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Flüchtlinge : Kreatives Willkommen im Noldegarten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zwölf Asylsuchende waren für einen Malkurs zu Gast in der Nolde-Stiftung / Volkshochschule und Diakonisches Werk sehen positive Effekte

Zwölf junge Afrikaner in der Malschule der Nolde-Stiftung? Das hat es in der Geschichte des Nolde-Museums auf Seebüll noch nie gegeben. Am Dienstag waren Eritreer zu Gast bei Mechthild Gransow, um drei Stunden das zu tun, was sie in ihrer Heimat noch nie getan haben – nämlich um zu malen. Die nicht alltägliche Malstunde, die seit Gründung der Malschule 2007 möglich ist, kam im Rahmen des Deutschunterrichts für die jungen Afrikaner zustande, der ihnen von den ehemaligen Schulleitern Brigitte Reuther und Walter Fedders sowie in der Volkshochschule Niebüll erteilt wird.

Warum nicht mal etwas anderes statt der klassischen Wattwanderung zur Hallig Oland? Als Brigitte Reuther auf Seebüll nachfragte, leuchtete sofort grünes Licht auf. Am Dienstag um 15 Uhr saßen zwölf weißgekleidete „Schüler“ auf ihren Plätzen in der Malschule – einem lichterfüllten Raum mit Blick nach Westen. Begonnen hatte der Besuch für die seltenen Gäste mit einem Blick in die Ausstellung: in den Bildersaal und den Raum mit den religiösen Bildern, die die jungen Leute tief versunken betrachteten. Die meisten von ihnen sind christlichen Glaubens, nur wenige Moslems.

Zum Thema der Malstunde wurden die Blumen gewählt. Zuvor erläuterte Mechthild Gransow mithilfe von Gesten, wie malen geht – angefangen mit dem Skizzieren und ein wenig Farbenlehre sowie dem Mischen von Farben. Im Noldegarten wurde skizziert, was später in Farbe lebendig werden sollte. Zur Auswahl stand die volle Blütenpracht in dem nach den Initialen von Ada und Emil Nolde gestalteten Garten. Dieser war neben der Malschule bereits ein Erlebnis für sich.

Danach ging es zur Sache – mit leicht zu beherrschenden Temperafarben, großformatig und mithilfe der Kreideskizzen auf vorgrundiertem Papier – und ebenso versunken in eine bis dahin unbekannte Tätigkeit – beseelt, begeistert, konzentriert und auch schon ein wenig kreativ. In einigen der jungen „Schüler“ mag sich eine Art Kultursprung vollzogen haben, weil sie verspürten, dass sie noch nie vor der Aufgabe gestanden hatten, Visuelles gestalterisch umzusetzen. Vielleicht auch mögen sie empfunden haben, dass es etwas Wunderbares ist, Gefühle durch Farbe sichtbar zu machen, wie es Emil Nolde meisterhaft verstand. Doch unübersehbar war, dass es ihnen Freude machte, wie sich später beim Besprechen jedes der Bilder zeigte. Neben der Sprachförderung erfuhren die jungen Afrikaner auch so etwas wie ein kleines Kulturerlebnis.

Neun der zwölf Eritreer sind in Niebüll untergebracht – teils im Deezbüller Turmhaus, teils in der Hans-Momsen-Straße. Die anderen drei wohnen in Leck, wo sie von Ursula Lorenz betreut werden. Einzige Frau unter den Eritreern ist Luna (41), deren Mann nicht mitgekommen ist. Den Weg nach Deutschland nahmen die Afrikaner über den Sudan und Libyen sowie über das Mittelmeer. Sie sind im Schnitt um die 25 Jahre alt. Ihr „Senior“ ist 41, der fast 18 Jahre beim Militär war, das bekanntlich an der Grenze zu Äthiopien eingesetzt ist. Noch während der Schulzeit werden die jungen Eritreer für das Militär registriert – und später eingezogen. Wer sich dem entzieht, muss mit Zwangsarbeit rechnen.

Von den jungen Migranten hat keiner einen Beruf erlernt. Einer von ihnen hat kürzlich, wie Brigitte Reuther berichtete, eine Lehrstelle als Maler angetreten. „Wir erhoffen uns von diesem Beispiel eine Schneeball-Wirkung“, erklärte sie. Sie ist außerdem erfreut, dass das Diakonische Werk bei der Betreuung der Afrikaner mitmacht. Die beiden Deutschlehrer, die Volkshochschule und das Diakonische Werk gehen davon auch, dass der Besuch der Malschule positive Nachwirkungen hat und förderlich auch für den Deutschunterricht ist. Denn immer wieder wird deutlich, dass ohne Sprachenkenntnisse im Gastgeberland nichts läuft.

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erstellt am 14.Aug.2015 | 05:00 Uhr

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