Klinik Niebüll : Klinik wirbt für Geburten vor Ort

Viele Schwangere orientieren sich für die Entbindung nach Flensburg / Klinik Niebüll dementiert Gerüchte über Schließung der Belegabteilung

shz.de von
29. Mai 2015, 05:00 Uhr

Und plötzlich platzt die Fruchtblase – auch für Schwangere in Südtondern muss es manchmal schnell gehen. Wer nicht in den eigenen vier Wänden gebären möchte, der hat die Wahl: Den werdenden Müttern stehen die Kliniken in Flensburg, Husum und natürlich auch die Klinik Niebüll zur Verfügung. Doch statt den kürzesten Weg in den Niebüller Kreißsaal zu wählen, entscheiden sich besonders oft schwangere Sylterinnen für die deutlich längere Reise in das Flensburger Diako-Krankenhaus. Zu Unrecht – finden die Verantwortlichen in der Klinik Niebüll.

Wie sich zeigt, nehmen rund die Hälfte der Insulanerinnen längere Strecken auf sich. Seit Januar 2014 gibt es auf der Insel keine Geburtenstation mehr. Von den rund 90 schwangeren Sylterinnen im Jahr 2014 wanderten die Mehrheit zum Diako-Krankenhaus nach Flensburg ab. „Die Zahl der Sylter Geburten lag im vergangenen Jahr bei 41. Das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor“, sagt Pressesprecher Ole Michel. In der Geburtenstatistik des Krankenhauses sind die Insulanerinnen aber nur ein vergleichsweise kleiner Posten: Mit rund 1600 Geburten jährlich sind die Flensburger neben Kiel zweitgrößte Geburtenstation in Schleswig-Holstein. Für das Klinikum Niebüll, in dem im Jahr zuvor 247 Entbindungen gezählt wurden, entschieden sich im gleichen Zeitraum 28 Sylterinnen, rechnet Michael Mittendorf, Pressesprecher des Klinikums Nordfriesland, vor. Das sind damit deutlich mehr als vor der Schließung der stationären Geburtshilfe auf Sylt.

Trotzdem stellen sich am Klinikstandort Niebüll viele die Frage, warum nicht nur die Sylter Frauen oft den längeren Weg wählen? „Zu uns sind natürlich all die Frauen gekommen, bei denen es drohte, schwieriger zu werden“, erklärt Sprecher Ole Michel. Die hochspezialisierten Kinderklinik (Perinatal-Zentrum), in der auch kranke Neugeborene und extreme Frühchen betreut werden können, ziehe aber auch Frauen ohne Risikoschwangerschaft an, ist sich der Flensburger Diako-Sprecher sicher. Abgesehen von dieser Spezialkompetenz ist das Angebot für die werdenden Mütter in Niebüll allerdings ähnlich: Auch hier werden die Frauen rund zwei Wochen vor ihrem Stichtag kostenlos in der Nähe der Klinik untergebracht und können dann in der Klinik entbinden – im Notfall geht es per Hubschrauber direkt vom Klinikgelände zu den Spezialisten.

Der Frauenarzt Assem Hossein, der die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Niebüll als Belegarzt leitet, beobachtet schon länger, dass eine große Anzahl von Frauen in andere Kliniken überwiesen wird – anstatt nach Niebüll. Er erinnert sich an eine werdende Mutter aus einem Nachbardorf, die zweimal nach Husum überwiesen wurde – und das dritte Mal in die Klinik Niebüll ging, wo sie ihr Kind zur Welt brachte. „Fälle wie dieser haben sich in letzter Zeit wiederholt“, sagt der Facharzt. Neben der geburtshilflichen Betreuung bietet die Niebüller Frauenarztpraxis ein breites Spektrum gynäkologischer Dienstleistungen und Operationen an. Am fehlenden Angebot könne es deshalb nicht liegen, so Hossein. Vielmehr kämpfe der Standort Niebüll schon länger gegen Gerüchte, nach denen die seit 2007 als Belegabteilung geführte Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik Niebüll geschlossen werden soll. Die Verantwortlichen weisen diese Annahme aber weit von sich. „An den Gerüchten ist nichts dran. Es stimmt einfach nicht, was mir zu Ohren gekommen ist“, sagt Frauenarzt Assem Hossein. „Ich bin hier und bleibe auch hier.“ Das gilt auch für den Kollegen an seiner Seite, Dr. Michael Friemel. „Solange er mich braucht, stehe ich zur Verfügung“, bekräftigt Friemel. Mit Melanie Voß-Runkler hat jetzt auch eine vierte Beleghebamme den Weg auf die Station 4 der Klinik Niebüll gefunden.

Moderne Ausstattung, genügend Personal, gute Erreichbarkeit ermöglichen damit auch weiterhin eine reibungslose Geburt in der Klinik Niebüll. Das Krankenhaus bleibe unverzichtbar, heißt es vom Klinikum Nordfriesland.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen