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Menschen des Jahres : „Klinik Niebüll schließen – nix da!“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sieghard Schmanteck ist stellvertretend für die Bürgerinitiative Klinik Niebüll als Kandidat für Schleswig-Holsteins Menschen des Jahres nominiert.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2016 | 06:30 Uhr

Angefangen hat alles mit einem Zeitungsbericht vor gut einem Jahr. „Eine Gruppe um den Neukirchener Norbert Golomb hatte eingeladen, um darüber zu informieren, dass dem Niebüller Krankenhaus drastische Einschnitte drohen – und dagegen zu protestieren“, erinnert sich Sieghard Schmanteck. Für den pensionierten Polizeibeamten aus Niebüll und seine Frau Hildegard war sofort klar: „Da müssen wir hingehen, da müssen wir etwas tun.“ Seitdem ist viel passiert.

„Es ist uns gelungen, die Bürger wachzurütteln und das Thema öffentlich zu machen“, sagt Schmanteck rückblickend. Er ist von Anfang an aktives Mitglied der Bürgerinitiative Klinik Niebüll. „Ich stehe nur exemplarisch für die Gruppe, die nach dem ,Wir-Gefühl‘ arbeitet“, betont der 61-Jährige. „Klinik Niebüll schließen – nix da! S.O.S – Klinik in Not“ ist der Slogan der Bewegung. Notaufnahme nur noch bis 16 Uhr, Chirurgie nur noch von 10 bis 18 Uhr, keine stationären Aufnahmen mehr, Gynäkologie und Geburtshilfe werden abgeschafft – das sieht ein erstes Gutachten vor, das Anfang November 2015 öffentlich wird. Das erklärte der Ziel der Bürgerinitiative bis heute: Das Niebüller Krankenhaus muss in vollem Umfang erhalten bleiben.

Um zu zeigen, wie wichtig die Klinik für die Region ist, hat die Bürgerinitiative viel Zeit und Kraft investiert, sich unter anderem in die komplexe Materie der Betriebsstruktur des Klinikums Nordfriesland eingearbeitet. Im Bereich „Mahnwachen/Demonstrationen“ ist Sieghard Schmanteck besonders stark engagiert. Von ihm kam auch die Idee für ein sichtbares, unmissverständliches Markenzeichen des Protests. „Wir haben mit Unterstützung von Bürgern sowie Geld- und Sachspenden allein 700 rote Xe gebaut“, sagt Schmanteck. Wichtig war den Mitgliedern, dass die Protestzeichen leicht nachzubauen sind – insgesamt mögen es Tausende rote Xe sein, die in ganz Nordfriesland aufgestellt und als Warnung an die Entscheider zu verstehen sind.

Zudem hat die Bürgerinitiative Podiumsdiskussionen und Demos organisiert, 23  000 Unterschriften gesammelt, mehr als 1000 Teilnehmer zu einer Menschenkette um das Niebüller Krankenhaus versammelt, Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig in Niebüll abgefangen und ihm eine Resolution übergeben. Ende März dieses Jahres wird dann ein zweites Gutachten öffentlich, das vorsieht, die Klinik in Tönning zu schließen, den Standort Niebüll trotz mangelnder Wirtschaftlichkeit weiterzubetreiben und das Haus in Husum weiterzuentwickeln. „Das zweite Gutachten war positiver als das erste. Aber: Damit sind unsere Ziele nicht zu 100 Prozent erreicht. Wir müssen am Ball bleiben“, verdeutlicht Schmanteck.

Das sehen auch die Politiker in der Region so: „Bündnis Pro Krankenhaus Niebüll“ heißt der Zusammenschluss des Amtes Südtondern mit 30 Gemeinden, der Bürgerinitiative Klinik Niebüll und des Fördervereins der Einrichtung, der gemeinsam für den Erhalt des Krankenhauses in Niebüll kämpft.

„Flagge zeigen“ heißt die jüngste Aktion der Bürgerinitiative. Gelbe Fahnen mit den roten Xen untermauern die Forderung nach dem Erhalt der Klinik Niebüll als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung, der 24-Stunden-Notfallversorgung und der Reaktivierung der Geburtshilfe. Und dokumentieren gleichzeitig die Sorge der Bürger Südtonderns, weil sie sich von den Entscheidungsträgern über die mögliche Zukunft der medizinischen Versorgung vor Ort nur spärlich unterrichtet fühlen.

Sieghard Schmanteck ist stolz auf das, was die Menschen in Südtondern bisher gemeinsam erreicht haben: „Ich kann jedem empfehlen, bei so gravierenden Einschnitten aktiv zu werden. Es bringt etwas!“ Dazu brauche man nur ein bisschen Zeit und einen normalen Menschenverstand. Und: „Man sollte die Sachebene nicht verlassen.“         

                                                Telefon 01375-80401791-08 SMS: shz vote 08

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