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Körperverletzung: Lehrersohn zu acht Monaten Haft verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Leben von Lehrersohn Marco M.* lief schon früh aus der Spur. Bereits mit 15 Jahren brach der Junge in Gartenlauben ein, sprühte Graffiti, verstieß gegen das Waffengesetz und beteiligte sich an weiteren Straftaten. Dazu kam eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS). In dieser Zeit begann Marco M. Cannabis zu rauchen und schnupfte auch zum ersten Mal Kokain. In den folgenden Jahren ging es weiter bergab. Immer häufiger fiel der gebürtige Hamburger, dessen Eltern in Südtondern leben, wegen Drogen und Gewaltdelikten auf. Gestern musste sich der Anfang Zwanzigjährige nun wegen gefährlicher Körperverletzung im Amtsgericht Niebüll verantworten.

Der Angeklagte ließ sich auf eigenen Wunsch in Handschellen in die Verhandlung führen. Marco M. war extra aus der Jugendhaftanstalt in Münster nach Niebüll gebracht worden. Dort sitzt er derzeit in Untersuchungshaft, weil er mit Drogen gehandelt haben soll. Während der schmächtige Angeklagte den Ausführungen der Richterin folgte, verlas diese Berichte seiner Bewährungshelfern, nahm Atteste zu Kenntnis, die Marco M. eine ernste Angststörung zuschreiben und zeichnete seine kriminellen Verfehlungen nach. Schließlich stand für das Gericht die Frage im Raum, ob Marco M. in den vergangenen zwei Jahren ernste Versuche unternommen hat, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Zentrale Frage für Richterin und Staatsanwalt war dabei, warum der junge Mann immer wieder stationäre Therapien abbrach. Der Anwalt von Marco M. sprach in diesem Zusammenhang von einen „Teufelskreis“, der auch durch bürokratische Verzögerungen verursacht worden sei. „Anfängliche Motivation wurde so zu Frust.“ Die Staatsanwaltschaft sah dies anders und forderte acht Monate Jugendhaft ohne Bewährung. Die Vorsitzende Richterin folgte letztlich diesem Vorschlag, da die ungelöste Drogenproblematik in Kombination mit der Persönlichkeitsstörung weitere Straftaten nahelegten und eine erzieherische Maßnahme nötig machten.  

* Name von der Redaktion geändert

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