Büchercafé : Literatur sucht Liebhaber

Sind ein gutes Team: Ursel Jänisch, Barbara Schmidt-Tychsen und Elke Nord kümmern sich unter anderem um den „offenen Bücherschrank“ im Zollhauscafé.
Sind ein gutes Team: Ursel Jänisch, Barbara Schmidt-Tychsen und Elke Nord kümmern sich unter anderem um den „offenen Bücherschrank“ im Zollhauscafé.

Viel Raum für neue Ideen: Der Verein Kulturstation Zollhäuser in Rodenäs sucht dringend junge und kreative Verstärkung.

shz.de von
18. August 2018, 07:00 Uhr

„Kein Buch soll in der Tonne landen“ – aus diesem simplen Gedanken ist etwas ganz Großartiges entstanden: ein Fundus von mittlerweile 25 000 Büchern, die in der Kulturstation Zollhäuser in Rodenäs auf neue Besitzer warten. Mitgenommen werden darf, was gefällt – unentgeltlich, aber gerne gegen eine Spende. Literatur, Romane, Ratgeber, Fotobände: Fast schon wie eine Bibliothek wartet die Bücherwand im Zollhauscafé auf, alles ist übersichtlich nach Themen sortiert und beschriftet. Hier beweist Vereinsmitglied Barbara Schmidt-Tychsen, gelernte Buchhändlerin, ein erfahrenes Händchen.

Viele Gäste nehmen aber nicht nur Bücher mit, sondern bringen auch Bücher von Zuhause zum Tausch mit – allerdings besteht derzeit ein Aufnahmestopp. „Der ganze Keller ist noch voller Bücherkisten“, berichtet Elke Nord, Vorstandsmitglied im Verein Kulturstation Zollhäuser. Es müssen also erst einmal Bücher anderswo in neue Regale einziehen. Einige Romane tauchen immer wieder in den Regalen auf: Utta Danella beispielsweise oder Konsalik, Hermann Hesse und Siegfried Lenz. „Wir wollen aber nicht erziehen und sortieren alles ein, irgendeinen Liebhaber findet jedes Buch“, so Barbara Schmidt Tychsen. Besonders beliebt sind – vor allem zur Ferienzeit – Reiseführer und Bildbände über Schleswig-Holstein.

Viele Besucher kommen extra wegen der Bücher ins Café, so wie an diesem Nachmittag drei junge Freundinnen auf dem Fahrrad. Kombiniert wird der Ausflug meist mit einer Stärkung im Café des Zollhauses, denn auch die hausgebackenen Torten von Maren Dose haben sich bereits einen Namen weit über Rodenäs hinaus gemacht.

„Die Idee war damals, einen Ort zu schaffen, der Dorfmittelpunkt werden soll, weil es keinen Kaufmann mehr gibt“, berichtet Elke Nord über die Entstehung der Kulturstation. 2006 hat Armin Wulf gemeinsam mit seiner Ehefrau die beiden Zollhäuser in Rodenäs erworben und dann nach Mitstreitern gesucht, die Lust und auch Ideen haben, diese Häuser mit Leben zu füllen. „Das war zur Zeit meiner Pensionierung und ich habe überlegt, was ich nun machen könnte und da war ,irgendwas mit Büchern‘ mein erster Gedanke“, erinnert sich Barbara Schmidt-Tychsen. So wurde schon bald der Verein Kulturstation Zollhäuser gegründet – mit dabei natürlich Elke Nord und Barbara Schmidt-Tychsen als Vorstandsmitglieder, um den Ort mit Leben zu füllen.

Neben der Bücherwand gibt es viele Veranstaltungen, die die Menschen nach Rodenäs und in die Zollhäuser ziehen – aus allen Ecken der Region. Regelmäßige Ausstellungen sind ein weiteres Highlight. Hier hat der Verein ganz unkonventionell begonnen: Unter dem Titel „Teddy, Barbie, Heidi und Co“ wurde in einem leer stehenden Ladengeschäft im Ort Spielzeug ausgestellt, das nicht nur aus dem eigenen Fundus stammte, sondern von vielen Bewohnern aus der Region – sozusagen eine Mitmachausstellung. „Wir hatten auch diesen rosafarbenen Duracell-Hasen, den man aus der Werbung kennt. Dafür gab es sogar eine Anfrage von einem Filmteam“, erinnert sich Barbara Schmidt-Tychsen. Und an die große Ausstellung mit Stickbildern denken die beiden Frauen sehr gerne zurück – auch hier bekamen sie viele Werke als Leihgabe gestellt. Bevor sie wussten, wie viele Werke ihnen gebracht werden, sind sie selbst auf die Suche gegangen: „Wir haben die Antiquitätenläden in Dänemark durchstöbert und uns gefreut, wenn wir für ein paar Euro ein paar gestickte Werke gefunden haben, das hat richtig viel Spaß gemacht“, erinnert sich Elke Nord. Viel Geld hat der Verein nicht zur Verfügung, aber das große Glück, keine Miete zahlen zu müssen. „Dafür sind wir Armin Wulf so dankbar“, sagt Barbara Schmidt-Tychsen.

Das Konzept des Vereins funktioniert hervorragend: die Veranstaltungen finden allesamt einen regen Zuspruch. Allerdings wird dringend Vereinsnachwuchs gesucht: zum Beispiel Buchliebhaber oder Kunstinteressierte, die Lust und Zeit haben, den Verein tatkräftig zu unterstützen. Wie es beispielsweise Ursel Jänisch seit vier Jahren macht. „Wir sind alle bald 80 Jahre alt, da wären jüngere Mitstreiter nicht schlecht“, sagt Elke Nord und fügt an: „Es gibt ja auch vieles, was wir hier noch nicht ausprobiert haben – beispielsweise etwas Musikalisches oder etwas für Kinder – wir sind für alles offen.“ Ganz wichtig sei der Spaß an der Sache, „die unheimlich bereichernd ist“, finden die drei Ehrenamtlichen. Und diese hält – ganz offensichtlich – nebenbei auch noch jung.

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