„Lebt das Leben!“

Vollgas: Das Sylt-Kieler-Duo Moira Serffling und Tom Baetzel im Charlottenhof.
Vollgas: Das Sylt-Kieler-Duo Moira Serffling und Tom Baetzel im Charlottenhof.

„Schön, wieder hier zu sein“: Das Duo Nervling begeistert mit einem Mix aus Pop, Soul und Reggae das Publikum

shz.de von
20. Juli 2018, 18:04 Uhr

Heimspiel für das Sylt-Kieler-Duo Moira Serffling und Tom Baetzel: Ein Auftritt bei den After-Work-Konzerten im Charlottenhof ist für Nervling Pflicht – natürlich unter starker Beteiligung der Sylter Fans und Freunde nebst Verwandtschaft. „Mit dir bin ich zur Schule gegangen und du bist meine Mama“, ruft die aufgedrehte Moira gleich zu Beginn von der Bühne herunter. „Schön, wieder hier zu sein“, lautet das Motto; geboten wird ein toller Mix aus alten und neuen Songs, wie immer zubereitet aus Pop, Soul und Reggae als Wohlfühlkondensat und Gute-Laune-Bringer ganz drogenfrei.


Ein Wirbelwind wie Rumpelstilzchen

Die Stücke von der zweijährigen Weltreise bringen sogleich Sommer- und Urlaubsflair in die völlig überhitzte Arena; und alle singen mit. Mit „OOOO“ ein Klassiker zum Einstimmen. Auch „Damn good Night“ lieben die Zuschauer. „Ziemlich egal“ ist ein Song von der neuen CD „Keine Ahnung“, die deutsche Texte trägt.

Deutsch geht bei „Nervling“ durchaus. Denn als Moira im Februar 2017 mit ihrer Ukulele mit den Füßen im Südpazifik notierte „Ich Bin Froh“, beschlossen die beiden, ein komplett deutsches Album zu machen. „Tatsächlich sind sämtliche Titel bereits innerhalb von vier Wochen fertig geschrieben worden“, berichtet Tom Baetzel. Um etwas Neues zu probieren, waren während der Studioaufnahmen Manne Uhlig (Drums) und Tomáš Ferko (Keys, Bass) mit am Werk.

Diese beiden formidablen Musiker sind auch im Charlottenhof mit am Start. Das Publikum hat die Chance auf ein noch viel stärkeres Nervling-Erlebnis. Moira kann sich nun vor einem voluminösen Klangteppich austoben. Wie Rumpelstilzchen tanzt und wütet der Sylter Wirbelwind über die Bühne; ein singendes Kraftpaket, das so viel an Energie und guter Laune ausstrahlt, das wohl niemand widerstehen kann. Nahezu alle zucken und zappeln im Saal, wie von magischer Hand geführt. Tom Baetzel bedient die Gitarre inzwischen tiefhängend wie Keith Richards – und fast ebenso genial.

„Heimat ist da, wo das Herz ist“, ein weiterer Klassiker begeistert ebenso wie „Yudunno“, womit Klatsch und Tratsch auf die Schippe genommen werden. Man merkt den Songs an, dass sie authentisch sind, aus dem echten Leben stammen. Die Nervlinge musizierten „all over the world“ mit Straßenmusikern, traten selbst in kleinen Clubs auf und produzierten in jedem Land einen Song. Da wurde ein Wandschrank zum Studio und der Besenstiel zum Micro-Halter. Erlebnisse ohne Ende, viel Gastfreundschaft, ganz speziell in den Slums. So kommt es zu einer äußerst lebendigen Stilvielfalt; geprägt vom Tango in Argentinien oder dem Reggae aus Jamaica. Zum Genießen gibt es noch weitere Klassiker und eine Auswahl von der letzten CD, so eine ganz neue Interpretation von „Die Gedanken sind frei“.


Erinnerung an Jürgen Lüders

Mit „Read my lips“ und „This is my life“ kommen die Hits zur Geltung. Immer wieder appelliert Moira an die Lebensfreude, die jedem innewohne. „Lebt das Leben!“: Das ist ihre Botschaft. Und so wird es auch ganz still im Saal, als die Sängerin an Jürgen Lüders erinnert, der kürzlich überraschend gestorben ist. Jürgen Lüders war ein Fixpunkt der Musikszene ein Nordfriesland; sein plötzlicher Tod ein Schock für alle, die ihn kannten und nahestanden. Nervling widmete ihm das Lied „Baby, don’t cry!“ – ein toller Song, inspiriert von der mexikanischen Tradition dem Tod und der Trauerfeier fröhlich entgegen zu gehen.

„Long road“ und „Call my name“ bieten weitere Chancen, kräftig mitzusingen und zu tanzen. Auch die deutschen Titel haben tatsächlich Ohrwurmcharakter. Mit „Rosalie“ geht es in die Schlussrunde, die mit das Tempo noch einmal steigert. Unfassbar, wie Moira bis zur letzten Sekunde die Spannung hochhält und nicht aus der Puste gerät. Erst die langsame, poetische Zugabe beruhigt das Publikum, das sich nun entspannt auf den Weg nach Hause macht oder aber zum Zug nach Sylt eilt. „Wir haben deshalb vorher schneller gespielt“, sagt Moira lachend – und winkt den letzten Gästen fröhlich hinterher. Ein Wahnsinnsabend, der nur glückliche Gesichter hinterlässt.

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