zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 23:23 Uhr

Kontroverse Diskussion über „Freifunk“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Unverschlüsselter und kostenloser Internetzugang für alle in Leck, ermöglicht unter anderem durch den HGV – das gefällt nicht allen Mitgliedern

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 13:11 Uhr

Freier W-Lan-Zugang für alle in der Gemeinde – dieser Vorschlag stand unter anderem bei der Mitgliederversammlung des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Leck zur Diskussion. Auskunft über die Möglichkeiten gaben Marcel Walther und Jens Wehrmann, die sich für die Initiative „Freifunk“ engagieren und besonders mit der Flensburger Regionalgruppe in Austausch stehen. Eingeladen hatte die Referenten Gemeindemanagerin Sabine Schwarz, die unter anderem darauf verwies, dass es in Niebüll bereits Freifunk gebe, etwa in der Bücherei oder dem Friesencenter.

Flächendeckend kostenloses W-Lan anzubieten und über öffentliche Zugangspunkte schnell und einfach zur Verfügung zu stellen – so umschrieb Walther das Ziel der Initiative. Über bereits vorhandene Internetanschlüsse könnten Lecks Gewerbetreibende mit einem zusätzlichen Router und „Freifunk“-Firmware Zugang zum World Wide Web gewähren. „Das ist super einfach. Die Nutzung ist frei für alle, es muss kein Passwort eingeben werden“, warb Marcel Walther für die Idee, die sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Welchen Vorteil die Gewerbetreibenden davon hätten, „außer zu zeigen: ,Wir sind nette Menschen und geben allen kostenloses Internet?‘“, wollte Dr. Sönke-Peter Nehlsen wissen, der sich als Rechtsanwalt die folgende Diskussion mehrfach auf Themen wie Haftung und gesetzliche Rahmenbedingungen lenkte. Firmen könnten sich selbst präsentieren und müssten keine Terminals aufstellen, weil Kunden ihre eigenen Geräte nutzen würden, nannte Marcel Walther als einen Vorteil, auch in der Gastronomie sei das ein interessanter Zusatzservice. Firmeneigene Daten würden abgeschottet, so dass Nutzer keinen Zugriff auf interne Informationen hätten. Um zum Beispiel die Hauptstraße zum durchgängigen Freifunk-Hotspot zu machen, müsste allerdings in jedem zweiten Gebäude ein Router stehen, der zwischen 30 und 70 Euro koste, so der Referent weiter.

„Ich sehe schon den Vorteil, dass die Gemeinde damit Reklame machen könnte, dass es in Leck einen freien Internetzugang gibt“, sagte Johannes Ehrichsen-Bey. Auch Gemeindemanagerin Sabine Schwarz nannte Argumente für Freifunk in Leck und verwies auf den neuen Reisemobil-Stellplatz und das Service-Potenzial für Touristen.

Allerdings stieß die Tatsache, dass das W-Lan der Initiative Freifunk nicht durch ein Passwort geschützt wird und einzelne Nutzer nicht identifizierbar sind, mehreren Anwesenden sauer auf. „Die Sache ist für mich gegessen, allein durch die Tatsache, dass sich jemand durch die Bereitstellung theoretisch einen Kinderporno herunterladen könnte“, sagte zum Beispiel Ute Rusdorf. „Wer kriminelle Dinge tun will, der findet immer Wege, auch ohne Freifunk“, entgegnete Referent Jens Wehrmann. Zudem betonte er mehrfach, dass das Prinzip Freifunk nicht illegal sei, sondern vielmehr Teil einer globalen Bewegung für freie Infrastrukturen und offene Funkfrequenzen, das die Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke zum Ziel habe.

HGV-Vorsitzender Sven Lück bedankte sich bei den Referenten für den Überblick über die Möglichkeiten und bat die Experten trotz der „kontroversen Diskussion“, auch nach der Sitzung für Fragen zur Verfügung zu stehen.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen