zur Navigation springen

Serie Südtondern blüht auf : „Man hat immer ein Projekt“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit dem Heilgarten in Dagebüll endet heute unsere Frühjahrs-Serie über besondere Gärten in Südtondern.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 21:14 Uhr

Schon von weitem sieht man die Wipfel des Birnenbaums in ihrem Garten. Petra Wieses Haus liegt auf einer Großwarft inmitten der nordfriesischen Marsch in Dagebüll-Waygaard. Ihren 1800 Quadratmeter großen naturnahen Garten bezeichnet die Heilpraktikerin als „Heilungsraum-Garten“.

Alte Obstbäume stehen hier – hinter dem Haus sprießen unter anderem Giersch und Brennnesseln: Diese werden nicht entfernt sondern – je nach Geschmack mit frischen Äpfeln, Banane und Cashewnüssen – zu grünen Smoothies verarbeitet. Auch Zitronenmelisse und Scharbockskraut zieren Wieses Garten.

2009 eröffnete die Nordfriesin ihre eigene Heilpraxis in dem rund 200 Jahre alten Haus, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann lebt. Zuvor hatte sie als Sonderschullehrerin und Sprachtherapeutin gearbeitet.

Den Garten nutzt die 53-Jährige unter anderem für ihre Therapien: „Heilung braucht Räume, die nähren, beruhigen, ermuntern, erinnern, anregen, inspirieren“, sagt sie. Wenn die Sitzung drinnen stagniert, könne ein Gang in den Garten helfen, die Gedanken zu lösen. Die Menschen setzen sich dann an einen Baum, können sich auf die Erde legen, oder auch im Garten arbeiten, um zum Beispiel „in Stille zu sein, erklärt sie.

Doch selbst, wenn man sich im Haus aufhält, habe der Garten einen Einfluss auf die Therapie. „Der Garten umgibt das Haus und empfängt die Menschen“, sagt Wiese. Das spüre sie deutlich – denn der Garten wirke unter anderem beruhigend auf Menschen.

Bevor die Anlage sich zum Heilgarten entwickeln konnte, und so aussah wie heute, hat Wiese mächtig geackert. „Es war ein sehr langsamer Prozess“, sagt sie. Vier Jahre habe es gedauert, ehe sie ihren Garten zum ersten Mal öffentlich präsentieren wollte. Total verwildert habe sie die Grünflächen samt Haus damals übernommen: „Ich bin hier mit der Heckenschere durchgegangen und habe das kniehohe Gras geschnitten, weil es anders nicht ging“, erinnert sie sich und schmunzelt. Von den Blumen, die im Garten gediehen, sei nicht mehr viel zu sehen gewesen – überall wucherten wilde Ulmen und Äschen. An der Südseite war das Haus bis zu 60 Zentimeter dick mit Efeu bewachsen. Bei ihren ersten Freilege-Aktionen entdeckte sie aber auch Schätze, zum Beispiel einen Quittenbaum.

Viel Ahnung vom Gärtnern hatte sie damals nicht, zuvor hatte sie unter anderem in ihrer Kieler Wohngemeinschaft erste Erfahrungen mit Pflanzen gesammelt. Ein befreundeter Gärtner half ihr am Anfang, brachte ihr Pflanzen und gab ihr Tipps. Als Schutz vor dem schneidenden Wind pflanzte die damalige Laien-Gärtnerin zunächst Buschwerk: Darunter Holunder, Weißdorn und Schlehen, die auf dem Marschboden gut gedeihen.

Dass der Boden kein einfaches Pflanzterrain ist, merkte sie schnell: „Wenn man tiefer als 50 Zentimeter graben möchte, braucht man eine Spitzhacke“, sagt sie und lacht. Das richtige Wetter sei hier entscheidend für die Gartenarbeiten: Bei Regen sinke man teilweise bis zu den Knien ein, weil der Boden so viel Feuchtigkeit speichert. Ist es zu trocken, verdichtet sich der Boden so sehr – „er wird dann fest wie Lehm“– sodass graben dann unmöglich sei, sagt sie.

War sie zu Besuch in Gärten in der Nachbarschaft, die über einen ähnlichen Untergrund verfügten, nahm sie sich Setzlingen mit. Zudem informierte sich sich auf Garten-Veranstaltungen. „Ich habe viel experimentiert“, sagt sie. Einiges wuchs sofort prächtig, bei anderen Pflanzen merkte sie schnell, dass sie sich nicht wohl fühlen – so sammelte sie ihre Erfahrungen.

Inzwischen hat sie die Natur rund um ihr Haus gezähmt – zumindest ein bisschen: „Mein Garten hat jetzt mehrere Zimmer“, sagt Wiese. Vor dem Haus wachsen Heckenrosen, die den Wind abhalten sollen. In einen kleinen Waldgürtel hat sie Farne, Geißbart und Rhododendren gesetzt. Umgeben von alten Holzbalken des Hauses sowie Findlingen wachsen in einer anderen Ecke bodendeckende Blümchen. Wichtig war für die Heilpraktikerin auch, dass es eine Feuerstelle gibt. In einer Schwitzhütte aus Weidenzweigen bietet sie spezielle Heilungszeremonien an.

Einige Menschen wohnen für mehrere Tage bei ihr, andere kommen alle zwei Wochen oder nur ein einziges Mal. Das sei ganz unterschiedlich und hänge von den Bedürfnissen der Menschen ab, sagt sie. Neben einer „ganzheitliche Lebensberatung“ und Homöopathie versucht die Expertin den Menschen – je nach ihrem Leiden – unter anderem mit Pflanzenheilkunde zu helfen. Dazu bietet sie verschiedene Seminare an: Darunter Themen wie „Weibliche Spiritualität und Magie“, schamanischen Traditionen und homöopathische Hausapotheke. Das sehr bittere Hildegard von Bingen-Kraut kann zum Beispiel verdauungsfördernd wirken.

Bald blühen die Tulpen – besonders aber freue sie sich auf die Clematis, sagt Wiese. „Die ist ganz üppig. Wenn die blüht, dann startet für mich das Gartenjahr so richtig.“ Aber auch auf die blühenden Kastanien, den Weißdorn und Holunder freue sie sich. Ob ihr Garten nun fertig sei? „Nein, fertig wird er nie, denn er ist ständig im Wandel“, sagt sie. Das sei aber auch schön, denn so hat „man immer ein Projekt“.

Wer den Garten besuchen möchte, kann sich bei Petra Wiese melden. Telefon 04674 / 962811, oder Mail info@petrawiese-heilpraxis.de. Weitere Informationen unter www.petrawiese-heilpraxis.de.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen