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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:51 Uhr

Nordfriesland : Kliniken hängen am Tropf

vom

Aktion der Allianz für Krankenhäuser heute in Husum. Auch Kreisklinikum in schwieriger Situation.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:41 Uhr

Nordfriesland | Patienten brauchen Zuwendung und die kostet Zeit: Doch Pflegepersonal in Krankenhäusern ist bereits seit Jahren mangels einer genügenden Zahl an Kollegen und Kolleginnen immer mehr Zeitdruck ausgesetzt. Geschuldet ist die Hetze von Krankenbett zu Krankenbett der schwierigen finanziellen Lage der Häuser in Schleswig-Holstein. Das Kreisklinikum Nordfriesland mit vier Standorten in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk schreibt zwar offiziell noch keine roten Zahlen - wie bereits rund 40 Prozent der Krankenhäuser im nördlichsten Bundesland -, doch auch im Kreis spitzt sich die Situation zu, unterstrich Klinikums-Geschäftsführer Frank Pietrowski in einem Pressegespräch in Husum.

Das Personal ist auch in den nordfriesischen Kliniken der größte Kostenfaktor. Doch ohne eine ausreichende Anzahl an Ärzten und Pflegekräften ist eine angemessene Behandlung kranker Menschen nicht zu leisten - denn fehlt die Zeit für Patienten, leidet die Qualität. Deshalb ist für Frank Pietrowski ein weiterer Personalabbau keine Option. Rund 1300 Mitarbeiter sind zurzeit im gesamten Klinikum beschäftigt. Für den Geschäftsführer ist es eine "Systemfrage": "Die Kosten, die anfallen, müssen refinanziert werden und dürfen nicht auf die Mitarbeiter zurückfallen." Zudem sei das Problem ein "grundsätzlich gesundheitspolitisches" und könne nicht in den Häusern gelöst werden. Und mit Blick auf den ländlichen Kreis Nordfriesland: "Allein aufgrund einer nicht ausreichenden finanziellen Ausstattung ist die flächendeckende Versorgung gefährdet."

Das kreiseigene Klinikum NF gehört mit zu einer Schleswig-Holsteinischen Allianz für die Krankenhäuser, die mit einer breiten Basis an die Öffentlichkeit geht: Denn mit im Boot sitzen nicht nur die Betroffenen, sondern unter anderem Unterstützer wie Diakonie, Sozialverband und Landkreistag. Alle haben für heute (25.) - einen Tag vor der Kommunal- und Kreiswahl - landesweit zu einem Aktionstag in verschiedenen Städten aufgerufen. In Husum findet dieser von 10 bis 14 Uhr auf dem Marktplatz der Kreisstadt statt. An einem Informationsstand wird Passanten die schwierige Situation erläutert und um Unterschriften für eine Petition gebeten - im Internet auf www.allianz.kgsh.de zu finden. Das passende Motto: "Sind wir zu wenig, kommen Sie zu kurz!".

Drei zentrale Forderungen hat die Allianz formuliert - an erster Stelle steht ein bundeseinheitlicher Basisfallwert. Seit 2009 ist in deutschen Krankenhäusern ein Fallpauschalensystem wirksam und kostet durch eine Dokumentationspflicht Ärzte und Pflegepersonal nicht wenig Arbeitszeit. Die Krux: In Schleswig-Holstein gibt es am wenigsten Geld für standardisierte Krankenhausleistungen. Denn bei der Festlegung sind damals die jeweiligen Budgets zu Grunde gelegt worden und dass Schleswig-Holsteins Häuser gut gewirtschaft hatten, rächte sich prompt, denn für sie waren somit niedrigere Summen eine Grundlage für die Berechnung der Fallwerte. Pietrowski: "Für den gleichen Eingriff bekommen wir 20 bis 25 Prozent weniger als Kliniken in Rheinland-Pfalz." Die Anpassung an einen für alle Länder gültigen Mittelwert ist von der Bundespolitik eigentlich bis 2013 vorgesehen gewesen. Dieses hätte bedeutet, dass die, die mehr bekommen, weniger erhalten - und da es sich um Millionenbeträge handelt, fällt die Solidarität schwer. Landrat Dieter Harrsen nahm als Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums kein Blatt vor den Mund. "Die CSU hat bei den Koalitionsverhandlungen verhindert, dass dies geschieht, um die Häuser in Bayern zu schonen." Dies sei eine Wettbewerbsverzerrung - "wir müssen die Kraft haben, dagegen zu halten".

Ursula Rummel von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) machte klar, dass ein einheitlicher Basisfallwert nur ein Teil der Lösung sein kann. Ziel müsse eine nachhaltige Finanzierung und mehr Geld für Personal sein, damit die Kliniken langfristig Sicherheit haben.21 000 Patienten wurden 2012 im Klinikum NF stationär versorgt. Für die vier Kliniken ist ein Umsatz von rund 90 Millionen Euro inklusive Fördermitteln und ambulanter Erlöse ausgewiesen.

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