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Elektromobilität : Lautlos und abgasfrei durch Niebüll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Niebüller Verkehrsbetriebe testen Elektrobus im Schulverkehr / Eine Anschaffung für den Öffentlichen Nahverkehr ist noch nicht geplant

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Nur wenigen Fußgängern in Niebüll wird der besondere Linienbus in der vergangenen Woche wirklich aufgefallen sein: Denn auf den ersten Blick unterscheidet sich das Modell „Sileo“ nicht von einem herkömmlichen Automobil. Nur wer richtig hinhörte, der hörte den Unterschied – nämlich fast nichts. Der Grund: Bei dem Bus handelte es sich um ein Elektrofahrzeug, das kaum lauter als ein Rasierapparat durch Niebüll und das Umland rollte.

Über eine Woche haben die Niebüller Verkehrsbetriebe (NVB) den Prototyp aus Salzgitter in den laufenden Fahrbetrieb eingebunden und ziehen jetzt eine positive Bilanz: „Der Bus fährt sich sehr weich – das hat den Kollegen wirklich gefallen“, sagt Betriebsleiter Martin Hett. Täglich habe man auch Kinder übers Land befördert, bei denen der stille Schulbus ebenfalls gut angekommen sei. „Für uns war es einfach mal praktisch, so ein Modell in Griffweite zu haben und zu testen“, so Hett. Doch das Gefallen allein reicht nicht aus, um einen elektronischen Linienbus dauerhaft in den Fuhrpark der NVB aufzunehmen. Der Preis des Fahrzeugs, das etwa 40 Sitzplätze bietet und laut Hersteller mit einer Ladung rund 200 Kilometer Strecke bewältigen kann, liegt mit rund 430  000 Euro fast um die Hälfte höher als für einen konventionellen Linienbus mit Verbrennungsmotor. Zusätzlich müssen die Verkehrsbetriebe in Ladestationen und weitere Technik investieren. Noch ist die Investition in die neue Technologie damit sehr hoch. „Trotzdem lohnt es sich auf lange Sicht“, sagt Gerhard Schlag vom Sileo-Hersteller. Bereits nach zehn Jahren rechne sich der E-Bus. „Damit ist das Fahrzeug auch für kleiner Betriebe eine zukunftsfähige Anschaffung.“ Auch für die NVB komme die neue Beförderungsform theoretisch infrage, bestätigt der Betriebsleiter: „Der Bus ist eine Option, über die man nachdenken sollte.“

Der Einsatz der umweltfreundlicheren Technologie, auch im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV), stünde der Region gut zu Gesicht, meint Stephan Wiese. Der Geschäftsführer des Unternehmens e4mobile aus Leck, das Elektrofahrzeuge vermittelt, verweist dabei auf den angestoßenen Wandel zur Elektromobilität in Nordfriesland: „Momentan haben wir rund 150 zugelassene E-Mobile im Kreis – in ganz Schleswig-Holstein sind es etwa 500. Damit sind wir Spitzenreiter.“ Dies seien gute Voraussetzungen dafür, dass sich Elektromobilität auch im ÖPNV durchsetzen könne. Die Verkehrsbetriebe in Niebüll wären nicht die Ersten im Norden, die auf Strom statt Diesel setzen. So seien zum Beispiel in Pinneberg bereits elektrische Linienbusse erfolgreich im Einsatz. Das größte Hindernis für die Anschaffung der teuren Busse sieht Stephan Wiese aber noch immer in den Köpfen der Entscheidungsträger: „Viele Geschäftsführer sind einfach zu ängstlich.“

Bevor Fahrgäste in Niebüll täglich in lautlosen Linienbussen Platz nehmen können, wird es somit wohl noch etwas dauern. Anders ist dies auf den Straßen von Sylt – hier will man bei der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG) nach einem ähnlichen Testlauf in den kommenden Monaten über eine Anschaffung entscheiden.  

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