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Grenzenlos : Kuriose Funde als Ausstellungsobjekte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Geplant: Schau mit Schätzen, die zwischen Buchseiten steckten / „Bücher ohne Grenzen“ hält Last-Minute-Geschenke für Literaturfreunde parat

Im Eingang von Bücher Ohne Grenzen (B.O.G.) in Ladelund steht ein freundlicher Herr und bittet Interessierte herein. Klaus Meyer-Lovis, pensionierter Lehrer aus Neukirchen, ist einer der 65 Ehrenamtler, die das Antiquariat betreuen. „Aus Liebe zum Buch, zur Literatur“, bekennt er. Aber auch sonst voller Tatkraft: „Ich habe auch Regale gebaut, was ursprünglich nicht meine Absicht war.“

Den Verein B.O.G gibt es seit 2005 und hat mit Ladelund und Tondern zwei Standorte. Rund 30  000 Bücher befinden sich in den großzügigen Räumlichkeiten in einem ehemaligen Lokal in der Dorfstraße – auch Videos, CDs und DVDs gehören zum Angebot. Alles ist perfekt sortiert, übersichtlich angeordnet.

Der Besucher kann hier in Ruhe stöbern und suchen – und bekommt natürlich professionelle Hilfe. „In der Weihnachtszeit haben wir den entsprechenden Themen-Tisch aufgebaut“, erklärt Gyde Köster, Vorsitzende des Fördervereins. Sie und ihr Mann Jens waren einst Buchhändler und wissen, was sie tun. Kinderbücher zum Anschauen, Weihnachtsgeschichten oder noch unbekannte Anekdoten-Bände – der Leser hat die ideale Auswahl. „Weihnachtszeit ist stimmungsvolle (Vor)Lesezeit“, sagt Gyde Köster. Doch nicht nur weihnachtliche Bücher dürften die Neugier der Besucher anstacheln, denn die Auswahl ist geradezu überwältigend.

„Da darf sich jeder ruhig mal ein wenig umschauen“, rät Jens Köster. Und das ist ein Erlebnis für sich: Dort ein Charles Bukowski, da ein Hellmuth Karasek, Karl Jaspers oder Horst Eberhard Richter. Krimis, Kunstbände oder Reiseführer – ein Sylt-Bildband von Hans Jessel in der sehr beliebten Heimat-Ecke. Es sind natürlich nicht immer die neuesten Bücher, aber sie sind gut erhalten – und so versteht sich der Verein auch nicht als Konkurrenz zum örtlichen Buchhandel, sondern allenfalls als Ergänzung.

Wer ein spezielles Weihnachtsgeschenk braucht, kann fündig werden. Denn Kuriositäten gibt es: zum Beispiel Platten von Gary Glitter oder Graham Bonney. Edle Insel-Bändchen gelten bei Sammlern als sehr begehrenswert. „Ein Insel-Bücher-Fan ruft des öfteren aus Kiel an“, sagt Klaus MeyerLovis. „Wir haben viele Stammkunden.“ Der Besuch lohnt sich: Eine Pastorin aus Dänemark fand die lang gesuchten theologischen Bände – auf Dänisch. Ein wenig in die Ecke gedrängt ist die Erotik-Abteilung.

Wer selbst Bücher abgeben möchte, sollte vorher sortieren: Ein bis zwei Bananenkartons werden im Laden angenommen, ansonsten werden Hausbesuche verabredet. „Manche verwechseln uns mit einem Entrümpelungsunternehmen“, so Gyde Köster, „da müssen wir auch schon einmal energisch werden.“

Das engagierte Trio blickt bereits ins kommende Jahr. Am 21. Januar ist Jahreshauptversammlung. Jens Köster hat zudem etwas Besonderes vor. „Ich möchte eine Ausstellung aus Fundsachen machen.“ Er blättert seine Schätze auf den Tisch: Mitteilungen aus dem Krieg, Notgeld, private Notizen, uralte Postkarten – ein fabelhaftes Sammelsurium an persönlichen Dingen, die die Besitzer der Bücher als Lesezeichen benutzten und einfach vergessen haben. „Häufig aber sind es gepresste Pflanzen, die zwischen den Seiten auftauchen.“ Die Ausstellung ist für das Frühjahr geplant.

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