Niebüll : Lehrer werben für Hallenneubau

Sanierungsfall: die Südtondernhalle.
Sanierungsfall: die Südtondernhalle.

Fachpädagogen und Schulleitung kritisieren möglichen Umbau der Südtondernhalle als ungenügend: Die alte Sporthalle birgt hohes Verletzungsrisiko.

shz.de von
15. Mai 2015, 08:00 Uhr

Die Südtondernhalle in Niebüll ist in die Jahre gekommen. Die Waschräume, die Rohrleitungen, die Elektrik, die Heizungen, der Geruch – die Gebrauchsspuren des Gebäudes sind nach 50 Jahren unübersehbar. In der Kommunalpolitik ist man sich über den Sanierungsstau schon länger im Klaren. Jetzt wurde im Hauptausschuss beraten, ob das Gebäude noch mit einer Generalüberholung zu retten ist, oder die Halle einem Neubau weichen soll. Das Besondere an der Sitzung im Rathaus: Erstmals trugen auch Vertreter des Fachbereichs Sport und der Schulleiter der Friedrich Paulsen Schule ihre Meinung vor – und die fiel für viele Kommunalpolitiker überraschend deutlich aus.

„Die jetzige Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass erhebliche Unsicherheit besteht“, so Schulleiter Manfred Wissel. Betrachte man die Statistik, so habe es in den vergangenen Jahren eine erhebliche Zahl von Unfällen in der Südtondernhalle gegeben. Die Meldungen an die Unfallkasse ähnelten sich im Wortlaut auf erschreckende Weise. Demnach waren Kollisionen mit der steinernen Hallenwand oft für Verletzungen verantwortlich. Aufgrund der Zwischenfälle – die bisher alle glimpflich verlaufen seien – habe die Unfallkasse die Halle bereits in Augenschein genommen, berichtete Wissel vor dem Hauptausschuss.

Diese Beschreibung der Situation sei für sie neu, gab Stadtvertreterin Bettina Fritzsche (CDU) zu. „So deutlich höre ich das zum ersten Mal von Seiten der Schule.“ In der Vergangenheit habe man einen gewissen Sanierungsstau in Kauf genommen, was auch daran gelegen habe, dass solche Informationen nicht bekannt gewesen seien. „Wir schreien nicht sofort nach Neubau“, erklärte Wissel die Zurückhaltung. Bisher habe man sich so gut es gehe mit dem Ist-Zustand arrangiert. „Wenn sich jetzt aber eine Situation bietet, die diesen Zustand beenden kann, dann stimmen wir eindeutig dafür. Alles andere wäre verantwortungslos.“

Wie sich zeigte, sollte die Mängelliste, die die Lehrer dem Hauptausschuss sachlich vortrugen, noch länger werden: Durch den Zuschnitt der eigenen FPS-Halle, die mittlerweile 90 Jahre zählt, seien dort die meisten Sportarten gar nicht möglich. „Wir können diese Halle nur als Gymnastikhalle sinnvoll nutzen“, sagte Fachschaftsvertreter Martin Perleberg. Entsprechend ist die FPS für die Vermittlung von Handball, Basketball, Volleyball oder Unihockey auf die ebenfalls betagte Südtondernhalle angewiesen. Doch auch hier sei Unterricht nur eingeschränkt und mit den besagten Verletzungsrisiken umsetzbar. Zudem gebe es nur wenig Tageslicht in der Halle, die Sicherheitsabstände im Randbereich seien zu klein, die Spielfelder nicht normgerecht geschnitten und die Tribüne nicht barrierefrei. Im Alltag führen diese Mängel dazu, dass für Schulsportwettbewerbe und Vereinssport eine Sondergenehmigung nötig ist. Sportlehrer Perleberg wies darauf hin, dass dieses Problem auch durch eine Sanierung nicht gelöst werde: „Durch das Einziehen einer Trennwand wären die beiden Felder dann quadratisch und die Bespielbarkeit wieder nicht zeitgemäß.“ Das Urteil aus der Lehrerschaft ließ keinen Zweifel daran, dass die Praktiker von der FPS einen Neubau der Südtonernhalle für unumgänglich halten. „Wir haben hier eine historische Chance“, so Martin Perleberg.

Neubau oder Sanierung? Die zwei Varianten verursachen unterschiedliche Kosten: Eine Südtondernhalle 2.0 soll nach aktuellen Berechnungen, die jetzt im Rathaus vorgestellt wurden, mit 3,5 Millionen Euro zu Buche schlagen.Eine Sanierung würde die Kassen entsprechend mit 2,6 Millionen Euro belasten. Nach anschließender Diskussion ließ Thomas Uerschels (SPD) ähnlich wie Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt deutliche Sympathien für die Idee einer neuen Südtondernhalle erkennen: „Falls wir uns dafür entscheiden, muss bis zum Ende des Jahres der Bauantrag rausgehen.“ In beiden Fällen säße jedoch auch der Schulverband Südtondern als Geldgeber mit im Boot. Auch dessen Vorsitzender, Ingo Böhm, sprach sich bereits während der Sitzung für einen Neuanfang aus: „Ich bin auch der Meinung, dass ein Neubau die beste Lösung ist.“ Vor einer abschließenden Entscheidung in der Stadtvertretung wollen sich die Beteiligten nun in den Fraktionen sowie mit dem Schulverband beraten und verzichteten auf eine Empfehlung des Ausschusses. 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen