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Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 04:40 Uhr

Dagebüll : Leuchtturmwärter auf Zeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In einer Sommerserie stellen wir besondere Unterkünfte vor – heute das kleine Leuchtturm-Hotel am Deich von Dagebüll.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 19:23 Uhr

Bizarr geformt sind die dunklen Schauerwolken, die der stürmische Westwind über den Deich jagt. Immer wieder reißt der Himmel auf, wärmende Sonnenstrahlen wandern wie Scheinwerfer über das weite Watt. Ein Logenplatz zum Erleben dieses Wetter-Schauspiels ist die Laterne des Leuchtturms im Dagebüll-Koog. Von 1929 bis 1986 leuchtete sie Schiffe sicher in den Hafen von Dagebüll. Seit zwei Jahren ist sie das Wohnzimmer des kleinsten Hotels im Land. Knapp 20 Quadratmeter auf drei Ebenen – ohne Rezeption und Rund um die Uhr Service, dafür aber mit grenzenloser Freiheit soweit das Auge reicht bietet das Mini-Hotel, das seine beiden Gäste zu Turmwärtern macht.

„Nach einer Begrüßung und Einweisung gehört der Turm ganz unseren Gästen“, sagt Maren Ketelsen, die für den Service vor Ort verantwortlich ist ist, den Zweisamkeit fördernden, gut 15 Meter hohen Turm in Schuss hält und für neue Gäste immer wieder kuschelig herrichtet. Manchmal gibt es sieben Bettenwechsel pro Woche, denn eine Nacht im Turm kostet mindestens 250 Euro. „Der Aufenthalt ist meist ein Geschenk zu einem besonderen Anlass, oft für Gäste, die schon in vielen luxuriösen Hotels gewohnt haben und auf der Suche nach etwas ganz Neuem sind“, sagt Maren Ketelsen. Die Besitzer des Mini-Hotels – Heike und Tim Wittenbecher – wohnen in Berlin und haben schon einen Turm auf Usedom. Das Ehepaar kaufte den Leuchtturm „Dagebüll Koog Unterfeuer“ vom Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning.

Die beiden Gäste des Dagebüller Leuchtturms sollten keine Berührungsängste haben, denn auf allen drei Ebenen geht es nur nah beieinander – ob im edelhölzernen Whirlpool und Bad im Erdgeschoss, im Bett darüber oder in der Laterne. Vom dortigen, mit Kuhfellen bezogenem Sofa bietet sich ein einzigartiger Panorama-Blick über Watt und Meer, über die Halligen und Inseln. Gleich hinter dem Deich liegen wie Würfel auf dem Rasen die bunten Badehütten, die es an der Nordsee nur in Dagebüll gibt. Die Laterne kann auf einer schmalen Holzterrasse auch draußen umgangen werden, hier oben weht aus einer Himmelsrichtung immer eine Brise.

„Der Alltag ist hier oben weit weg“, sagt Maren Ketelsen, die morgens zur gewünschten Zeit einen Frühstückskorb auf die unterste Stufe der Treppe stellt. Bis auf diesen Service bleiben die Turmwärter auf Zeit ganz für sich, der Aufenthalt in dem ehemaligen Leuchtfeuer ist bei jedem Wetter ein Erlebnis. Die Einrichtung ist schlicht und von besonderen Design-Stücken geprägt, wie einer Lampe aus flauschigen Gänsefedern in der Laterne.

Auch wenn die Tür der Laterne mal wegen Sturm und Regen geschlossen bleiben muss, die Natur ist trotzdem zum Greifen nah. Nachbarn wohnen erst in weiterer Ferne des mit roten Backsteinen ummantelten Turms. Nur per Schlüssel und Schranke ist das Mini-Hotel über einen Schottweg mit dem Auto anfahrbar. „Es kommt aber vor, das Neugiere den Turm besichtigen wollen, daher sollten die Gäste immer abschließen“, sagt Maren Ketelsen. Besonders wenn sie sich gerne näher kommen.

 

 

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