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Nordfriesland Tageblatt

16. Dezember 2017 | 06:58 Uhr

Erstaufnahme in Leck : Lob für positive Stimmung

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sie kommt – aber erst später: Laut Innenminister Studt soll die Lecker Erstaufnahme doch erst 2016 öffnen

Die geplante Erstaufnahme für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Flugplatz wird erst Anfang 2016 eröffnen – diese und andere Informationen lieferte die Bürgerversammlung am Montagabend. Rund 1200 Interessierte waren der Einladung in die Nordfrieslandhalle gefolgt. Auf dem Podium stellte sich unter anderem Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt den Fragen der Bürger. Vorsorglich waren Polizeibeamte vor und im Saal anwesend, die knapp zweieinhalbstündige Veranstaltung verlief jedoch ruhig und sachorientiert.

Die Erstaufnahme in Leck kommt und wird Platz für 2000 Flüchtlinge bieten, bestätigte Studt bereits Bekanntes. Der Minister lobte die positive Stimmung, die er bisher in Bezug auf die Einrichtung bei den Verantwortlichen erlebt habe. „Wir sind noch nie so freundlich, zuvorkommend und konstruktiv empfangen worden wie in Leck“, sagte auch Joachim Gutt, stellvertretender Landespolizeidirektor. Hatte das Innenministerium zunächst den Wunsch geäußert, die Erstaufnahme möglichst noch im Dezember zu eröffnen, wird jetzt laut Studt damit gerechnet, Anfang 2016 den Betrieb aufzunehmen, „und zwar eher zum Ende des Quartals als zum Anfang“.

Auf dem Flugplatz sollen 500 Wohncontainer 2000 Menschen ein Dach über dem Kopf sichern. Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung ist das Land Schleswig-Holstein – „nicht das Amt Südtondern und nicht die Gemeinde“, wie Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn versicherte. Es sei nicht möglich, bestehende Gebäude auf dem Flugplatz zu benutzen, deshalb werden für die Logistik noch einmal bis zu 400 zusätzliche Container benötigt. Für Betreuung und Versorgung – also Küche, Wäsche, Medizinisches und mehr – werden laut Dr. Johannes Hörnicke vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten wahrscheinlich im Dezember durch das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein Stellen ausgeschrieben, ebenso wie für einen privaten Wachdienst.

Zudem wird das Containerdorf über eine eigene Polizeistation verfügen: „Jede Einrichtung größer als 500 bekommt mindestens fünf Polizeibeamte, die zusätzlich zu den eigentlichen Kollegen wirken“, sagte Polizeiexperte Gutt. Auf die Frage aus dem Publikum, ob auch die Polizeistation in Leck, die generell eher den Eindruck mache, unterbesetzt zu sein, aufgestockt werde, musste Gutt verneinen. Das Thema Sicherheit beschäftigte auch andere Fragesteller: „Die Menschen werden sich zahlreich in den Ort begeben und am öffentlichen Verkehr teilnehmen. Allerdings hat kein Flüchtling eine private Haftpflichtversicherung. Wer übernimmt die Kosten, wenn ein Unfall passiert?“, wollte ein Bürger wissen, und auch andere Diskussionsteilnehmer äußerten Bedenken darüber, dass die Asylsuchenden möglicherweise nicht mit den hiesigen Verkehrsregeln vertraut seien. Eine konkrete Antwort darauf gab es an diesem Abend nicht, das Thema werde aber mit nach Kiel genommen, hieß es vom Podium.

Ob es bei den 2000 Flüchtlingen bleiben werde? Oder seien es am Ende 3000, 4000 oder mehr?, wollte eine Fragestellerin wissen. „Es bleibt bei 2000“, versicherte Joachim Gutt von der Landespolizei, um Überbelegungen wie derzeit in Neumünster zu vermeiden, würden eben die neuen Erstaufnahmen wie in Leck eingerichtet. Eine andere Bürgerin verwies auf die Gefahr von eventuellen Anschlägen, weil nicht alle die Flüchtlinge willkommen hießen. So habe sich bereits eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Leck wehrt sich“ gegründet. „Die Einrichtung wird durch einen Zaun nach außen und durch den Wachdienst rund um die Uhr gesichert sein“, erläuterte Joachim Gutt, zudem sei die Landespolizei innerhalb von einer Stunde vor Ort einsatzfähig.

Nicht auf alle Fragen gab es eine konkrete Antwort, und nicht alle Bürger kamen angesichts der Fülle der Beiträge zu Wort. Innenminister Studt deutete an, die Entwicklung in Leck weiter im Auge zu behalten. „Ich gehöre zu denjenigen, die auch mal vorbeigucken. Nicht, um zu kontrollieren, sondern um zu sehen, wie es läuft“, so der Innenminister.

„Ich bin richtig zufrieden“, sagte Lecks Bürgermeister Langbehn am Ende der Veranstaltung. Dazu trägt sicher auch bei, dass bei der Entstehung der Erstaufnahme die Konversionspläne zur Entwicklung eines Gewerbeparks der Gemeinden Leck, Tinningstedt und Klixbüll Beachtung finden. „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen“, bestätigte Studt.


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