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Notfall-Übung in der Klinik Niebüll : Klinik probt den Ernstfall

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Unangekündigte Notfall-Übung in der Klinik Niebüll – Mitarbeiterin gibt sich als Unfallopfer aus.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 04:02 Uhr

Niebüll | Die Versorgung Schwerstverletzter stellt hohe Ansprüche an Rettungskräfte und Mediziner. In unregelmäßigen Abständen führt das Klinikum Nordfriesland daher sogenannte „Polytrauma-Übungen“ unangekündigt durch. Unter einem „Polytrauma“ verstehen Mediziner mehrfache, an verschiedenen Körperregionen gleichzeitig aufgetretene Verletzungen in lebensbedrohlichem Ausmaß. Die Kliniken Husum und Niebüll verfügen jeweils über ein zertifiziertes Polytrauma-Zentrum, das diesen Verletzten die erforderliche Hilfe bietet. Dabei sind vorgegebene Qualitätsstandards genauestens zu beachten.

Auch bei dem jüngsten Niebüller Einsatz Ende Oktober war nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt, dass die große Kopfplatzwunde, der Beinbruch und die inneren Verletzungen, die sich die „Patientin“ durch einen Fenstersturz zugezogen hatte, nur fingiert sind, teilte Erika Pankratz, Sprecherin des Klinikums mit. Eine Mitarbeiterin gab sich als „Unfallopfer“ aus. Unter Verwendung von Knetmasse und viel rotem Farbstoff wurden die Verletzungen auf professionelle Weise täuschend echt präpariert. „Mit dem Rettungsdienst Nordfriesland wurde alles so realistisch wie möglich vorbereitet, so dass die Übung authentisch ablaufen konnte“, teilt Pankratz mit.

Der behandelnde Notarzt der Rettungswagenbesatzung veranlasste durch seinen Anruf im Zentralen Aufnahmedienst (ZAD) der Klinik Niebüll über die Ankündigung zur eintreffenden Polytrauma-Patientin alle erforderlichen Vorbereitungen. Die diensthabende Pflegekraft in der ZAD alarmierte anhand einer Liste umgehend das erforderliche Ärzteteam mit allen weiteren dazuzugehörenden Fachkräften. Danach erfolgte die Vorbereitung des „Schockraums“ (Reanimationsraum) für die Erstversorgung der schwerverletzten Patientin.

Die Arbeitsschritte – von der Alarmierung und Schockraumvorbereitung über die Anwesenheitsfeststellung des Trauma-Teams mit Bestimmung des Traumaleiters und der Übergabe des Verletzten durch den Notarzt bis zur Versorgung im Schockraum – seien zu dokumentieren, erklärt Pankratz. Eine besondere Handlungsvorschrift im Schockraum regele das medizinische Vorgehen mit festgelegten Phasen der Versorgung. Dieses „Polytrauma-Management“ sichere die sehr komplexen Versorgungsabläufe auf bestmögliche und schnelle Weise.

In diesem Übungsablauf waren eine Mitarbeiterin aus dem Qualitätsmanagement des Klinikums sowie der Schnittstellenkoordinator zwischen Klinikum und Rettungsdienst unter einem Vorwand vor Ort, um alle Abläufe samt Dokumentation kritisch zu prüfen. „Das Polytrauma-Team der Klinik Niebüll erwies sich als sehr professionell und eingespielt: relevante Zeitvorgaben wurden stets eingehalten, nennenswerte Abweichungen von den Standards gab es keine“, so Pankratz.

Diese Übungen seien sehr wichtig, da Fehler, die hier auftreten könnten, sich künftig gut vermeiden ließen. „Im Echtbetrieb hätte die Patientin beste Chancen zur kompletten Wiederherstellung und Genesung“, so die erfreuliche Feststellung des Ärztlichen Direktors Dr. Hans-Ralph Burow, Chefarzt der Intensivmedizin und Anästhesie der Klinik Niebüll.


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