Lieblingsplätze im Visier

Beobachtet das Wattenmeer und dessen Bewohner: Johann Grien beteiligt sich am Wettbewerb 'Jugend forscht'. Foto: fmw
Beobachtet das Wattenmeer und dessen Bewohner: Johann Grien beteiligt sich am Wettbewerb "Jugend forscht". Foto: fmw

Johann Griem macht ein freiwilliges ökologisches Jahr an der Naturschutzstation Arlau-Schöpfwerk und erforscht das Verhalten der Seehunde

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13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Beltringharder Koog | Er ist der Beste im Norden Schleswig-Holsteins. Das sagt zumindest sein Siegerzertifikat vom Regionalentscheid des Schülerwettbewerbs "Jugend forscht" im Fach Biologie aus. Die 75 Euro Preisgeld, die Johann Griem (20) für seine Forschung zum Liegeverhalten von Seehunden bekommen hat, sind eine weitere kleine Anerkennung. Dabei war sein Engagement zunächst nur als Beschäftigung für die Wintermonate gedacht. Die wahren Herausforderungen kommen erst jetzt.

Mit dem Auge hat Griem die Seehunde, die sich im Watt tummeln, schon gesehen. "Jetzt will ich sie aber auch auf Film festhalten", sagt der freiwillige Helfer im Naturschutzgebiet Beltringharder Koog. Sollte ihm das gelingen, wird seine Studie einen großen Schritt nach vorne machen, denn bisher stützen sich seine Ergebnisse nur auf regelmäßige Beobachtungen mit einem Fernglas aus zwei Kilometern Entfernung. "Mit der Kamera kann ich feststellen, ob es immer dieselben Tiere sind", sagt der gebürtige Niedersachse.

Zurzeit macht der 20-Jährige ein freiwilliges ökologisches Jahr an der Naturschutzstation Arlau-Schöpfwerk. Erste Erkenntnisse hat seine Untersuchung bereits ergeben: "Am häufigsten liegen sie in der Mittagszeit auf der Sandbank", berichtet der junge Forscher. Auch bei Hoch- und Niedrigwasser suchten die Tiere vermehrt die Liegeplätze auf, denn zu diesen Zeiten verlangsamen sich die Strömungen in der Bucht.

Das beeinflusse das Jagdverhalten der Seehunde erheblich, vermutet Griem. Wenn das Wasser nur noch langsam in die oder aus der sogenannten "Salzwasser Lagune" strömt, könnten sich die Fische besser orientieren und den Robben entkommen. Ist die Strömung stark, würden sie den Säugetieren regelrecht in die Schnauze gespült. "Hauptsächlich fressen sie Plattfische, aber eigentlich sind sie Ernährungsopportunisten", weiß der Freiwillige. Alles was klein und lebhaft ist, passe zu ihrer Diät.

Ihre Vorliebe für Plattfisch lässt sie aber zu Akrobaten werden: "Wenn sie jagen, schwimmen sie auf dem Rücken, denn ihre Tasthaare liegen oben auf dem Maul", erläutert der Abiturient. Plattfische halten sich meist am Seeboden auf und sind daher für die Robben nur auf diesem Weg zu ertasten. "Leider haben wir bei uns keinen Unter-Wasser-Blick wie im Zoo", beklagt Griem. Sonst könnte er dieses Schauspiel demnächst auch aufnehmen.

Beobachtet hat der Abiturient die Tiere im vergangenen August. In den Wintermonaten konnte er keine neuen Erkenntnisse sammeln. "Wenn es kälter wird, schwimmen die Seehunde aus dem Wattenmeer heraus, weil sich ihre Nahrung auch in tiefere Gewässer begibt", erklärt der Jungforscher. Außerdem sei im Koog die Gefahr zu groß, dass das Wasser gefriert. Griem erwartet aber in diesem Monat ein Wiedersehen.

Das passt, denn sein freies ökologisches Jahr endet erst im August. Im April nahm der 20-Jährige am Landeswettbewerb in Kiel teil. Auf einen Platz im Bundeswettbewerb will er aber noch nicht spekulieren, denn schon beim Regionalentscheid gab es 23 Einsendungen für das Fach Biologie und Tickets für das Finale sind rar. Klappt es nicht, wird er es aber wohl verschmerzen können: "Hier kann ich die Natur uneingeschränkt erleben. Wer weiß schon, ob ich so eine Chance noch einmal bekomme?"

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