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Klaviermusik : Konzertgenuss im Dreivierteltakt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das international renommierte Klavierduo Mona und Rica Bar verzauberte sein Publikum im Lecker Rathaus mit Walzern und mehr.

„Vier Hände, zwei Schwestern, ein Puls“: So hatte der Verein der Musikfreunde in Leck und Umgebung das international renommierte Klavierduo Mona und Rica Bard als Interpreten seines jüngsten Rathauskonzertes angekündigt – und damit, wie sich zeigte, den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn die beiden Pianistinnen, die innerhalb der vergangenen zehn Jahre bereits zum dritten Male in Leck gastierten und sich inzwischen in den bedeutendsten Konzertsälen sowie bei Festspielen in aller Welt auszeichneten, musizierten einmal mehr hoch virtuos und einfühlsam „wie aus einem Guss“.

Zuvor jedoch hieß die Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Heidi Specht-Christel, die 120 erschienenen Gäste willkommen. Unter ihnen befand sich auch die elfjährige Julia Cao aus Niebüll mit ihren jüngeren Geschwistern, die sich beim diesjährigen „Regionalwettbewerb Westküste“ von „Jugend Musiziert“ für den Landeswettbewerb qualifiziert hatte (wir berichteten). Sie und ihre Schwestern wurden mit einem Sonderbeifall bedacht.

Die erste Hälfte des Programms, das Mona und Rica Bard abwechselnd selbst moderierten, stand ganz im Zeichen des Dreivierteltakts, denn sie enthielt ausschließlich Walzer unterschiedlichster Facetten, wenngleich allesamt konzertanter Art und somit als Tanzmusik weder gedacht noch geeignet. Zunächst erklang eine Auswahl aus dem Zyklus „Walzer, op. 39“ von Johannes Brahms, der sich dabei von einer für ihn ungewöhnlich heiteren Seite präsentierte.

Der zweite Programmblock bestand aus mehreren vom zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Rihm (geboren 1952) verfassten „Kurzen Walzern“, die alle weder eine Einleitung noch ein hervorgehobenes Finale aufweisen. Rihm, der normalerweise extrem modern harmonisiert und durch seine Neigung, Prinzipien der seriellen Musik anzuwenden, dem Publikum ein Höchstmaß an Konzentration abverlangt, schuf hier ganz konservativ ausgerichtete Parodien auf komponierende Freunde, deren Stil er jeweils augenzwinkernd andeutet. Auch Mona und Rica Bard hatten an ihnen sichtlich und hörbar ihre Freude.


„Fuchs, die hast du ganz gestohlen!“


Dem von Brahms geförderten, leider aber weitgehend in Vergessenheit geratenen Spätromantiker Robert Fuchs galt die letzte Walzerfolge. Er hatte sich dermaßen intensiv in den Kompositionsstil seines Förderers hineingearbeitet, dass er in den Verdacht geriet, diesen zu imitieren. So soll ein berühmter Kollege bei Durchsicht eines Werkes von Fuchs augenzwinkernd geäußert haben: „Fuchs, die hast du ganz gestohlen!“ An den kunstvoll gefertigten 16 „Walzern, op. 25“ hatte das Publikum uneingeschränkt seine Freude.

Der zweite Teil des Konzertes begann mit den „Jeux d’enfants, op. 22“ von Georges Bizet. Die zwölf Sätze, rufen – wie Schumanns „Kinderszenen“ – die Kindheit des Komponisten in Erinnerung, indem sie namentlich genannte Spiele und deren Requisiten nach Art der „Programmmusik“ lautmalerisch nachzeichnen: vom Schaukeln über das Spielen mit Puppen und Seifenblasen bis hin zum Bockspringen und hemmungslosen Herumtoben. Den beiden Instrumentalistinnen wurde dabei wegen der sich häufig überkreuzenden Hände ein Höchstmaß an Konzentration und Koordination abverlangt, was Mona und Rica Bard aber offensichtlich keine Schwierigkeiten bereitete.

Noch einmal gesteigert wurden die Anforderungen an das Klavierduo bei der abschließenden „Rapsodie espagnole“ von Maurice Ravel, bei der sich dieser als genauer Kenner spanischer Mentalität und Musik erweist. Am stärksten beeindruckten „Prélude“, eine Hommage an die Nacht, und „Feria“, ein ungestümes Fest hörbar gemacht. Aufgrund des lautstarken und lange anhaltenden Beifalls wartete das Duo noch mit einem Walzer von J. Brahms als Zugabe auf.

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erstellt am 20.Feb.2014 | 05:45 Uhr

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