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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 08:03 Uhr

Konzertieren auf Augenhöhe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das „Duo Tanchev-Jahn“ erhielt für seine anspruchs- und temperamentvollen Darbietungen im Rathaussaal Leck Beifallsstürme

Die Zuhörer bekamen einen anspruchsvollen Sonatenabend geboten. Grund: Auf Einladung des Vereins der Musikfreunde in Leck und Umgebung gastierte das noch junge, aber bereits international erfahrene und mehrfach ausgezeichnete „Duo Tanchev-Jahn“ im Sitzungssaal des Lecker Rathauses.

Die Vorsitzende der Gastgeber, Heidi Specht-Christel, machte die Zuhörer darauf aufmerksam, dass Friederike Jahn (Violine) und der aus Bulgarien stammende Asen Tanchev (Klavier) dem exklusiven Kreis der Bundesauswahl des Deutschen Musikrates („Konzerte junger Künstler“) angehören und für ihre Vielseitigkeit und starke Dynamik ihres Musizierens bekannt seien. Auch gab sie vorab bekannt, das Ehrenmitglied Brunhilde Klein, Mitbegründerin und Förderin des gastgebenden Vereins, habe dieser Tage ihr 100. Lebensjahr vollendet. „Ich werte dies als gutes Omen für unseren Verein“, so Heidi Christel.

Durch das Programm des Konzertes führten die Mitglieder des Duos selbst, indem sie auf die jeweiligen Besonderheiten, aber auch auf eine Gemeinsamkeit der drei Werke sehr unterschiedlicher Tonsprache hinwiesen: Keine der Sonaten gehöre noch der Zeit an, als das Klavier „den Ton angab“ und die Violine sich diesem unterzuordnen hatte. Vielmehr sei nunmehr ein gleichberechtigtes Konzertieren auf Augenhöhe im musikalischen Dialog angesagt. Diesem Anspruch wurden Friederike Jahn und Asen Tanchev vollauf gerecht.

Als erste Komposition interpretierten sie die letzte der drei im Opus 12 des Komponisten Ludwig van Beethoven enthaltenen Sonaten für Violine und Klavier, verfasst in Es-Dur. Diese verlangte den beiden Duo-Partnern ein Höchstmaß an spieltechnischem Können und einfühlsamer Musikalität ab. Die Klänge der voll tönenden, in Tschechien gebauten Geige und die des vereinseigenen Blüthner-Flügels ergänzten sich auf reizvolle Weise. Der erste Satz strotzte vor Spritzigkeit und Lebensfreude, der zweite, ein Adagio, ließ die gedankliche Tiefe und den Reichtum an Gefühlen erkennen, der langsamen Sätzen Beethovens in vielen seiner Werke zu eigen ist. Mit einem forschen, von beiden Interpreten virtuos dargebotene Rondo klang die Sonate beeindruckend aus.

Als musikalischer Höhepunkt – zugleich aber auch stimmungsmäßiger Tiefpunkt – des Abends erwies sich die in den Jahren von 1938 bis 1946 von Sergej Prokofjew verfasste „Sonate op. 80 Nr. 1, f-moll“. Das elegische Werk von höchstem Schwierigkeitsgrad, spürbar beeinflusst von den Grauen des Zweiten Weltkrieges, bewog die Interpreten – besonders im zweiten Satz – zu einer groben, fast ruppigen Spielweise. Ein wenig Entspannung war erst am Ende des letzten Satzes zu spüren, als im Diskant des Klaviers – von schwirrenden Klängen der Violine umspielt - eine choralartige Melodie erklang.

Das letzte Werk des Konzertes, die sehr farbige „Sonate op. 13 Nr. 1 in A-Dur“ von Gabriel Fauré, gab Friederike Jahn und Asen Tanchev die Gelegenheit, sich auf höchst virtuose Weise der Spätromantik zuzuwenden. An der kunstvollen Art, wie sie das erste kammermusikalische Meisterwerk des Komponisten zelebrierten, hätte vermutlich auch dessen Freund und Schüler, Camille Saint-Saens, seine Freude gehabt, der in einer Rezension treffend befand: „Man findet in dieser Sonate all das, was den Feinschmecker verlocken kann: neue Formen, ausgezeichnete Modulationen, ungewöhnliche Klangfarben und die Verwendung unerwarteter Rhythmen.“

Das Duo wurde allen Anforderungen uneingeschränkt gerecht und deshalb zu Recht mit lautstarkem und lange anhaltendem Beifall verabschiedet.



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