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Nordfriesland Tageblatt

12. Dezember 2017 | 00:32 Uhr

Lesung : Lebhafte Erzählungen aus Absurdistan

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zwischen humorvoller Schilderung und ernsten Zweifeln: Jan-Uwe Thoms gewährte nachdenklich stimmende Einblicke in seine Bundeswehrzeit.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 11:01 Uhr

Ein Umzug im VW Käfer, Gleichschritt gehen mit sich selbst und ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Tuns: Der ortsansässige, für seine lebendige Erzählweise bekannte Autor Jan-Uwe Thoms präsentierte in einer Lesung Auszüge aus seinem neuen Buch „Damals beim Bund – Erinnerungen aus Absurdistan“. Veranstalter war der Ortskulturring (OKR) Ladelund-Bramstedtlund-Karlum-Westre in Zusammenarbeit mit dem Verein „Bücher ohne Grenzen“ (BOG).

Die OKR-Vorsitzende Karin Christiansen hieß die zahlreich erschienenen Zuhörer willkommen und sprach die Hoffnung aus, Jan-Uwe Thoms könne an seinen Erfolg anknüpfen, den er vor wenigen Monaten mit seiner Lesung aus seinem vorletzten Buch („Damals in Flenburg“) hatte. Sollte dies gelingen, werde man hoffentlich wieder viel zu lachen, aber auch über hinreichend zahlreiche Themen ernster Art nachzudenken haben. Dieser Wunsch sollte – um es vorab zu sagen – vollauf in Erfüllung gehen.

Einleitend schilderte der in Flensburg aufgewachsene Autor humorvoll den Umzug seiner Familie nach Niebüll, in einem VW-Käfer, dessen Zwangsstopp vor einer herabgelassene Bahnschranke von seiner um fünf Jahre jüngeren Schwester als schlechtes Omen gewertet wurde: „Die wollen uns hier gar nicht haben!“

Auch Jan-Uwes schulischer Start an der FPS gestaltete sich problematisch, da seine fremdsprachlichen Kenntnisse zu wünschen ließen und sein Lehrer im Fach Französisch dafür kein Verständnis aufbrachte. Erst das pädagogische Geschick des Schulleiters Johannes Schwensen stabilisierte des Schülers Selbstvertrauen und weckte in ihm das Interesse am Fach Geschichte und den Wunsch, Lehrer zu werden.

Dass Thoms sich dann aber 1965 entschloss, als Berufsoffiziersanwärter zur Bundeswehr zu gehen, verdankte er einem Ratschlag seines künftigen Schwiegervaters.

Wegen einer Blinddarmoperation trat er seine Grundausbildung in Flensburg mit Verspätung an, woraufhin er seinen Rückstand im militärischen Übungsbetrieb und sprachlichen Umgangston durch reichlich Einzeltraining nachzuholen hatte. Das Gebrüll seines Spießes und die von ihm als absurd empfundenen Befehle, mit sich selbst im Gleichschritt zu gehen, nahm Thoms gelassen hin, nicht aber die erniedrigenden Schikanen, die bei einem seiner Kameraden beinahe zum Tode geführt hätten.

Der Autor schilderte seine militärischen Karriere vom Schützen bis zum Stabsoffizier, in deren Verlauf er seine Soldaten im Glauben an die Richtigkeit dessen ausbildete, was die politisch-militärische Führung vorgab. Thoms stellte seinen Ausführungen – quasi als Denkanstöße – fünf Zitate berühmter Persönlichkeiten voran. Dazu zählten „Handle nie gegen dein Gewissen, selbst wenn der Staat es verlangt!“ (Albert Einstein), „Der Soldat, der anfängt zu denken, ist schon fast keiner mehr“ (Heinrich Böll) und die seit 1956 gültige Eidesformel des Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit der Bundeswehr. Der Autor vermittelte seine Erfahrungen im ständigen Wechsel zwischen humorvoller Schilderung des Kasernenlebens und ernsthafter Reflexion. Während seiner Bundeswehr-Zeit hatte er zunehmend an der Richtigkeit seines dienstlichen Handelns gezweifelt. 1990 hatte er schließlich die überraschende Chance, vorzeitig in Pension zu gehen, genutzt – ohne anschließend sicherheitspolitische Fragen aus den Augen zu verlieren.

Nachdem die Zuhörer den Vortrag lebhaft beklatscht hatten, fasste Gyde Köster im Namen des BOG den Beifall in dankende Worte. Viele Gäste nutzten noch die Gelegenheit, Uwe Thoms ein Exemplar seines Buches, aus dem er gelesen hatte, abzukaufen und von ihm signieren zu lassen.

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