zur Navigation springen

Lautisten-Duo „SaitenWeise“ setzt klangvollen Abschluss der Sommerkonzerte in Neugalmsbüll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 30.Sep.2014 | 11:20 Uhr

Zum Abschluss der Sommerkonzerte 2014 der Kirchengemeinde Neugalmsbüll bot das Lautisten-Duo „SaitenWeise“ in der schmucken St. Gallus-Kirche einen Querschnitt durch die europäische Lautenmusik der Renaissance. Meisterhaft interpretiert wurden Werke berühmter Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts aus Deutschland, England, Frankreich und Spanien durch Gero Parmentier und Guido Wandrey auf Renaissance-Lauten, wobei Ersterer auf einem zehn-, Letzterer auf einem sechschörigen Instrument spielte. Als „Chöre“ bezeichnet man die Doppelsaiten, die gleichklingend oder im Abstand einer Oktave gestimmt sind.

Dem Charakter der Musik angepasste Texte trug in beeindruckender Weise Ulrike Wandrey in deutscher und französischer Sprache vor. Durch das Programm des Abschlusskonzertes führten die Musiker – sich einander abwechselnd – selbst. Es stand unter dem Generalthema: „Twenty ways upon the bells“ („20 Versuche, Glockenklänge zum Ausdruck zu bringen“), dem Titel einer lautmalerisch gestalteten Komposition des englischen Tonsetzers Thomas Robinson, von dem mehrere Konzertbeiträge stammten. Nach einem zarten Vorspiel, bestehend aus einem John Dowland zugeschriebenen Satz mit der Bezeichnung „A lesson for two lutes“, wurde allen Zuhörern klar, dass der Name der „Laute“ nicht auf deren Lautstärke zurückzuführen ist. Er leitet sich vielmehr, wie ihnen sodann mitgeteilt wurde, aus der Bezeichnung eines der Laute ähnlichen arabischen Instrumentes ab. Schon beim ersten Programmblock mit Werken der deutschen Komponisten Hans Neusidler („Praeambel“) und Hans Leo Hassler („Canon I“) ließen die Lautisten erkennen, dass sie virtuose Meister ihres Faches sind. Auch verstanden sie es aufzuzeigen, dass die Musik des Frühbarock und die des Jazz ein gemeinsames Prinzip der Interpretation aufweisen, das für harmonische Sicherheit und zugleich für viel Lebendigkeit aufgrund immer neuer Überraschungen bei der Führung der Melodien und deren Ausschmückungen sorgt: die freie Improvisation auf der Basis vereinbarter Grundakkorde. Dennoch räumten die Instrumentalisten ein: „Wir selbst improvisieren heute nicht, aber wir tun so als ob.“

Die Interpreten versäumten auch nicht, auf die Bauweise der Renaissance-Laute einzugehen, die zur Zeit ihrer Verbreitung „das stilbildende und beliebteste Musikinstrument“ gewesen sei. Auf ihr vorgetragene Kompositionen seien an allen europäischen Höfen geliebt und gepflegt worden. Besonders stark beeindruckten vier Sätze teils gesanglichen, teils tänzerischen Charakters aus Italien, verfasst von Francesco da Milano, der zu seiner Zeit aufgrund seiner als bezaubernd empfundener Werke als „göttlich“ verehrt wurde. Bei einem Abstecher nach Spanien griffen die Lautisten auf das Werk „Mille Regretz“ zurück, das ursprünglich für die gitarrenähnliche „Vihuela“ geschrieben wurden. Sie boten die Melodie als schlichtes Lied, als ausgeschmückte Komposition sowie als Satz aus einer Messe („Credo“) dar. Als Krönung der musikalischen Feinkost jedoch erwies sich die Komposition „My Lord Willoughby`swelcome home“ des englischen Tonsetzers John Dowland, mit der das reguläre Programm – vor einer erklatschen Zugabe – ausklang.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen