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Aktivregion Nordfriesland Nord : Krabben vom Kutter ins Ferienhaus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Arbeitskreis Fisch der Aktivregion beschließt Direktvermarktung von Meeres-Produkten. Fördergelder in Höhe von 280 000 Euro stehen bereit.

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 17:57 Uhr

Frisch in der Nordsee gefangene Krabben und andere Produkte aus dem Meer auf einem Fischmarkt oder an einem Stand erwerben und in der Ferienhaus-Küche zubereiten – das soll rund um Dagebüll bald möglich sein – dank zweier jetzt beschlossener Projekte der Aktivregion Nordfriesland Nord.

Seit Jahrhunderten wird in der Nordsee vor Dagebüll auf Fisch-, Krabben- und Muschelfang gegangen. Dieses Kulturgut soll künftig stärker erlebbar gemacht und dadurch bewahrt werden, das touristische Profil an der Küste im nördlichen Nordfriesland um eine weitere Facette bereichert werden. Für dieses Ziel gibt es seit Jahren unter dem Dach der Aktivregion den Arbeitskreis Fisch. „Dieser hat bisher ein stiefmütterliches Dasein geführt. Es war schwer, konkrete Projekte zu entwickeln“, sagt Dagebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen, der den Arbeitskreis leitet. Doch nun gibt es Beschlüsse, zwei konkrete Vorhaben zu starten: Die Direktvermarktung von Krabben sowie das Marketing-Projekt „Fischerei vernetzt Westküste“. Bis zum Jahr 2020 stehen der Aktivregion Nordfriesland Nord für den Arbeitskreis Fisch 280  000 Euro an Fördermitteln aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) zur Verfügung. Das Projektgebiet erstreckt sich auf die Gemeinde Dagebüll, den Hafen Dagebüll, den Hafen Schlüttsiel, dessen nördlicher Bereich zu Dagebüll gehört, sowie die Gemeinde Ockholm.

Schon im Herbst soll mit dem Bau eines Krabben-Verkaufsstandes am Schleusenhaus in Schlüttsiel begonnen werden. Kosten: 100  000 Euro, 85  000 davon stammen aus Fördermitteln, der Rest vom Projektträger, dem Hafenbetrieb Schlüttsiel/Hafengesellschaft Dagebüll. „Es gibt kaum noch Berufsfischer. Da der Krabbenfang eine so lange Tradition in dieser Region hat, freuen wir uns, bald wieder fangfrische Krabben vor Ort anbieten zu können“, sagt Timo Kiekow von der Hafengesellschaft Dagebüll. Krabben haben sich von einem „Arme-Leute-Essen“ zu einem Luxusgut entwickelt. 18 Euro koste laut Kiekow derzeit ein Kilo Krabben mit Schalen vom Kutter.

Die Nachfrage nach ungepuhlten oder vor Ort entschalten Krabben habe sich nach Einschätzung von Hans-Jürgen Ingwersen im Zuge eines steigenden ökologischen Bewusstseins erhöht. Immer mehr Menschen seien nicht bereit zu akzeptieren, dass Krabben aus der Nordsee zum Puhlen nach Osteuropa oder gar Afrika hin und her gefahren werden. „Im zweiten Step sehe ich daher auch eine Direktvermarktung in Dagebüll“, sagt Ingwersen. Ideal dafür sei der künftige Deichtorplatz am Hafen, der derzeit im Zuge der Deichverstärkung für eine weitere touristische Aufwertung Dagebülls mit seinen mittlerweile mehr als 1000 Gästebetten sorgen soll. Dort könnten dann auch Muscheln, frischer Fisch, aber auch Obst und Gemüse aus der Region auf einem kleinen Markt regelmäßig verkauft werden. „Die Nachfrage dafür ist da“, ist sich Dagebülls Bürgermeister sicher.

Seine Gemeinde ist Träger des zweiten Fisch-Projektes, das zunächst mit 20  000 Euro gefördert wird. Gemeint ist die Marketing-Offensive „Fischerei vernetzt Westküste“. Deren Ziele sind, die Fischereiwirtschaft präsenter zu machen, die Geschichte der Fischerei zu erzählen sowie den Absatz von Meeresfrüchten und Fischereiprodukten an Gäste und Einheimische zu erhöhen. „Dies soll durch eine bessere Vernetzung von Erzeugern, Gastronomie und Tourismus erfolgen – und zwar entlang der gesamten Westküste bis nach Dithmarschen“, erläutert Hans-Jürgen Ingwersen. Flyer, Gastronomie-Workshops und die Präsentation bei Veranstaltungen und Messen sollen die Westküste als kulinarische Adresse für frische Meeresprodukte noch bekannter machen. „Ich gehe davon aus, dass im Herbst die ersten Aktionen starten“, sagt der Bürgermeister. Das bestätigt Simon Rietz, Regionalmanager der Aktivregion Nordfriesland Nord: „Start ist voraussichtlich der 1. September. Der Projektträger muss die Stellen für die eingebundenen Mitarbeiter aber jetzt erst noch ausschreiben.“

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