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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:51 Uhr

Krimi-Autorin mit Forschergeist

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Tod im Biike-Feuer“ heißt der neue Roman der Schriftstellerin Kari Köster-Lösche aus Süderlügum / Recherche ist Familiensache

von
erstellt am 10.Apr.2015 | 19:39 Uhr

Im Büro, in der Bibliothek, sogar auf Regalen unter der Decke im Flur – wer Kari Köster-Lösche in ihrem historischen Friesenhaus in Süderlügum besucht, erkennt sofort: Hier leben Menschen, die Literatur lieben. „Es werden wohl mehrere tausend Bücher sein“, sagt Kari Köster-Lösche. Die Tierärztin und promovierte Bakteriologin liest nicht nur gern, sondern schreibt auch selbst – und das sehr erfolgreich: Mehr als 40 Werke hat sie veröffentlicht. Mit ihren historischen Romanen sowie Sachbüchern hat sie sich als Autorin weit über die Grenzen Nordfrieslands hinaus einen Namen gemacht. Ihre Bücher wurden unter anderem ins Spanische, Französische, Russische und Japanische übersetzt.

Ihr neustes Werk heißt „Tod im Biikefeuer“, der historische Krimi spielt im Jahr 1900 auf der Hallig Langeneß. Es ermittelt wieder Wasserbauinspektor Sönke Hansen, dessen Frau Jorke eine grausige Entdeckung macht: „Auf einmal packte Jorke seinen Arm. ,Sieh mal‘, flüsterte sie. „Eine Hand im Feuer.‘ (...) ,Himmel noch mal!‘, fluchte er. ,Eine Leiche in der Biike! Das hat uns gerade noch gefehlt!‘“ Kari Köster-Lösche lebt abwechselnd in Süderlügum und auf Langeneß. „Beim Biikebrennen auf der Hallig kam mir die Idee, dass man so gut eine Leiche verstecken könnte.“

Bei der Auflösung des kniffligen Falls, der viel Politisches aus dieser Zeit widerspiegelt, bekommt Hansen unverhofft Hilfe auf vier Beinen: „Ein Husumer Protestschwein spielt eine tragende Rolle“, verrät Kari-Köster Lösche. Intelligent, aufrichtig, gerechtigkeitsliebend und „einfach ein netter Mensch“ – so beschreibt die Schriftstellerin ihren nordfriesischen Ermittler Sönke Hansen. Mit ihren Romanfiguren echte Personen zu beschreiben, kommt für sie nicht infrage: „ Es wird sich nie jemand wiedererkennen. Ich mische Charakterzüge so, dass ein Friese dabei herauskommt.“

Ob Wikinger-Krimis, eine Trilogie über Raubritterrinnen oder eben historische Nordfriesland-Romane: Wichtig ist der Wissenschaftlerin stets eine fundierte und akribische Vorarbeit. Für einige Bücher habe sie vier bis fünf Monate allein auf die Recherche verwendet. Menschen, Namen, Orte, Pflanzen, Tiere – alles muss so authentisch wie möglich sein und in die Zeit passen. Sich mit ihren Büchern auf Gebiete zu begeben, in denen sie sich nicht auskennt – für die Schriftstellerin undenkbar. Stattdessen durchkämmt sie Bücher und Archive, „auch das Internet erleichtert vieles“.

Reisen gehören für Kari Köster-Lösche ebenso zum Handwerk: Für ihren 2014 veröffentlichten Roman „Die Strafpilgerin“ etwa ist sie mit ihrem Mann Karl-Heinz den Jakobsweg nachgefahren. Zudem habe ihr Gatte extra einen Spanisch-Crash-Kursus belegt, um ihr bei der Übersetzung eines alten Dokumentes zu helfen. Überhaupt unterstütze sie ihr Mann, ebenfalls Wissenschaftler, wo er könne: „Ich sitze schon frühmorgens an meinem Schreibtisch, während mein Mann das Frühstück macht.“

Und auch ansonsten liegt die Liebe zur Literatur in der Familie: Ihre Mutter habe als Buchhändlerin und Übersetzerin gearbeitet, ihr Vater Bücher über Geologie geschrieben, berichtet Kari Köster-Lösche. Und auch ihre Tochter Kaike ist als Filialleiterin einer großen Buchhandlung in Hamburg. „Seitdem meine Tochter 16 ist, ist sie Erstlektorin für meine Manuskripte. Vor ihrem Urteil habe ich immer am meisten Angst“, sagt die Autorin. Allerdings: Sobald die Korrekturen ihrer Tochter umgesetzt seien, habe eigentlich niemand mehr etwas auszusetzen.

„Tod im Biikefeuer“ ist der fünfte Krimi um den friesischen Wasserbauinspektor mit kriminalistischem Talent. Und wenn es nach der Autorin geht, könnte er damit seinen letzten Fall gelöst haben. „Ursprünglich wollte ich nur drei Hansen-Krimis schreiben, geworden sind es fünf. Für mich ist die Reihe rund“, sagt die Autorin. Doch traurig darum ist Kari Köster-Lösche nicht, denn sie hat längst neue Ideen: „Etwas ganz anderes, wahrscheinlich mit Tieren. Aber mehr will ich noch nicht verraten“, sagt sie.


Kari Köster-Lösche: „Tod im Biikefeuer“, 363 Seiten, Knaur-Verlag, ISBN: 978-3-426-51508-2

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