Kunstausstellung : Konzipiert oder zufällig

Der Bildausschnitt zeigt einen Mann, der einen Schatten gießt.
Der Bildausschnitt zeigt einen Mann, der einen Schatten gießt.

Eine neue Ausstellung im Richard Haizmann Museum zeigt „Schattengießen – Malerei und Zeichnung“.

shz.de von
20. März 2018, 12:37 Uhr

Niebüll | Auf große Zustimmung stieß die neue Ausstellung „Schattengießen – Malerei und Zeichnung“ von Andreas Grunert im Richard Haizmann Museum.

„Sehr interessant“, befand Bürgermeister Wilfried Bockholt, der sich später wie andere Gäste mit dem süddeutschen Künstler intensiv unterhielt. Zuvor hatte der Bürgermeister die Werke genau studiert; das taten fast alle Besucher – die Neugier war groß. Der Klassiker „jeder sieht, was er sieht“ gilt auch bei Andreas Grunert. Seine oft großformatigen Bilder zeigen „erlebbare Wirklichkeit“, Figuren, Tiere, Landschaften, Gegenstände. Doch selbige sind oft auf skurrile Weise ineinanderkomponiert, oft stark verkleinert, die Linien kippen. Ganz entgegen unseren Sehgewohnheiten purzeln Menschen und Dinge durcheinander.

In einem Stilleben finden sich Hasenohren wie ein Blumenstrauß, ein seltsamer Wasserfall dekoriert eine Tanne, ein Hund entschwindet, ist nur zur Hälfte zu sehen. Sind es Traumbilder oder philosophische Anspielungen? Das Motiv des seinen Schatten wässernden Mannes taucht immer wieder auf. Dr. Uwe Haupenthal versucht die Analyse: Er sieht darin den „Ausdruck selbstreflexiver existentieller Erfahrung“. Ein poetisch einnehmendes Bild, das in Adelbert von Chamissos Märchen „Peter Schlehmil“ seinen Ursprung hat. Die Figur im Bild „Wanderer“ sieht Haupenthal als eine tragische Figur, die sich in unendlich anmutender Weite in der kargen Landschaft verliert. „Letztendlich ist es der Betrachter selbst, der durch das Bild schreitet.“ Das kann zum Nachdenken führen, muss aber nicht. Und so können die Besucher von Raum zu Raum schreiten, um sich eigenen Gedanken hinzugeben. Das hängende Gipfelkreuz erinnert an Caspar David Friedrich, ein ironisches Zitat und dennoch zufällig entstanden. „Ich habe bei diesem Bild nichts geplant“, sagt Andreas Grunert, „Es ist einfach so entstanden, nach unzähligen Übermalungen.“ Andere Werke hat er konzipiert, wieder andere haben sich ergeben. „Oft bin ich ganz woanders gelandet.“ Gerade diese Vorgehensweise macht vielleicht das Überraschende aus. Der Betrachter entdeckt immer wieder Details, muss genau hinschauen. Manchem Besucher war zu wenig Farbe im Spiel. Doch wenn diese gesetzt wird, dominiert sie und schafft Ausgewogenheit. „Andreas Grunerts Bilder besitzen Offenheit und vor allem kommunikative Fähigkeit, um dies in uns herzustellen und zum Klingen zu bringen“ formulierte es Dr. Uwe Haupenthal abschließend. Die „kommunikative Runde“ der Besucher blieb noch lange beisammen. Die Ausstellung „Schattengießen – Malerei und Zeichnung“ ist noch bis zum 29. April zu sehen.

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