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Sommer-Serie: Wie funktioniert eigentlich...? : Leuchtturmwärter für eine Nacht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In loser Folge stellen wir besondere Orte und Erlebnisse in Südtondern vor: Heute das Turm-Hotel in Dagebüll.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2017 | 10:38 Uhr

Für ein oder zwei Tage Leuchtturmwärter sein, den weiten Blick über die Nordsee genießen – das geht in Schleswig-Holstein nur in Dagebüll. Denn dort gibt es mit 18 Quadratmetern das kleinste Hotel des Landes. Diese verteilen sich auf drei Etagen, verbunden durch die schmale Wendeltreppe des Leuchtturms Dagebüll Koog Unterfeuer. Viele Jahre, von 1929 bis 1986 leuchtete seine Laterne Schiffe auch bei Sturm sicher in den Hafen von Dagebüll. Als das Seezeichen ausgedient hatte, kauften die Berliner Heike und Tim Wittenbecher das Seezeichen vom Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning, bauten es in eine Luxus-Oase um und eröffneten genau vor fünf Jahren ihr Turm-Hotel.

Dieses kann maximal von zwei Personen bewohnt werden, und diese sollten sich schon gerne nahe sein, denn viel Platz gibt es auf den 18 Quadratmetern des 15 Meter hohen Mini-Hotels nicht. In diesem fällt der Gast im Erdgeschoss mit der Tür direkt ins Bad – samt Whirlpool aus Edelholz. Es folgt in der Mitte das kuschelige Schlafzimmer. Edel und schlicht, mit einem mit Kuhfellen bezogenem Sofa und einer Lampe aus flauschigen Gänsefedern folgt ganz oben in der Laterne das Wohn- und Ausblickzimmer. Dort wird klar, der wahre Luxus des Turm-Hotels liegt nicht im Interieur, sondern in der Weite, der scheinbar grenzenlosen Freiheit, dem Blick auf die Inseln, Halligen und den Horizont, in der hautnah spürbaren Nähe zu Wind, Wetter und Natur an der Nordsee. Spätestens beim Gang auf den Balkon, auf dem fast immer der Wind geht, wird der Alltag einfach weg gepustet. In diesem Sommer bietet der Turm zudem einen Seitenblick auf den Bau des Klimadeiches in Dagebüll.

Kurz und herzlich ist die Begrüßung und Führung der Gäste durch Hausdame Sandra Ludwig. Danach gehört der Leuchtturm ganz den Gästen. Eine Bar, einen 24-Stunden-Service und störende Zimmernachbarn gibt es für die Turmwärter auf Zeit nicht. Der nächste Hotel-Service kommt erst wieder am nächsten Morgen – wenn Sandra Ludwig zur gewünschten Zeit den reich bestückten Frühstückskorb auf die unterste Stufe der Treppe stellt.

Turmwärter für einen Tag zu sein, hat seinen Preis – 290 Euro. Dennoch ist das kleinste Hotel des Landes fast immer länger im voraus ausgebucht. Oft kommt es zu sieben Bettenwechseln pro Woche. „Meistens ist eine Übernachtung ein Geschenk zu einem besonderen Erlebnis, oft von Gästen, die auf der Suche nach etwas ganz Besonderem sind“, sagt Heike Wittenbecher, die mit ihrem Mann auch den Lotsenturm auf Usedom sowie seit kurzem den Wasserturm in Bad Saarow gekauft und zu besonderen Quartieren umgebaut hat.

Auch im Sommer zeichnet sich das Mini-Hotel durch eine besondere Ruhe aus. Spaziergänger schauen sich den mit roten Backsteinen ummantelten Turm schon mal aus der Nähe an, doch die nächsten Nachbarn liegen in der Ferne. Nur über eine abschließbare Schranke ist der Leuchtturm über einen Schottweg anfahrbar. Dennoch empfehlen die Hotelbesitzer ihren Gästen, immer abzuschließen, denn Leuchttürme verleiten einfach dazu, geöffnet und bestiegen zu werden. 

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