Landrat unterstützt innovative Ideen

Landrat Dieter Harrsen
Landrat Dieter Harrsen

Im Interview äußert sich Dieter Harrsen zur Finanzamt-Standortentscheidung und deutet an, dass andere Behörden in Leck Platz finden könnten

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20. Januar 2015, 05:00 Uhr

Beim Lecker Neujahrsempfang waren Sie der Überraschungsgast und hatten in Ihren Grußworten erneut den Abzug des Finanzamts thematisiert, der Gemeinde Mut gemacht und ihr die Hilfe des Kreises zugesichert. Weil Leck das bitter nötig hat?
Dieter Harrsen: Weil die Gemeinde Unterstützung verdient. Nehmen Sie zum Beispiel den ehemaligen Flugplatz: Ich stelle fest, dass von den Leckern sehr viele Ideen auf den Weg gebracht werden. Wir werden dabei mithelfen, dass die besten Ideen auch umgesetzt werden. Wichtig ist ebenfalls, dass Lecks Infrastruktur attraktiv bleibt. Dazu tragen auch Projekte aus dem Umland wie der Ladelunder Bürgerbus bei. Alles, was Bürger in die Gemeinde zieht, hilft.

Trotzdem läuft es derzeit noch nicht rund. Das Finanzamt zieht aufgrund der Behördenstrukturreform der Steuerverwaltung ab 2019 weg.

Was aber nicht – wie es kürzlich hieß – die von mir geleitete Arbeitsgruppe entschieden hat. Vertreter des Finanzministeriums, des Finanzamts Nordfriesland und des Kreises haben zunächst gemeinsam Bewertungskriterien für die Standortwahl erarbeitet und danach bis Dezember 2013 zwölf Standorte geprüft. In der Gesamtbewertung haben sich dann vier Standortvarianten ergeben, die sich von den übrigen abhoben und nach der Bewertung relativ eng beieinander lagen, sodass sie uns als vergleichbar geeignet erschienen.


Noch einmal zur Erinnerung: Welche vier Varianten waren das?
Eine Zwei-Standorte-Variante Husum/Leck mit dem Schwerpunkt der Unterbringung in Husum sowie eine alleinige Konzentration jeweils auf die Standorte Husum, Bredstedt oder Leck. Die letzte Variante sah eine Unterbringung des Finanzamts in der Peter-Ox-Straße/Marktstraße vor. Dazu hätte das bisherige Rathaus mit dem Hauptfinanzamtgebäude in Leck tauschen müssen. Unmittelbar am Rathaus, in dem dann 80 Beschäftigte aus dem Finanzamt arbeiten sollten, wäre ein Anbau für weitere rund 170 Personen entstanden.

Schön wäre es gewesen.

Alle Varianten hatten ihre Vor- und Nachteile.

Welche Kriterien standen denn konkret im Mittelpunkt?
Unter anderem haben wir uns die Frage gestellt, welche Lösungen die Verwaltungsabläufe optimieren. Dabei schnitt eine Ein-Dach-Lage natürlich besser ab als eine Verteilung über viele Standorte. Diesen Aspekt bewerteten wir mit einer Relevanz von 25 Prozent. Auch betriebswirtschaftliche Faktoren haben wir geprüft. Kostenersparnisse wurden dabei stärker gewichtet als die Erreichbarkeit des Finanzamts und die räumliche Nähe zu anderen Behörden. In Zeiten des Internets verlieren solche Faktoren an Bedeutung. Die Mitarbeiterzufriedenheit oder Gewinnung von Nachwuchskräften wurde mit zehn Prozent bewertet. Und so haben wir jeden einzelnen Bewerber durchkalkuliert.

Sie haben also die Daten und Fakten zusammengetragen, damit das Land sich dann entscheiden kann.
Genau, und zwar mit Blick auf regionalwirtschaftliche Aspekte. Diese haben wir ganz bewusst nicht bewertet, das wollte das Land selbst machen. Dass es sich wirklich intensiv damit beschäftigt hätte, kann ich allerdings nicht erkennen.

Hätte also Leck den Zuschlag bekommen müssen?
Das will ich nicht sagen. Ich hätte mir aber gewünscht, dass das Land mehr auf die Gemeinden zugekommen wäre.

Diese Schlacht scheint für Leck dennoch verloren. Sie sagten beim Neujahrsempfang auch, dass Sie sich vorstellen könnten, dass dafür andere Behörden nach Leck kommen könnten. Welche denn?
Sie werden verstehen, dass ich dazu noch nichts sagen möchte, um nicht für Verunsicherung zu sorgen.

Denn es muss irgendwo etwas abgezogen werden, damit woanders etwas hinkommen soll.
Ja, aber konkreter will ich jetzt noch nicht werden.

Hat Leck also wieder eine Zukunft?
Daran zweifel ich keine Sekunde. Wichtig ist, dass alle Gemeinden im ländlichen Raum, nicht nur Leck und Umgebung, sich intensiv um eine Kooperation bemühen. Nur so können sie ihre Attraktivität als Wohn- und Gewerbestandorte in Zukunft sichern, wenn die Auswirkungen des demografischen Wandels immer sichtbarer werden.

Haben Sie je bereut, dass Sie die Arbeitsgruppe zum Finanzamtstandort geleitet hatten?
Nein. Diese Arbeitsgruppe steht für mich in der jahrhundertelangen Tradition Nordfrieslands, unsere eigenen Angelegenheiten möglichst weitgehend selbst zu verwalten. Dass aber die letztendliche Entscheidung in Kiel gefallen ist, finde ich trotzdem richtig, wenngleich ich leider nicht erkennen kann, dass die regionalwirtschaftlichen Aspekte ausreichend diskutiert wurden.
 

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