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Naturschutz-Gutachten : Leck hält Ausgleichsflächen bereit

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Weitere Voraussetzungen sind geschaffen, um den Businesspark als Konversionsprojekt auf dem ehemaligen Flugplatzgelände voranzutreiben.

von
erstellt am 15.Dez.2016 | 09:50 Uhr

Ausschlaggebend wird das Gutachten sein. Darin soll detailliert kartiert werden, welche Biotopformen und seltene Pflanzen auf der 40 Hektar großen Fläche südlich der Startbahn des ehemaligen Nato-Flugplatzes vorzufinden sind. Fettkraut, Sumpfenzian, Büschelnelke? Von der vorherrschenden Flora hängt es ab, welche Maßnahmen in welchem Umfang zu bewerkstelligen sind, um den Businesspark der Gemeinde Leck voranzutreiben.

Noch voraussichtlich bis in das Frühjahr hinein sind Gutachter deshalb dabei, den Istzustand der „mesophilen Graslandschaft“ zu dokumentieren, die seit dem neuen Naturschutzgesetz des Landes als besonders schützenswert gilt. Danach aber, davon gehen Lecks Bürgermeister Andreas Deidert und sein Stellvertreter Ingo Scholz aus, werde der Schaffung eines neuen Gewerbegebiets, das sich auch über rund acht Hektar jener mesophilen Graslandschaft erstrecken soll, nichts mehr im Wege stehen.

Die Gemeindevertreter haben bei ihrem Businesspark Südtondern weiterhin Großes im Sinn: Das interkommunale Vorhaben soll Großgewerbe anlocken, langfristig für Gewerbesteuereinnahmen sowie Arbeitsplätze sorgen und letztendlich die gesamte Region attraktiver machen. Pläne, für die Hürden genommen werden müssen. „Wir sind aber einen deutlichen Schritt vorangekommen“, bilanziert Scholz, der sich dabei auf eine Entscheidung der Landesregierung aus dem Jahr 2014 bezieht. Damals überraschte Umweltminister Robert Habeck die ins Leben gerufene Konversions-Arbeitsgruppe mit einer einstweiligen Sicherstellung des geplanten Naturschutzgebietes „Leckfeld“. Sie bezieht sich auf 187 Hektar des ehemaligen Bundeswehrflugplatzes, wozu auch Teile des avisierten Businessparks gehören.

Die Sicherstellung war für die Arbeitsgruppe ein Rückschlag, denn sie verbietet Veränderung und lässt damit keine Entwicklungsmöglichkeit zu. „Durch die Sicherstellung sorgen wir dafür, dass die schutzwürdigen Lebensräume in den nächsten zwei Jahren nicht gefährdet werden. Diese Zeit werden wir nutzen, um in einem umfangreichen Beteiligungsverfahren die Rahmenbedingungen für ein künftiges Naturschutzgebiet Leckfeld zu schaffen“, erklärte damals Minister Robert Habeck.

Mittlerweile ist die Sicherstellung um weitere zwei Jahre verlängert. Schriftlich liegt der Gemeinde Leck nun jedoch die Zusage des Umweltministers vor, „dass sich Flächen südlich der Startbahn aus der Sicherstellung herausnehmen lassen, sollten Investoren mit großer Bedeutung für die Region ihr Interesse für den Businesspark bekunden. Und solche Bewerber gibt es“, sagt Scholz, „die von großen Rechenzentren für die IT-Branche sprechen.“

Von diesem Interesse ausgehend, sei für ein B-Plan-Verfahren zum Businesspark ein weiterer wichtiger Schritt gemacht worden. Mit dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur), der Landgesellschaft Schleswig-Holstein, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und der Unteren Naturschutzbehörde sei sehr konstruktiv über eine Ausweisung von Ausgleichsflächen beraten worden, lobt Ingo Scholz. „Über die Landgesellschaft Schleswig-Holstein konnte Ende November nördlich der Startbahn beim Ketelsburger Wegs Land von Bauern erworben werden – finanziert von der Unteren Naturschutzbehörde mit Hilfe eines Ausgleichsfonds“, erklärt der stellvertretende Bürgermeister. Dieses Land werde der Stiftung Naturschutz übertragen. Die Stiftung besitzt bereits nördlich des ehemaligen Flugplatzes Flächen im FFH-Gebiet („Flora Fauna Habitate“). Durch den Erwerb kann sie nun ein zusammenhängendes Areal schaffen. „Die Acker- und Wiesenflächen werden für ein Naturschutzprojekt genutzt“, sagt Heinrich Rottmann von der Kieler Stiftung Naturschutz, der davon ausgeht, dass die Flächen mit ihren unterschiedlichen Feuchtgehalten sowie Nährstoffsituationen dafür ausreichend Potenzial haben. Welche Projekte im Detail umgesetzt werden sollen, dazu könne er noch keine Angaben machen. „Das ist zu diesem Zeitpunkt einfach noch zu früh. Wir warten erst das Gutachten ab.“

„Entscheidend wird die Wertigkeit der Flächen südlich der Startbahn sein“, erklärt Andreas Deidert. „Je höherwertiger diese sind, desto mehr Ausgleichsflächen müssen bereitgestellt werden.“

Gehen die Pläne der Gemeindeväter auf, dann könnte letzendlich in der Zukunft eine klare Trennung erfolgen. Scholz: „So wie wir es immer vorhatten: Die Fläche nördlich der Startbahn ist dann für den Naturschutz vorgesehen, und beim Areal südlich der Startbahn haben wir wiederum unseren Gestaltungsspielraum.“ Auch die Pläne des Kraftfahrt-Bundesamts, das die Startbahn als Teststrecke für Fahrzeuge nutzen möchte, könnten das gesamte Vorhaben nicht gefährden. „Deidert: „Wir gehen fest davon aus, dass Leck in der zweiten Hälfte 2018 seinen Businesspark entwickeln kann.“

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