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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 08:19 Uhr

Kunst mit Blick auf die Reformation

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine neue Ausstellung im Richard Haizmann Museum „Glaube. Orte. Kunst“ zeigt den Einfluss der Reformation auf die Kunst der Moderne

Das Richard Haizmann Museum lud zu einer besonderen Vernissage. „Glaube. Orte. Kunst“ eröffnete mit einem Gespräch zwischen Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk und Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal. Eine Ausstellung, die an 500 Jahre Reformation anschließt und länderübergreifend ist. Elf Kirchengemeinden auf deutsch-dänischer Seite sind daran beteiligt, jetzt kommt das Niebüller Museum mit moderner Kunst dazu. „Das Richard Haizmann Museum will den Einfluss der Reformation auf die Kunst der Moderne in Schleswig-Holstein zeigen“, so Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal. Zu sehen sind in Niebüll sehr unterschiedliche Arbeiten. „Ich habe Skulpturen und Installationen dazugestellt, um die Ansichten zu erweitern.“

Die Künstler Jacob Alberts, Hans Peter Feddersen, Emil Nolde, Richard Haizmann, Max H. Mahlmann, Rolf Rose, Andreas Brandt, Ekkehard Thieme, Ulrich Behl, Peter Nagel, Raffael Rheinsberg, Elsbeth Arlt, Regine Bonke, Anja Pletowski und René Schoemakers lassen offene Interpretationsräume für ihre eigene Arbeit und der Reformation als einem tiefgreifenden kulturellen Einbruch entstehen.

Wieder einmal ist die eigene Beobachtung gefragt. So gibt es im „Reformationsraum“ eingeweckte Bodenproben aus Eiderstedt als Sinnbild für die „Mutter Erde“. Raffael Rheinsberg reflektiert hier auf den Reliquienkult des Mittelalters.

Richard Haizmann setzt da klare Gegenakzente mit seinen sehr religiösen Sakralarbeiten. „Der Auferstandene kommt als Kreuz daher. Schlicht, aber eindeutig. Auch Andreas Brandts reduzierte Werke sind eine Herausforderung für den Betrachter, der den Bezug erkennen will. Hier sieht Haupenthal eine „ästhetische Katharsis in reformatorischer Tradition“. Zu gewagt, diese These? Es geht auch einfacher: Regine Bonke hat ein schlichtes, fluoriszierendes Kreuz in den Boden eingelassen. Gleich gegenüber will Ulrich Behl das „Licht sichtbar machen“. Nachdenken ist angesagt. Dem gegenüber steht die legendäre „Beichte auf Hallig Oland“, die nüchtern wiedergibt, wie ein protestantischer Gottesdienst aussieht. Bilder, Objekte und Skulpturen voller Gegensätze.

In seiner Rede beschrieb der Kunsthistoriker den historischen Hintergrund. „Misstrauen gegenüber der mit dem Vorwurf der Götzenanbetung konfrontierten Bildmächtigkeit breitete sich aus, gerade zu einer Zeit, als die neu aufkommende illusionistische Wiedergabe der äußeren Wirklichkeit in der Renaissance allenthalben Bewunderung auslöste. Eine Gegenbewegung, die nicht nur die geltende Ästhetik aus den Angeln hob, sondern deren rezeptive Vorzeichen schlichtweg verkehrte“, stellt Uwe Haupenthal fest. Luther habe die Gläubigen von Dogmen und Unterweisung befreit. Den Einfluss der Religion will Haupenthal nicht überschätzt wissen. „Die Kunst der Moderne verbindet ungezählte Einflüsse, und religiöse Fragen haben heute allenthalben einen geringen Stellenwert. Gleichwohl ähneln der Protestantismus wie der Katholizismus gleichermaßen einem Brennglas, in dem Traditionen nicht nur gebrochen, sondern vor allem auch neu verknüpft, gedeutet und interpretiert werden.“ Dem Museumsdirektor fällt jedoch der Purismus der Werke auf. Dies gelte für den Konstruktivismus und die konkrete Kunst wie für die Objektkunst.

Dr. Uwe Haupenthal dankte dem für Flensburger Schau und den Katalog hauptverantwortlichen Ausstellungsmacher Dr. Michael Fuhr, Leiter vom Flensburger Museumsberg, Dr. Karin Tuxhorn vom Verein der Freunde des Richard Haizmann Museums und einem privaten Sponsor für die Unterstützung. Ein Dank ging auch an die anwesenden Künstler Regine Bohnke, Rolf Rose, René Schoemakers und Ulrich Behl sowie an die Mitarbeiter des Hauses. Die vielen Kunstfreunde genossen die Möglichkeit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren. Karin Tuxhorn fasste es zusammen: „Eine wunderbare Idee, eine Ausstellung zum Lutherjahr beziehungsweise zum 500-jährigen Reformationajubiläum grenzüberschreitend und in dieser Vielfalt zu organisieren. Der Zusammenhang Kunst und Kirche wird zur zentralen Frage und wie schön, dass das Richard Haizmann Museum mit der aktuellen Kunst unserer Zeit vertreten ist.“

Die Ausstellung ist vom 9. Juli bis 3. September zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Freitag von 11 bis 16.30 Uhr, sonnabends von 11 bis 13 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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erstellt am 10.Jul.2017 | 16:24 Uhr

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