zur Navigation springen

Last-Minute-Bewerber für Landratswahl: Unverständnis über "taktischen Winkelzug"

vom

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Nordfriesland | Auf Unverständnis und Kritik stößt das Vorgehen der Kreistags-Mehrheit von CDU, Grünen und FDP im Vorfeld der Landratswahl am 23. August. Zwei Wochen vor dem Termin und abseits der Ausschreibung hatte das Mehrheits-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP angekündigt, mit dem 44-jährigen Hamburger Unternehmensberater Dirk Sommer einen Bewerber gegen Amtsinhaber Dieter Harrsen ins Rennen zu schicken (wir berichteten). Dessen erneute Kandidatur wird von SPD, SSW und Wählergemeinschaft (WG-NF) unterstützt.

Gerade einmal drei Tage vor dem vereinbarten Antragsschluss habe die Jamaika-Koalition ihre "verzweifelte Suche beendet und einen Kandidaten aus dem Hut gezaubert", so SPD-Fraktions-Chef Thomas Nissen. "Dieses Verfahren bestätigt, dass es der CDU von Beginn an nur darum ging, nahezu um jeden Preis Dieter Harrsen zu stürzen", betonte der Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Kreisparteiausschusses, Matthias Ilgen. Aus taktischen Gründen habe man vor der Kreistagswahl die Wähler mit Erklärungen beschwichtigt, dass es sich um eine Pflicht handelt, Alternativen zu prüfen, aber der Amtsinhaber gute Chancen auf Unterstützung hätte. Ilgen: "Damit wird klar, dass man die Wähler getäuscht hat. Wir zweifeln stark an, dass Jamaika mit der Ablösung des bodenständigen und bewährten Landrates Dieter Harrsen durch diesen Last-Minute-Kandidaten die bestmögliche, abgewogene Entscheidung trifft."

Spannend bleibt für Fraktions-Geschäftsführer Carsten F. Sörensen nun die Frage, wie sich CDU-Abgeordnete verhalten werden, die vor der Kreistagswahl in ihren Wahlkreisen versprochen hätten, auf jeden Fall Dieter Harrsen zu unterstützen. Und an die Adresse der Piratenpratei, des sen Abgeordneter sich der Grünen-Fraktion angeschlossen hat: "Die Piraten, die sonst gegen einen Fraktionszwang sind, sollten ihre Basis befragen, ob sie als Steigbügelhalter für die Abwahl von Dieter Harrsen herhalten wollen."

"Zwei Wochen vor der Wahl des Landrats noch einen den übrigen Fraktionen bis dato völlig unbekannten Kandidaten gegen unseren amtierenden und 2007 in direkter Wahl von den nordfriesischen Bürgern gewählten Landrat Dieter Harrsen aus dem Hut zu zaubern, ist ein taktischer Winkelzug", kritisiert der SSW-Fraktionsvorsitzende Ulrich Stellfeld-Petersen. Verwunderlich sei, warum sich der Jamaika-Kandidat nicht, wie alle anderen auch, auf die bundesweite Ausschreibung hin beworben habe. Nach erster Einsicht der Unterlagen steht für den SSW fest, dass er an seinem Kandidaten Dieter Harrsen festhält, "weil er der Landrat ist, den nicht nur wir, sondern auch die Mehrheit der nordfriesischen Bürger will, und er bereits gezeigt hat, dass er der ideale Mann auf diesem Posten ist", stellt Fraktions-Geschäftsführer Gary Funck klar. "Harrsens Bodenständigkeit und Beharrlichkeit sowie die Tatsache, dass er Nordfriesland zu einem der führenden Kreise im Land gemacht hat, zählt", sagt Susanne Rignanese, stellvertretende SSW-Fraktionsvorsitzende. "Kontinuität ist angesagt und nicht parteipolitische Machtfragen im Rahmen von Kommunalpolitik", betont Stellfeld-Petersen.

Als "äußerst zweifelhaft", empfindet Jürgen Jungclaus, Fraktions-Chef der WG-NF, das Jamaika-Vorgehen. Landrat Harrsen habe gute und erfolgreiche Arbeit geleistet und verdient, dass anders mit ihm umgegangen wird. Eventuelle Differenzen oder fachliche Dinge hätte man vorher ansprechen können und müssen. "So ist das schlechter Stil", sagte Jungclaus an die Adresse von CDU, Grünen und Liberalen.

Kein Bürger habe Verständnis dafür, wenn Jamaika das Muskelspiel auf die Spitze treibe. "Ich finde das ein bisschen verantwortungslos", so Jungclaus. Das beschädige die Person Harrsen und auch das Amt. Nach Überzeugung der Unabhängigen sollte dieser die Chance erhalten, die begonnene Reformarbeit fortzusetzen. Jungclaus: "Wir hoffen, dass Jamaika seine Abgeordneten frei entscheiden lässt und nicht der Fraktionszwang zum Tragen kommt."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen