zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:53 Uhr

Launige Lesung mit französischem Flair

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 12:25 Uhr

Launig und voller Esprit: So haben die Literaturtage bei CPI Clausen und Bosse am Montagabend im Konferenzraum der Druckerei begonnen. Rainer Moritz bot seinem Publikum französisches Flair, verriet aber auch viel von sich selbst. So gab der Autor, Übersetzer und Leiter des Hamburger Literaturhauses etwa auf Nachfrage von CPI-Verkaufsleiter Olaf Klindt zu, seit Jahrzehnten keine Folge der Serie „Lindenstraße“ zu versäumen und sehr gerne Kalbsbries zu essen – das erinnere ihn so an seine Kindheit.

Ebenfalls Ursprung in der Jugend habe seine Vorliebe für französische Filme: „Du und deine Problem-Filme, haben meine Eltern immer immer zu mir gesagt“, berichtete Moritz dem Publikum. Nachhaltig beeindruckt habe ihn der Spielfilm „Ein Sonntag auf dem Lande“ von Bertrand Tavernier. So sehr, dass sich Rainer Moritz den gesamten Abspann ansah und den Titel des Romans notierte, auf dem der Film beruhte: „Monsieur Ladmiral va bientôt mourir“ („Monsieur Ladmiral wird bald sterben“) von Pierre Bost aus dem Jahre 1945.

Moritz hat den Roman nicht nur ins Deutsche übersetzt – 2013 wurde er veröffentlicht – sondern auch in seinen eigenen „Madame Cottard“-Geschichten Bezug darauf genommen. So erfuhren seine Zuhörer von Nathalie Cottard, die in Paris ihrem Nachbarn, einem deutschen Vertriebsleiter einer Korkenfabrik, näherkommt. Erst über einen Wasserschaden, dann über Schöngeistiges: Sie berichtet ihm begeistert über einen Film, den er darauf bis zum Abspann ansieht, den Roman kauft und als Geschenk in ihrer Wäsche versteckt.

Passagen aus dem Kern der Lesung, dem Roman von Pierre Bost, gab es natürlich auch zu hören, über die Familienbande des Malers Monsieur Ladmiral, dessen Haus acht Minuten vom Bahnhof entfernt liegt – theoretisch: „Später lag das Haus, je älter Monsieur Ladmiral wurde, zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, dann eine gute Viertelstunde.“ Dass das an ihm liegen könnte, gibt der Alternde nicht zu, behauptet lieber, die Bahnhofsuhr gehe falsch oder der Fahrplan sei heimlich geändert worden.

Zeit spielt auch in Moritz’ neuem Werk „Wer hat den schlechtesten Sex“ eine Rolle, wie er verriet, nämlich die Wandlung der Darstellung der Sexszenen in der Literatur: Früher habe es geheißen „Das Licht ging aus“, um dann mit „Am nächsten Morgen  ...“ weiterzugehen, was sich in Zeiten von „50 Shades of Grey“ eindeutig geändert habe.


Die Reihe „Literatur erleben“ in Zusammenarbeit mit der Nordsee Akademie, der Bücherei Leck und der Buchhandlung Brendel ging gestern mit Bestsellerautorin Gaby Hauptmann und ihrem Roman „Liebling kommst du?“ weiter (Bericht folgt), heute Abend liest ab 19 Uhr Kirstin Warschau aus „Kanalfeuer“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen