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Nordfriesland Tageblatt

17. Dezember 2017 | 00:18 Uhr

Ungewöhnlich : Konzert auf der Empore

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In der St. Willehad-Kirche begaben sich Zuhörer und Künstler in luftige Höhe. Statt in den ebenerdigen Bankreihen nahmen sie auf der Empore Platz. Auf diese Weise wurde ihnen ein besonderes Sicht- und Hörerlebnis ermöglicht.

von
erstellt am 30.Sep.2013 | 08:30 Uhr

Ein Kreis ambitionierter Vokalisten und Instrumentalisten von beiderseits der deutsch-dänischen Grenze fand sich in der Lecker St. Willehad-Kirche zusammen, um unter der Leitung des Kantors und Organisten Thomas Hansen ein „Konzert besonderer Art“ darzubieten. Die erste Besonderheit des Abends bestand darin, dass alle Konzert-Beiträge – vermutlich, um besseren Sicht- und Hörkontakt zur Paschen-Orgel zu ermöglichen – auf der Empore stattfanden. Auch die Zuhörer wurden gebeten, nach Möglichkeit dort Platz zu nehmen und befolgten diese Bitte. Von hier aus genossen sie das Spiel der beteiligten Künstler: Anneke Christiansen und Ingrid Sievers (Sopran), Michael Schwarz (Tenor), Dora Feddersen (Querflöte), Gabriele Kuhlmann (Oboe), Armin Feddersen (Violoncello) und Thomas Hansen (Orgel).

Thomas Hansen erläuterte den Zuhörern den Aufbau des abwechslungsreichen, streng symmetrisch konzipierten Programms, an dessen Beginn und Ende je eine zeitgenössische, chorisch zelebrierte Improvisation stand. Zum Auftakt erlebte ein Werk des Thomas Hansen seine Welturaufführung. Dessen Thema, „Komm, Gott Schöpfer“, stimmte der Autor in das noch laufende Geläut der Kirchenglocke hinein an.

Alle Sänger nahmen es zunächst einstimmig auf, um es danach selbständig akkordisch auszuweiten, rhythmisch zu gestalten und seine Klangfarbe zu variieren. Vorgeben war ihnen nur der harmonische Rahmen. Stilistisch ähnelte der Satz dem der „Alleluja Super Round“, 1973 von William Albright 1973 komponiert, und der das Konzert abrundete. Beide erweckten den Eindruck eines angedeuteten Domgeläutes.


Starke Kontraste


Ingrid Sievers sang auf einfühlsame Weise zwei vom belgischen Komponisten Flor Peeters hochmodern gesetzte Lieder mit entsprechend herber aber eindringlicher Harmonik: „Morning“ und Evening“. Sie standen in starkem Kontrast zu vier Arien von Georg Friedrich Händel, welche die Vergänglichkeit der Welt thematisierten, dennoch aber einfach nur Spaß machten. Zwei von ihnen trug in überzeugender Manier Annika Christiansen vor, so auch die sehr hoch gestimmte Arie „Sanfte Stille, sanfte Quelle“. Dabei wurde ihr Gesang durch Dora Feddersens sicher und klangschön vorgetragene Flötenstimme ergänzt, während Thomas Hansen und Armin Feddersen – wie bei vielen der Konzertbeiträge – per Orgel und Cello den Basso continuo beisteuerten.

Mit seiner sanften und wohltuend leicht eingesetzten Tenorstimme erfreute Michael Schwarz das Publikum bei seiner mal von der Flöte, mal von der Oboe unterstützten Interpretation der Händel-Sätze: „In den angenehmen Büschen“ und „Süße Blumen, Ambraflocken“.

Als Orgelsolist glänzte Thomas Hansen bei seiner meisterlichen Wiedergabe eines hochmodernen „Hymnus“ und der anschließenden, quirligen Toccata, beide verfasst von Jean Langlais. Beim Hymnus arbeitete er die Fanfarenklänge besonders heraus und machte er einen breit gedehnten cantus firmus hörbar.

Den Mittelpunkt des Konzertes, bestehend aus drei Instrumentalstücken – zwei „Allegros“ aus der Es-Dur Sonate von J. Joachim Quanz und der melancholischen „Fantasie in f-moll von Ludwig Krebs – wollte Hansen als „Reise zu Lande, im Wasser und in der Luft“ verstanden wissen. Sie wurden insbesondere durch die beiden Holzbläserinnen genutzt, den Wohlklang ihrer Instrumente (Oboe und Flöte) und ihr eigenes spieltechnisches Können überzeugend zu demonstrieren. Gegen Ende des Konzertes kamen auch die Freunde hochromantischer Musik noch voll auf ihre Kosten, indem sie ein von Gabriele Kuhlmann und Th. Hansen per Oboe und Orgel gefühlvoll zelebriertes „Andante“ von J.G. Rheinberger genießen durften. Für alle Darbietungen zusammen bedankte sich das Publikum zum Schluss des Konzerts mit lebhaftem Beifall.

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