Gemeinde-Wettbewerb : Klixbüll auf dem Prüfstand

Drückt seiner Gemeinde die Daumen: Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer am Jury-Bus.
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Drückt seiner Gemeinde die Daumen: Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer am Jury-Bus.

Die Jury des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ hat sich gestern ein Bild von der Gemeinde gemacht. Heute fällt die Entscheidung.

shz.de von
05. Juli 2018, 06:00 Uhr

In der Mensa des Dörpscampus sind alle Plätze besetzt. Gespannte Erwartung liegt in der Luft – schließlich geht es um nicht weniger, als Klixbüll im besten Licht zu präsentieren. Eine Hürde hat die rund 1000-Einwohner-Gemeinde bereits genommen: Beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, ausgerichtet vom Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein, hat es Klixbüll unter die Top 11 geschafft (wir berichteten). Jetzt ist eine vielköpfige Jury per Bus angereist, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Zwei Stunden haben die Dorfbewohner Zeit, sich dem Bewerter-Gremium unter Vorsitz von Helga Klindt von der Akademie für die Ländlichen Räume zu präsentieren. Zur Jury gehören zudem Vertreter der Landesverbände von Naturschutz, Volkshochschulen und Landfrauen, von IHK, Handwerkskammer, Gemeindetag und mehr. Die ersten, die sich den Experten stellen, haben Musik mitgebracht: Kinderchor und Flötengruppe erzeugen offensichtliches Wohlgefallen. „Beim letzten Mal wurde bemängelt, dass keine Kinder in die Präsentation eingebunden wurden“, verrät eine Insiderin – Klixbüll hatte sich nämlich bereits 2015 bei „Unser Dorf hat Zukunft“ beworben und immerhin den fünften Platz errungen.

Diesmal haben die Klixbüller ihre Hausaufgaben gemacht: Wenig später berichten zudem fünf Grundschüler der Jury von „Plant for the Planet: Wir pflanzen Bäume für eine bessere Welt“. Diese Initiative haben die fünf Nachwuchs-Experten für Nachhaltigkeit vor wenigen Wochen bei einer Veranstaltung der Friedrich-Paulsen-Schule in Niebüll kennengelernt und wollen sie auch in Klixbüll umsetzen.

Die Kinder sprechen völlig frei und überzeugend – auch Moderationstechniken sind Teil des Unterrichts an der Grundschule Klixbüll, wie deren Leiterin Edeltraud Dahmani wenig später berichtet. „Zwischen Freiheit und Lenken“ ist das Konzept der Schule, dazu gehört auch ein Schülerparlament, in dem Kinder kritisch sein dürfen und argumentieren lernen: „Unser Ziel ist es, bei jedem Kind das persönliche Optimum zu erreichen“, sagt Dahmani.

Das kommt offenbar an: 111 Kinder besuchen die Schule, 60 Prozent kommen von außerhalb. Wie viele Bäume denn schon gepflanzt wurden, will ein Jury-Mitglied vom Landesnaturschutzverband wissen. Edeltraud Dahmani berichtet freimütig vom Schulwald mit Hühnern und Schafen, in dem allerdings leider keine großen Bäume wüchsen, weil sich darunter Bauschutt befände. Das missfällt dem Herrn vom Naturschutz – aber es zeigt auf der anderen Seite: Auch Ehrlichkeit gehört zum Konzept der Klixbüller Schulleiterin.

Bürgermeister Werner Schweizer beginnt seinen Vortrag in normalem Tempo, zieht dann aber merklich an: Insgesamt darf die Präsentation zwei Stunden nicht überschreiten, doch der Gemeindechef hat so viel in die Wettbewerbswaagschale zu werfen: das Klixbüller Modell des E-Carsharings namens „Dörpsmobil“, das inzwischen landesweit Schule macht, E-Dörps-Rasenmäher für alle Gemeindeflächen, Bürgerwindparks, Dörpscampus, Geben-und-Nehmen-Station, Bürgerstiftung ...

Und über allem stehen für Schweizer die „Sustainable Development Goals“ (SDGs). Gemeint sind die Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Teil der 2030-Agenda der Vereinten Nationen sind. Und auch die Gemeinde Klixbüll hat sie sich per Beschluss auf die Fahnen geschrieben. Die Jurymitglieder hören zu, haken nach, machen sich Notizen auf ihren Klemmbrettern.

Ein Thema darf natürlich nicht fehlen, wenn es um Zukunft geht: der ehemalige Nato-Flugplatz, auf dem die Gemeinden Leck, Tinningstedt und Klixbüll gemeinsam seit rund sechs Jahren eine Nachnutzung planen. Fly-in-Village, Airpark, Flughafen Sylt-Festland, Data-Center: Wie viel Eindruck diese Begriffe auf die Wettbewerbs-Entscheider machen, lassen diese nicht durchblicken.

Jurychefin Helga Klindt verrät nur so viel, bevor noch ein Ausflug zum Flugplatz-Gelände auf dem Programm steht: „So weit, wie hier nach vorne gedacht wird – diese Perspektiven gibt es in keiner der anderen teilnehmenden Gemeinden“, sagt sie. Klingt vielversprechend – ob es wirklich gereicht hat? Sechs Dörfer in der vergangenen, fünf in dieser Woche haben die Prüfer in Augenschein genommen. „Am Donnerstagabend muss eine Entscheidung fallen“, ist die Jury-Ansage. Ein bisschen müssen sich die Klixbüller also noch gedulden.

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