Erstaunlich : Kühne Stunts und Monster-Show

Mobile Schrottpressen: Die Monstertrucks donnerten erst ganz zum Schluss über den Platz.
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Mobile Schrottpressen: Die Monstertrucks donnerten erst ganz zum Schluss über den Platz.

Die Artisten gaben buchstäblich Gummi: Rund 450 Besucher staunten in Leck über waghalsige Showeinlagen und gigantische PS-Protze.

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22. Juli 2014, 05:45 Uhr

„Waaaahnsinn!“, ruft Manager Willi von Gathen immer wieder ins Mikrofon. Keine Frage – er lässt nichts unversucht, um die Begeisterung für seine Artistik- Stunt-Truppe „Aranis Klaas“ anzuheizen. Reifen quietschen und hinterlassen schwarzen Gummi-Abrieb auf dem Asphalt, Motoren heulen, Musik wummert über den abgesperrten Teil des Famila-Platzes in Leck. Laut Veranstalter rund 450 Besucher versuchen, den besten Blick auf die Show zu erlangen, damit ihnen keines der kühnen Kunststücke entgeht.

Die Stuntmen-Familie ist aus Heinsdorf an der holländischen Grenze nach Leck gekommen. Seine Jungs hätten auch bei Stunts für TV-Serien wie Alarm für Cobra 11 mitgewirkt, berichtet der Manager. In Leck durchfahren sie Feuerwände, springen mit Cross-Maschinen über bis zu sieben Pkw in Reihe und bringen Autos in die nicht ganz so stabile Seitenlage. „Diese Fahrtechnik eignet sich besonders gut für Staus aller Art“, witzelt Sprecher von der Gathen, während zwei silberne BMW je auf zwei Reifen Stoßstange an Stoßstange über das Feld fahren.

„Jetzt brauchen wir sechs mutige Damen aus dem Publikum. Trauen Sie sich, meine Damen, die Jungs bezahlen im Fall der Fälle auch den Kranz“, schallt es über den Platz. Es finden sich sogar sieben Zuschauerinnen, die zu den Stuntmen in die Autos klettern, die mit ihrer Fracht wilde Wendemanöver fahren, bevor sie die Wagen an einer Rampe in Schräglage abheben lassen. Fröhlich steigen die Damen später aus. „Halt! Junge Dame, es ist etwas im Auto liegengeblieben“, ruft der Moderator einer Stunt-Mitfahrerin zu, als sie schon fast wieder hinter dem Absperrgitter ist. Mit Unschuldsmiene hält einer der PS-Akrobaten einen überdimensionalen BH in die Luft, die Angesprochene lacht, das restliche Publikum auch.

Der jüngste PS-Akrobat ist der elfjährige Julian. Mit einer giftgrünen Motorcross-Maschine fetzt der Nachwuchs über das Feld, lenkt sein Fahrzeug von einer Absprungrampe direkt durch einen brennenden Reifen. „Auch mit Feuer!“, stößt eine Mutter beinahe atemlos hervor und zieht ihren eigenen Sproß an sich, während von der Gathen nicht müde wird zu betonen, dass Sicherheit über alles gehe.

Dann taucht Stunt-Nachwuchs Julian mit einem Gefährt auf, das einer Mischung aus Quad und Rhönrad gleicht und sich offensichtlich für Überschläge eignet. „Das ist das Ergebnis eines Nachmittags mit etwas Langeweile und Schweißarbeit“, erläutert der Manager-Moderator dem Publikum, während Julian mit der Quadkonstruktion über das Stuntfeld kugelt. „Ich hatte schon die Befürchtung, mein Sohn sagt: ,Das will ich auch mit meinem machen. Wir haben nämlich auch ein Quad, und ein Schweißgerät ebenfalls“, berichtet Claudia Cyrus-Jensen aus Bosbüll in der Showpause. Aber der fünfjährige Nis-Titzian habe keinen Wunsch in diese Richtung geäußert. Staunend nimmt er in einem riesigen Reifen eines Monstertrucks Platz und lässt sich fotografieren.

„Mir gefällt besonders, dass die Jungs nur spielen wollen, dass sie das Ganze nicht so verbissen sehen und man ihnen den Spaß anmerkt“, sagt Besucherin Birgit Cordsen aus Leck über die Stuntshow. „Was hier so spielerisch und locker aussieht, ist das Ergebnis langen Trainings“, erläutert Willi von der Gathen später, als hätte er es gehört. Und dann übernehmen die Monstertrucks das Feld. Ihre 800-PS-Motoren donnern so laut, dass diejenigen, die an Gehörschutz gedacht haben, gut lachen haben. Die PS-Protze fahren sich warm, überrollen mehrere Male vier Schrottautos, die platter und platter werden. „Ein letztes Lebenszeichen“, kommentiert der Sprecher ein anhaltendes Hupen aus einem der Blechfladen.

Dann ist die Show vorbei, Erinnerungsfotos werden geknipst oder Poster gekauft, deren Erlös laut Veranstalter in einen Fonds für in Not geratene Akrobaten fließt. Anderthalb Stunden dauere der Aufbau etwa, der Abbau länger, erläutert von der Gathen. „Wir müssen alles entfernen und jeden Fitzel sauber machen – wir wollen ja auch wiederkommen.“

Von Leck geht es für Truppe weiter nach Dänemark. „Wir sind in ganz Europa unterwegs. Nirgendwo sind die Auflagen so hoch wie in Deutschland. Das ist schwer für Künstler wie uns. In fünf, sechs Jahren wird es vermutlich Shows dieser Art in Deutschland nicht mehr geben“, sagt der Manager.

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