzig gemacht hatte, bekam ich alte Kleidung und Gummistiefel an und durfte zur Strafe nicht in die Tanzstunde. Hingegangen bin ich aber trotzdem“, erinnert sie sich lachend. Mit zehn Jahren malte sie unter der Schulbank für ihre Klassenkameraden („Die Jungs wollten immer Bilder von Frauen im Bikini“), schrieb einen plattdeutschen Einakter, den sie heute noch in der Schublade hat.

Erika Spaude besuchte den Malkreis bei Herbert Andersen, später bei Hans-Reymund Aurer und Jan Leseberg. „Mein Traum ist ein großes Atelier mit Riesenwänden, wo ich die Farben an die Wand schmeißen kann“, sagt lachend. „Die Idee habe ich auch noch nicht verworfen. Ich liebe Monumentalwerke. Wenn ich male, dann so, dass man Struktur erkennen kann.“ Sie hat ein weiteres Talent: Erika Spaude versteht es, Menschen für ihre Sache zu gewinnen. Unermüdlich wirbt sie um Sponsoren und Mitglieder im Kunstverein Niebüll. Letztere Zahl liegt immer noch bei 80. Und: „Ich bin darauf aus, tolle Kunst nach Niebüll zu bekommen.“ Sie durchstöbert Zeitschriften und Zeitungen. „Wir möchten junge Künstler fördern, aber sie müssen auch eine tolle Vita haben. “ Kontakt-Aufnahme per E-Mail gibt es für Erika Spaude nicht. „Ich rufe Künstler und Galerien direkt an, manchmal besuche ich sie auch.“ Wenn es sein muss in Berlin. „Und dann versuche ich sie zu überzeugen, nach Niebüll zu kommen.“ Mit grandiosem Erfolg. Ihre Aktionen stimmt sie mit dem Kunstverein ab. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber ich bleibe hartnäckig. Wir sind ein toller Vorstand, eine tolle Gemeinschaft und passen sehr gut zusammen.“

Erika Spaude liebt Sprachen, und sie lebt das Ehrenamt. Sie engagiert sich aktiv bei der Südtondern Tafel, war 15 Jahre lang als Stadtvertreterin im sozialen Bereich aktiv und wirkt immer noch in der Kreispolitik. Sie sagt, was sie denkt, was sie empfindet. Ihr Motto: „Man muss geradeheraus reden, manchmal anecken. Ehrlich zu sein, ist nicht immer diplomatisch und manchmal auch unbequem.“

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