Hilfsprojekt vor dem Aus : "Madonna" hat viele Unterstützer

Unterschriften-Aktion: Befürworterin des Hilfsprojekts ist auch die frühere Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht (3. v. l.). Foto: hjm
Unterschriften-Aktion: Befürworterin des Hilfsprojekts ist auch die frühere Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht (3. v. l.). Foto: hjm

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26. Mai 2011, 03:59 Uhr

Husum | "Wir lassen uns nicht abweisen und geben auf keinen Fall auf" - derzeit nutzen die Mitglieder des Vereins "Land in Sicht" sowie die Teilnehmer des Projektes "Madonna" jede Gelegenheit, auf ihre Situation hinzuweisen und damit die Notwendigkeit dieses Frauenprojektes in Husum zu unterstreichen. So sammelten sie Unterschriften und besuchten die jüngste Sitzung des Sozialausschusses im Kreistag. Die Landesmittel für die Einrichtung drohen wegzufallen, wodurch die Zukunft "Madonnas" auf Messers Schneide steht (wir berichteten).

Kürzlich überreichten Vereinsangehörige eine Petition - gestützt durch 330 Unterschriften von Projekt-Befürwortern - an Kreispräsident Albert Pahl (CDU), den Sozialausschuss-Vorsitzenden Carsten-Friedrich Sörensen (SPD), Landrat Dieter Harrsen und Husums Bürgermeister Rainer Maaß. Die eigentliche Unterschriften-Sammlung wird Sörensen morgen um 10 Uhr dem Kreispräsidenten übergeben. Seine Partei wird sich für einen Prüfauftrag an die Verwaltung einsetzen, sagte Sörensen. Auf der Grundlage solle geprüft werden, woher die notwendigen finanziellen Mittel von etwa 35 000 Euro für das Projekt genommen werden können. "Madonna" sei langfristig zu sichern.

Die Frauen des Projekts hatten während der Einwohnerfragestunde im Sozialausschuss bereits für ihre Sache geworben. Ausschuss-Vorsitzender Sörensen machte daraufhin den Zuhörern Mut, sich für ihre Sache einzusetzen und ihre Stimme, wo immer es geht, zu erheben. Das tat dann Ursula Belker, Vorsitzende des Trägervereins: "Dieses Frauenprojekt ist in Schleswig-Holstein einzigartig und kann mit anderen Projekten nicht verglichen werden." Derzeit würde 13 Frauen Hilfestellung gegeben. Hierfür sei qualifiziertes Betreuungspersonal nötig. Eine Reduzierung der Plätze sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. "Wir benötigen den politischen Willen und bitten daher um Unterstützung."

Die Fortführung des Projektes wäre wünschenswert, betonte Axel Scholz, Fachdienstleiter Arbeit beim Kreis Nordfriesland. Doch derzeit sei die Verwaltung gebunden und in einer schwierigen Situation. "Wir wissen nicht, wie viel Landeszuschüsse wir bekommen, womit uns jede Planungssicherheit genommen wird." Als Antwort rechnete Belker vor, dass durch das Projekt "Madonna" der Kreis beziehungsweise das Land Geld einsparen. Über die Eingliederungshilfe bekämen die Frauen monatlich etwa 435 Euro, während über das Projekt nur 295 Euro zu zahlen seien. Mit der Kürzung der Zuschüsse würde der Bund weniger Leistung erbringen und dafür mehr bezahlen. Eine Teilnehmerin von "Madonna" bat eindringlich: "Bevor sie uns den Boden unter den Füßen wegreißen, schauen sie sich doch das Projekt erst einmal an." Sie habe den Eindruck gewonnen, dass seitens der Verwaltung und Entscheidungsträger kein Interesse bestehe. Einige Gremiumsmitglieder reagierten: "Ich kenne und schätze die Einrichtung." Aber die Kürzungen seien ausgewogen und würden natürlich jedem Träger weh tun. Auch Scholz versuchte den Vorwurf des Desinteresses zu entkräften: "Es ist nicht unsere Absicht, das Projekt zu schließen." Belker wies eindringlich daraufhin, dass es für die Teilnehmerinnen von Madonna keinen Ersatz gebe. "Das Alleinstellungsmerkmal des Projektes ist von Anfang an unterschätzt worden." Der Kreis sei bereit, Gespräche zu führen, jedoch ohne Lösungsgarantie, stellte Scholz klar.

Die Idee der Förderung durch Sponsoren nahm das Gremium positiv auf. Sörensen kann sich vorstellen, dass der Kreis das Sponsoring anschiebt. Für die morgige Kreistagssitzung hat die SPD "Madonna" auf die Tagesordnung setzen lassen.

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