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900 statt 1000 Meter : Leck: Windräder dürfen dichter heranrücken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Gemeindevertretung kippt Beschluss aus dem Jahr 2012.

Weniger Abstand zur Wohnbebauung, dafür mehr Windkraftanlagen: Dieser Ansicht ist die Mehrheit der Lecker Gemeindevertretung. Denn: Die Windpark Leckeng Repowering GmbH & Co. KG möchte bestenfalls zwei weitere Windkraftanlagen aufstellen und betreiben. Das würden jedoch die aktuellen Auflagen der Landesplanung und ein früherer Beschluss der Gemeinde verhindern. Um eine Erweiterung zu ermöglichen, hat der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen entschieden, dass der Abstand von Windkraftanlagen zur Ortslage Leck künftig nur noch 900 statt bisher 1000 Meter betragen muss. Zudem wird einer Ablehnung der Landesplanung zum Thema Windeignung widersprochen.

Zum Hintergrund: Bisher hatte die Gemeinde per Grundsatz-Beschluss vom 26. Januar 2012 festgelegt, dass ein Mindestabstand von 1000 Meter von der Ortslage Leck zu Windenergieanlagen, die höher als 99,50 Meter sind, zwingend eingehalten werden muss. Nun aber hat die Landesplanung mit der Neuordnung der Windenergie-Vorrangebiete die Möglichkeiten für weitere Anlagen im Windpark Leckeng eingeschränkt, indem eine Potenzialfläche abgelehnt wurde. Die einzige andere Möglichkeit, aktuell überhaupt eine weitere Windmühle aufzustellen, ist laut Windpark-Geschäftsführer Volker Storm, den bisher gültigen Mindest-Abstand zur Ortslage um rund 50 Meter zu unterschreiten. Die Beschlussvorlage geht noch 50 Meter weiter und setzt den neuen Mindestabstand auf 900 Meter fest.

Bürgermeister Andreas Deidert sprach sich in der Diskussion zum Für und Wider der Abstands-Änderung eindeutig für die Errichtung neuer Windmühlen aus – als Einnahmequelle in Form von Gewerbesteuern. Zudem stünden in unmittelbarer Nähe, aber nicht mehr auf Lecker Gemeindegrund, mehr als 20 Mühlen, „die uns gar nichts einbringen.“ Da mache eine Mühle mehr oder weniger keine einschneidende Veränderung aus.

Die Ansicht, Leck solle sich mit dem Beschluss von 2012 nicht selbst beschneiden, immerhin sei der Mindestabstand freiwillig über den gesetzlichen Mindestabständen von 400 Meter (Einzelhäuser) und 800 Meter (Siedlungen) festgelegt worden, teilte auch Ingo Scholz (CDU). Und auch bei den Vorgaben der neuen Landesregierung sieht Scholz Leck auf der sicheren Seite: Die neuen Abstandsauflagen von 1000 Metern und 500 Metern gölten nur für Anlagen höher als 200 Meter, was auf die Pläne in Leckeng nicht zutreffe. Auch die SSW-Fraktion sprach sich mit Blick auf Leck als Bedarfsempfänger dafür aus, den Vorschlag anzunehmen.

Die Vertreter der SPD sahen das anders: Sowohl den Widerspruch an die Landesplanung als auch die Abstandsverringerung lehnte die Fraktion geschlossen mit jeweils drei Gegenstimmen ab. „Wir möchten die Akzeptanz von Windenergie und den dazugehörigen Anlagen erhalten“, sagte Karsten Hansen zur Einstellung der SPD-Fraktion. Die anderen anwesenden Gemeindevertreter – Klaus Schmidt (UWL) hatte für das Thema den Saal wegen Befangenheit verlassen – votierten hingegen für Widerspruch und 900-Meter-Abstand.

Abschließend merkte Scholz an, dass das Problem der „störenden Weihnachtsbeleuchtung in Rot“ durch Windkraftanlagen vielleicht bald gelöst werden könne. Windpark-Geschäftsführer Storm bestätigte, dass es eine Initiative der Südtonderaner Windmüller gebe: In vielleicht gar nicht ferner Zukunft solle mittels eines speziellen Turms ermöglicht werden, dass die Anlagen nur noch blinkten, wenn sich ein Flugzeug nähere. Bürgermeister Deidert ergänzte, dass bereits eine entsprechende Bauvoranfrage auf Lecker Gemeindegrund vorliege.



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erstellt am 07.Jul.2017 | 09:00 Uhr

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