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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 18:25 Uhr

Zweitägiges Projekt : Leben wie Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sich einmal in die Lage von Flüchtlingen hinein versetzen – das hatte ein zweitägiges Projekt für 19 Schüler der Klasse 8a vom Standort Wimmersbüll der Emil-Nolde-Schule zum Inhalt

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 17:02 Uhr

Sich einmal in die Lage von Flüchtlingen hinein versetzen – das hatte ein zweitägiges Projekt für 19 Schüler der Klasse 8a vom Standort Wimmersbüll der Emil-Nolde-Schule zum Inhalt. Mit ihrem Klassenlehrer Uwe Thomsen, der vor kurzem eine von der Mercator-Stiftung unterstützte Kulturvermittlerausbildung absolviert hat und nun einer von drei in Nordfriesland als Kulturvermittler tätigen Lehrern ist, hatten sie im Vorlauf dazu gemeinsam die Grafik-Novelle „Der Traum von Olympia“ gelesen.

Bei dieser wahren Geschichte geht es um eine 200-Meter- Läuferin aus Somalia, die bei einer Olympiade letzte geworden war. Das wollte sie so nicht hinnehmen und beschloss für die nächsten Spiele zu trainieren, was ihr aber von der IS-Terrororganisation verboten wurde. Wegen des Terrors war sie dann geflohen, gelangte in die Hände von Schleusern und ist dann bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Um den Inhalt dieser Novelle für sich zu erschließen, haben die Schüler Plakate und Bilder gezeichnet sowie Rollenspiele dazu gespielt. Mit den beiden Flensburger Künstlerinnen Elke Mark (Performance) und Elisa Priester (freischaffende Theatermacherin) galt es dann für die Schulklasse „in die Welt der Flüchtlinge einzutauchen“. Sie mussten herausfinden, was es bedeutet, auf der Flucht zu sein und dann nachher in einem fremden Land anzukommen.

Zunächst wurden die Jugendlichen nach ihren Bedürfnissen, Träumen und Wünschen für die Zukunft gefragt, um dann einen Trainingsplan zu erstellen, wie das zu erreichen ist. Dazu haben sie auch mit DAZ-Schülern (Deutsch als Zweitsprache für Flüchtlinge) geredet und gemeinsam gegessen. Um einen Fluchtweg zu simulieren, galt es in zwei konkurrierenden Gruppen von der Schule bis zu einem bis dahin unbekannten (seit zwölf Jahren unbewohnten) Haus in Süderlügum zu gehen. Als einziges Material bekam jeder eine dicke Zeitung mit und unterwegs war die Aufgabe, einen Stock sowie einen grünen und einen Wert-Gegenstand zu finden. Wobei der Wert, nicht nur materiell oder ideell, für jeden eine andere Bedeutung haben kann. Zumal in anderen Ländern verschiedene Wertmaßstäbe gelten. Dabei mussten sich die Jugendlichen fragen, wie sind Träume umzusetzen, wenn Hindernisse auftreten oder wenn Werte erschüttert werden. Dazu gab es pro Gruppe noch einen schweren Stein, der getragen werden musste, um zu fragen: Wer trägt den? Wie verteilt man Aufgaben? Weiter wurden die Gruppen unterwegs mit Hindernissen konfrontiert, die laut Elke Mark gefangen nehmen, aber auch zu einem Ausweg führen können.

Der Weg zum Ziel war nicht leicht zu erreichen, denn die Gruppen kannten das Haus nicht und wussten auch nicht, wo sie hin kamen. Es galt, sich mit einfachsten Mitteln einzurichten. Hier gab es weitere Experimente und Rollenspiele, um zu hinterfragen: Wem kann ich mich anvertrauen? Wie kann ich es alleine schaffen oder wo brauche ich Unterstützung? Wie lange muss ich noch? Dabei sollten gewollt Konflikte zwischen den Gruppen provoziert werden, so die beiden leitenden Künstlerinnen. Eine noch folgende Nachbesprechung als Feedback wird zeigen, wie dieses aktuelle Projekt bei den Schulkindern und den drei Kulturvermittlern angekommen ist, so Thomsen.

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