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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 19:45 Uhr

Leck arbeitet an „Willkommenskultur“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Gemeinde Leck möchte Kindern mit Migrationshintergrund den Intensiv-Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ vor Ort anbieten

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 11:11 Uhr

Sprache ist der Schlüssel zur Integration – darin sind sich die Beteiligten des „Runden Tisches Migration“ der Gemeinde Leck einig. Deshalb werden derzeit große Anstrengungen unternommen, ein DaZ-Zentrum in der Gemeinde zu etablieren. Hinter der Abkürzung steckt „Deutsch als Zweitsprache“, die Zentren sind organisatorische Verbindungen von mehreren Schulen, die Sprachkurse für Kinder ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen anbieten.

In Südtondern gibt es derzeit zwei DaZ-Zentren, beide in Niebüll, verortet in der Alwin-Lensch-Schule und an der Gemeinschaftsschule. Holger Karde, Leiter der Gemeinschaftsschule an der Lecker Au, spricht sich dafür aus, auch Leck als Basis zum Deutschlernen auszubauen, damit Kinder mit Migrationshintergrund vor Ort Deutsch lernen können. „Denn Sprache lernt man auch und vor allem über soziale Kontakte.“

An seiner Schule in Leck gibt es laut Karde bereits ausgebildete DaZ-Lehrer. Außerdem lernen im Schulgebäude, in dem auch die VHS untergebracht ist, bereits Erwachsene die Sprache ihres neuen Zuhauses, und zwar mit dem kostenfreien Angebot „Deutsch als Fremdsprache für Flüchtlinge/Asylbewerber/Migranten.“

„Ich sehe die Gruppe häufig auf dem Schulhof stehen und sich unterhalten. Es wäre doch unlogisch, wenn die Eltern zu Fuß zum Unterricht gehen können, die Kinder aber nach Niebüll fahren müssen“, sagt Karde. Viel sinnvoller sei es doch, wenn die Möglichkeit bestünde, dass Eltern und Kinder gemeinsam zur Schule gehen könnten. „Eine Anlaufstelle für die ganze Familie würde auch Hemmschwellen abbauen.“

Dieser Meinung sind auch Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn und sein Stellvertreter Ingo Scholz: „Wir brauchen ein DaZ-Zentrum in Leck.“ Derzeit verzeichnet das Amt Südtondern 53 Asylbewerber in der Gemeinde Leck, in Niebüll sind es 91, im gesamten Amtsbereich 170 Menschen, nicht mitgerechnet sind diejenigen, die eine Arbeitserlaubnis haben. Bürgermeister Langbehn geht jedoch davon aus, dass im laufenden Jahr noch mehr Migranten, vor allem Familien, in der Gemeinde Zuflucht suchen werden. „Wir wollen hier in Leck eine Willkommenskultur bieten.“

Astrid Finger, Schulrätin des Schulamts im Kreis Nordfriesland, ist begeistert vom Engagement der Gemeinde Leck für Menschen aus anderen Ländern, die in Not geraten sind und hier auf eine neue Heimat hoffen: „Das ehrt die Gemeinde sehr.“ Dennoch ist Leck bisher bei der jährlichen Verteilung der DaZ-Planstellen leer ausgegangen. „Wir haben sehr viel Verständnis dafür, dass sich Gemeinden DaZ-Zentren wünschen“, sagt die Schulrätin. Die Mittel vom Land für die Planstellen seien allerdings begrenzt und müssten so zentral wie möglich eingesetzt werden. Astrid Finger: „In Niebüll sind die Fallzahlen höher, außerdem ist die Stadt als Gymnasialstandort von allen umliegenden Orten gut mit dem Bus erreichbar.“ Sobald die Kinder genug Deutsch könnten, würden sie in den normalen Schulunterricht möglichst am Wohnort integriert.

Sollte sich jedoch tatsächlich die Zahl der Kinder, die auf ein DaZ-Zentrum angewiesen sind, in Leck extrem erhöhen, dann müsse man darüber reden und Lösungen finden, sagt die Schulrätin.

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