Kommunale Entwicklung : Klixbüll setzt auf Nachhaltigkeit

Insgesamt 17 Hauptziele sind als „Sustainable Development Goals“ verankert – auch die Gemeinde Klixbüll steht hinter ihnen.
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Insgesamt 17 Hauptziele sind als „Sustainable Development Goals“ verankert – auch die Gemeinde Klixbüll steht hinter ihnen.

Die Gemeinde bekennt sich mit einem Beschluss öffentlich zu den „Sustainable Development Goals“ der Vereinten Nationen.

shz.de von
30. Januar 2018, 11:42 Uhr

Klixbüll | Die Kommune Klixbüll will nachhaltig fortbestehen und wachsen – das hat die Gemeindevertretung mit einem einstimmigen Beschluss öffentlich fixiert. Für die knapp 1000-Einwohner-Gemeinde sollen fortan die „Sustainable Development Goals“ (SDGs) gelten, zu Deutsch Ziele für nachhaltige Entwicklung. Sie sind Teil der 2030-Agenda der Vereinten Nationen, zu denen sich auch die Bundesregierung sowie das Land Schleswig-Holstein bekannt haben. „Mit Leben gefüllt werden sollten sie insbesondere durch eine kommunale Beteiligung und Verantwortung“, berichtet Bürgermeister Werner Schweizer. Bislang gibt es vier Zeichnungskommunen der Agenda-2030-Resolution in Schleswig-Holstein: Kiel, Neumünster, Brunsbüttel und eben Klixbüll.

Zu den Entwicklungszielen der Nachhaltigkeitsstrategie gehören unter anderem Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung, weniger Ungleichheit und bezahlbare und saubere Energien. Auch menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, nachhaltiger Konsum sowie Partnerschaften zur Erreichung der Ziele sind Teil der SDGs.

Klingt gut – aber wie können diese Ziele umgesetzt werden? „Im Schwäbischen gibt es den Spruch: Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, sagt dazu Klixbülls Bürgermeister Schweizer. Einen Werkzeugkasten zum Beispiel von der Bundesregierung, wie die Umsetzung der SDGs auf kommunaler Ebene vonstatten gehen soll, vermissen die Klixbüller Gemeindevertreter bislang. Allerdings: „Das Prinzip der Gemeinwohl-Ökonomie erscheint mir als ein gutes Hilfsmittel, um die SDGs umzusetzen“, sagt Werner Schweizer. Trefflich, dass dieses Prinzip 2018 in Klixbüll eine große Rolle spielen soll. Die Gemeinde will nämlich neben Breklum und Bordelum als eine der ersten Kommunen in Deutschland Gemeinwohl-Pioniergemeinde sein.

Gemeinwohl-Ökonomie beschreibt die Idee eines Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells, das sich nicht an Gewinnmaximierung, sondern an Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Solidarität ausrichtet. Dazu wird Bürgermeister Schweizer zufolge mit professioneller Unterstützung mittels einer gemeinwohl-ökonomische n Bilanz geprüft, inwieweit Klixbüll „ein gutes Leben für alle“ ermöglicht und was in Zukunft noch dafür getan werden kann.

„Zwei E-Dörpsmobile, E-Car-Sharing, E-Dörps-Rasenmäher für Gemeindeflächen, Bürgerwindparks, Grundschule mit fortschrittlichem Konzept, Dörpscampus, Geben-und-Nehmen-Station, Vereine und Verbände, Bürgerstiftung ...“ – dem Gemeindechef fallen viele Dinge ein, die bereits das Konzept der Nachhaltigkeit erfüllen. „Allein mit dem Thema Dörpsmobil werden neun SDGs berührt“, ist Schweizers Überzeugung.

Apropos: Gerade wurde auf der Grünen Woche in Berlin der „Leitfaden Dörpsmobil SH – Wir bewegen das Dorf!“ vorgestellt. Erarbeitet wurde der Leitfaden im Auftrag der Akademie für die ländlichen Räume Schleswig-Holsteins. „Die 22 Schleswig-Holsteinischen Aktivregionen haben sich zusammengeschlossen, um die Idee des Dörpsmobils aus der Gemeinde Klixbüll zu vervielfältigen“, heißt es in einer Mitteilung der Akademie für ländliche Räume, und weiter: „Ausgehend vom Erfolgsmodell Klixbüll finden Sie dort Antworten auf rechtliche Fragen, Informationen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit von Dörpsmobilen, Vor- und Nachteile verschiedener Betreiber-Modelle, zur Ladeinfrakstruktur und zu Buchungssystemen. Also zu allem, was interessierte Gemeinden wissen müssen, um ein vergleichbares Projekt zu initiieren und umzusetzen.“ Das Klixbüller Dörpsmobil macht also nicht nur in Südtondern mobil, sondern auch überregional Schule.

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