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Vergessene Orte : Künstlerisches mit Geschichte – eine Spurensuche

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Kunst am Bau: An öffentlichen Gebäuden in Südtondern finden sich immer noch Werke bekannter und schon vergessener Künstler.

Schon vor Jahrzehnten erfolgte Anweisung, den Bau öffentlicher Gebäude mit der Schaffung von Kunstwerken zu verbinden. Deren Kosten sollten einen prozentual genau festgelegten Mindestanteil der Baukosten umfassen. Viele Spuren hinterlassen hat diese Maßnahme besonders im Bereich der Schulgebäude und Gedenkstätten des heutigen Amtes Südtondern. Deren Hintergrund und Bedeutung sind in der Bevölkerung jedoch weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Zum Beispiel an der Ostwand der Grundschule Enge-Sande, die heute der „Grundschule an der Linde Leck“ als Tochterschule angegliedert ist, prangt seit 1966 das farbenfrohe Mosaik, das der Künstler Gerhard Bettermann aus Karby zum Preis von 7500 DM schuf. Es zeigt vier Schwäne in einem Ring. Sie symbolisieren den im Jahre 1961 erfolgten Zusammenschluss der einstigen einklassigen Dorfschulen Sande, Enge, Schardebüll und Soholm zu einem Schulverband. Anspielend auf die erhebliche finanzielle Belastung der Dörfer durch den Schulneubau scherzten Zeitgenossen: „Der Schwan in der Mitte stellt die Gemeinde Enge dar, denn der lässt die Flügel hängen.“

Wer von der Lecker „Dünenstraße“ aus auf den im Jahre 1962 eingeweihten Erweiterungsbau der einstigen „Volksschule mit Aufbauzug Leck“ (der heutigen Grundschule an der Linde Leck/Enge-Sande“) schaut, der erblickt das großformatige Wandmosaik „Fischer mit Netz“, das die renommierte Kieler Künstlerin Illa Blaue im Jahre 1964 mit farbenprächtigem Material zum Preis von 6200 DM gestaltete. Das Motiv des Werkes erinnert an die biblische Geschichte von „Petri Fischzug“, soll aber lediglich die Geschichte Lecks als früheren Fischereihafen ins Gedächtnis rufen.

An die im Mai 1964 erfolgte Einweihung der „Dörfergemeinschaftsschule Emmelsbüll-Horsbüll-Marienkoog“ erinnert ein vor dem Gebäude aufgestellter Reiher, von dem nur noch bekannt ist, dass er von einem Kunstprofessor namens Kühne geschaffen wurde.

Als im Jahre 1968 der Unterrichtstrakt der damaligen „Grund- und Hauptschule mit Aufbauzug Ladelund“ (heute: „Grundschule Ladelund/Achtrup“) errichtet wurde, um den Schulaltbau für die Nutzung durch den örtlichen Kindergarten herzurichten, glaubte der Schulverband, „einen neuen pädagogischen Brunnquell erschlossen“ zu haben. Deshalb beauftragte er den Flensburger Künstler H. Sörensen, ein zu diesem Gedanken passendes Kunstwerk zu schaffen. Dieser stellte daraufhin auf dem Schulhof einen Trinkbrunnen in Verbindung mit einer Plastik auf, die diverse Fischmotive aufwies. Von dem Gesamtwerk existiert heute nur noch der – außer Betrieb befindliche – Brunnen. Nach Fertigstellung der Ladelunder Sporthalle im Jahre 1975 wurde an deren östlicher Außenwand die Steinplastik „Klettermaxe“ aufgestellt. Dabei handelte es sich um die verkleinerte Kopie eines gleichnamigen Werkes der Westerländer Künstlerin Ursula Hensel-Krüger, das andernorts bereits vorhanden war. Der thematische Bezug der Plastik zum Gebäude, vor dem sie steht, versteht sich von selbst. Als im Jahre 1989 der Unterrichtstrakt der Ladelunder Schule modernisiert und räumlich erweitert wurde, erstand der Schulverband als „Kunst am Bau“ die von der international renommierten, in den Niederlanden geborenen und einige Jahre in Ladelund ansässig gewesenen Steinhauerin Maria Huls deren Wandrelief „Bewegungen“, ein von Kunstexperten hoch geschätztes Gebilde. Von derselben Künstlerin stammt die im Jahre 1989 entstandene Marmorplastik „Hand der Versöhnung“, die anlässlich der Erweiterung des Dokumentenhauses der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund im Jahre 2006 in der Eingangshalle aufgestellt wurde, während der Vorplatz des Gebäudes durch die Plastik „Begegnung“, ein aussagekräftiges Werk des Glücksburger Kunstschaffenden Siegbert Amler, eine künstlerische Aufwertung erfuhr.



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erstellt am 07.Aug.2014 | 16:23 Uhr

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