Langenberger Forst: Waldstreifen vernichtet

Nur ein Teil des Schadens: Förster Jörn Frank zeigt die Baumstämme vom zerstörten Waldstück  Enger-Heide.
Foto:
Nur ein Teil des Schadens: Förster Jörn Frank zeigt die Baumstämme vom zerstörten Waldstück Enger-Heide.

Rund 150 Hektar Kahlflächen richtete das Orkantief „Christian“ im Langenberger Forst an / Aufräumarbeiten dauern an

shz.de von
14. November 2013, 00:34 Uhr

Der Petersburger Weg ist einer der ersten Pfade im Langenberger Forst gewesen, der nach dem Orkantief Christian wieder frei geräumt worden ist. An diesem Nachmittag muss Förster Jörn Frank hier aber wieder stoppen: Ein dicker Ast prallt auf den Weg und versperrt seine Weiterfahrt. „Man muss immer noch mit abbrechenden Ästen rechnen. Überall lauern Gefahren“, warnt er vor einem Spaziergang im Wald.

Der Langenberger Forst mit seinen 1000 Hektar ist das größte zusammenhängende Waldgebiet im Landesteil Schleswig. Das Orkantief vor über zwei Wochen hat hier besonders gewütet: Rund 150 Hektar Kahlflächen hat der Sturm im Bereich der Försterei Langenberg geschaffen. Der Förster schätzt den Schaden grob auf 20 000 Festmeter Holz, das entspricht dem Acht- bis Zehnfachen der Holzmenge, die ansonsten jährlich eingeschlagen wird. Besonders betroffen in dem Mischwald sind Eichen, die zum Teil noch ihr Laub hatten, sowie Nadelhölzer, die ihren „Kopf“ über das Kronendach herausgestreckt hatten. „Es gibt keine Ecke, die nicht betroffen ist“, resümiert Jörn Frank. Richtige Löcher seien entstanden, Schneisen über zehn Hektar lichten den Wald, in Enger-Heide wurde ein ganzer Waldstreifen vernichtet.

Das Betretungsverbot für die landesweiten Wälder hat das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor sechs Tagen aufgehoben mit der Einschränkung, dass Wege, in denen gearbeitet wird, zu meiden sind. „Das ist gut so, aber trotzdem muss man auf der Hut sein“, mahnt der Förster. Viele Äste hängen „an einem seidenen Faden“, sie drohen herunter zu fallen. Die große Frage bleibt „Wann?“. Ein kleiner Ast, der aus beispielsweise 20 bis 30 Metern Höhe niederstürzt, kann tödlich sein. Auch stehende Bäume, die von der Wurzel im Boden losgerissen sind, bedeuten eine große Gefahr: „Beim nächsten Windhauch kippen die um.“ Ein Problem bedeuten zudem die umgestürzten Bäume, die unter Spannung stehen und mitsamt ihrer Wurzelteller zurückschnellen können. Jörn Frank appelliert an die Vernunft der Spaziergänger: „Lasst die Kinder nicht klettern und herumtoben, bis die Gefahrenquellen beseitigt sind.“

Die Aufräumarbeiten dauern an, mit Beeinträchtigungen für den Erholungssuchenden ist bis ins späte Frühjahr zu rechnen. Fünf Mitarbeiter der Mobilen Forstwirtgruppe sind unermüdlich bei jedem Wetter im Einsatz, dazu Holzerntemaschinen. Solch eine Harvester leistet ganze Arbeit: Sie packt die umgestürzten Baumriesen an, als seien es Schaschlik-Spieße. Das Entästen und Portionieren des Stammes auf handlichere Längen dauert nur wenige Augenblicke. 200 bis 400 Festmeter Holz schafft eine Maschine am Tag. Übrigens: Der Holzpreis (50/60 Euro pro Festmeter) wird nicht billiger. „Die Kollegen im Süden schlagen nun weniger Holz, außerdem ist der Holzmarkt global“, erklärt Jörn Frank.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen